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Odenwald

Auf seiner Westseite steigt das überwiegend bewaldete Bergland des Odenwalds mit einer steilen Stufe aus dem Oberrheinischen Tiefland an und überragt dieses mit seinen zwischen 500–600 m NN gelegenen Gipfelbereichen um bis zu 500 m. Landschaftlich gliedert sich das Gebiet des Odenwalds in den westlich gelegenen Grundgebirgs-Odenwald, der sich mit seinen zahlreichen Bergkuppen aus kristallinen Gesteinen deutlich vom östlich folgenden (Bunt-)Sandstein-Odenwald und seinen Hochflächen und Verebnungen unterscheidet. Nur ein untergeordneter Teil im Süden des Odenwalds liegt in Baden-Württemberg und wird überwiegend vom Buntsandstein eingenommen. Lediglich kleinere Bereiche östlich der Bergstraße zwischen Heidelberg und Weinheim gehören zum Grundgebirgs-Odenwald.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Blick über hochliegende graubraune Äcker auf im Hintergrund verteilte, rötlich braune Ackerflächen. Dazwischen und dahinter liegen Waldstreifen.
Wechsel der Bodenfarbe im Übergang vom Odenwald zum Bauland bei Buchen-Bödigheim

Der Odenwald gliedert sich in zwei grundlegende Landschaftseinheiten, den grabenwärtig gelegenen, auf die Oberrheinische Tiefebene folgenden Vorderen Odenwald im Verbreitungsbereich kristalliner Gesteine und den östlich anschließenden Hinteren Odenwald, der hauptsächlich von den Gesteinen des Buntsandsteins eingenommen wird. Ihr Abtauchen unter die östlich und südöstlich folgenden Gesteine des Muschelkalks markiert zugleich die landschaftliche Grenze des Odenwalds zur Gäulandschaft des Baulands in etwa 40–60 km Entfernung von seinem Westabfall zur Oberrheinebene. Der überwiegende Teil des ca. 2500 km2 umfassenden Odenwalds liegt in Hessen, kleinere Bereiche im Nordosten befinden sich im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken und ein Abschnitt des südlichen Odenwalds mit Schwerpunkt im Verbreitungsgebiet des Buntsandsteins erstreckt sich in Baden-Württemberg.

Weiter Blick von oben über die dunklen Spitzen eines Nadelwaldes auf eine bis zum Horizont reichende, bewaldete Berglandschaft.
Blick vom Teltschikturm nach Osten

Neben der Unterteilung in Vorderen und Hinteren Odenwald sind die geologisch orientierten Landschaftsbezeichnungen Kristalliner Odenwald für die vom Grundgebirge eingenommenen Bereiche und (Bunt-)Sandstein-Odenwald für die von den Buntsandsteinplatten geformten Gebiete des Odenwalds gebräuchlich. Das Grundgebirge des Kristallinen Odenwalds nimmt in Baden-Württemberg selbst nur kleinere Bereiche östlich der Bergstraße zwischen Heidelberg und Weinheim sowie an den Talhängen des Neckars kurz vor seiner Einmündung in die Oberrheinebene bei Heidelberg ein. Während im Gebiet des Grundgebirges das Relief durch Bergkuppen geprägt wird, herrschen im Verbreitungsbereich des Buntsandsteins längliche Bergrücken mit schmäleren Verebnungen vor (sog. Riedel), die im wenig zertalten östlichen Odenwald in ausgedehnte, nur wenig gegliederte Flächenbereiche übergehen.

Blick über hochgelegene Wiesen und Felder auf ein Flusstal. Auf der linken Seite des Flusses, zum Hintergrund hin, erheben sich bewaldete Bergrücken. Rechts unterbrechen Ackerflächen und Wiesen die Bewaldung.
Maintal bei Wertheim-Urphar

Die Buntsandstein-Platten des östlichen Odenwalds setzen sich nach Nordosten bis zu den in Baden-Württemberg südlich des Mains gelegenen Ausläufern des Spessarts fort. Die Talhänge des hier tief eingeschnittenen unteren Taubertals und des Maintals bei Wertheim werden ebenfalls von mächtigen Sandsteinfolgen des Buntsandsteins eingenommen.

Geologisch-geomorphologischer Überblick

Nahaufnahme eines länglichen Steinbrockens. In die hellgraue Grundfarbe mischen sich rosa, weiße und schwarze Sprenkel.
Heidelberg-Granit mit rosa und weißen Feldspäten vom Wildeleutstein am Eichelberg

Die kristallinen Gesteine des Grundgebirges im westlichen Teil des Odenwalds wurden im Wesentlichen vor etwa 400–300 Mio. Jahren während der variskischen Orogenese gebildet. Die Region bildete zuvor den Südrand des einstigen Nordkontinents Laurussia, zu dem Teile Europas und Nordamerika gehörten. Im Devon und Karbon kollidierte der von Südosten herandriftende Südkontinent Gondwana mit Laurussia, wobei entlang der Kollisionsnaht ein bis zu 2000 km breiter Gebirgsgürtel aufgefaltet wurde, der sich vom heutigen mittel- und westeuropäischen Raum bis in das südöstliche Nordamerika erstreckte. In den zentralen Bereichen des Gebirgsgürtels entstanden dabei in einigen Kilometern Tiefe unter hohen Temperaturen und dem dort herrschenden Gesteinsdruck hauptsächlich Gneise, wie sie auch im Schwarzwald vorkommen. Etwas später drangen in diese metamorphen Gesteine Schmelzen ein, die zu Graniten und teilweise grauen bis grauschwarzen Dioriten und Gabbros erstarrten und bereichsweise einen großen Teil des Grundgebirges ausmachen. Ähnlich wie in viel späterer Zeit die Alpen oder der Himalaya stieg auch die bei der Kollision und Faltung verdickte Erdkruste des Variskischen Orogens daraufhin auf und bildete im Karbon und Perm ein Hochgebirge.

Das Bild zeigt eine stark zugewachsene Steinbruchwand mit davor liegendem See. Die Gesteine haben eine rötlich braune Farbe.
Aufgelassener Steinbruch am Michelsberg am Südosthang des Katzenbuckels

Aus der Kreidezeit (145–66 Mio. Jahre) sind aus Südwestdeutschland keinerlei Sedimentgesteine bekannt. Wahrscheinlich hatte sich das Meer bereits am Ende der Jurazeit aus der Region zurückgezogen. Altersdaten aus Mineralabscheidungen auf Bruchflächen im Grundgebirge weisen auf tektonische Bewegungen während der Kreidezeit hin, in deren Gefolge es vereinzelt erneut zu Vulkanausbrüchen kam. Im Odenwald zeugt davon der vor etwa 68 Mio. Jahren ausgebrochene Katzenbuckel-Vulkanschlot (Geyer et al., 2011) . Seine Füllung besteht überwiegend aus basaltähnlichen, dunkelgrauen Vulkangesteinen, die anders als „echte“ Basalte jedoch neben Feldspäten auch sog. Foidminerale enthalten. Zwischen den eigentlichen Vulkangesteinen findet sich zudem eine Tuffbrekzie aus Rückfallmaterial der beim Ausbruch durchschlagenen Nebengesteine. Darin liegen neben Gesteinen aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper auch solche des Unteren und tieferen Mittleren Jura.  Dies belegt, dass der Odenwald am Ende der Kreidezeit noch von Juragesteinen bedeckt war, die erst im darauffolgenden Tertiär (66–2,6 Mio. Jahre) und Quartär (seit 2,6 Mio. Jahren) abgetragen wurden.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das sieben Horizonte umfassende Profil ist 1,50 m tief.
Pseudogley aus lösslehmreichen Deckschichten über toniger Buntsandstein-Fließerde

Mit dem Einsetzen des Oberen Buntsandsteins (Plattensandstein) aus fein- bis mittelkörnigen Sandsteinen ändern sich die Böden und ihr Verbreitungsmuster. Auf den Verebnungen kommen meist tiefgründige Braunerden aus mehrschichtigen Fließerden vor, die häufig schon schwache Merkmale der Tonverlagerung zeigen (Parabraunerde-Braunerde). Weiter östlich folgen auf teilweise ausgedehnten Verebnungen mit eingeschränkter Entwässerung staunasse Böden (Pseudogleye) aus nun häufig deutlich äolisch beeinflussten Fließerden. Im Übergang zur Gäulandschaft des Baulands nimmt der äolische Gehalt in den Fließerden kontinuierlich zu. Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden aus lösslehmreichen Fließerden und Lösslehm bilden am Ostrand des Buntsandstein-Odenwalds einen breiteren Saum.

Landnutzung

Von weit oben blickt man über dunkle Waldspitzen auf mehrere herbstlich gefärbte, bewaldete Bergrücken. Weit dahinter ist im Dunst gerade noch eine besiedelte Ebene erkennbar.
Blick vom Teltschikturm nach Westen

Gegenüber den umgebenden Landschaften, die aufgrund ihrer naturräumlichen Gunst schon seit früher Zeit besiedelt waren und intensiv genutzt wurden, erfolgte die Besiedlung des Odenwalds mit seinen dichten Wäldern zeitlich verzögert. Im Vergleich zu anderen, deutlich höheren Mittelgebirgen setzte sie allerdings recht früh, bereits in karolingischer Zeit im 8. und 9. Jh. ein. Zuvor hatte schon zur Römerzeit eine gewisse Erschließung an den Rändern des Waldlands und vereinzelt entlang des Neckar-Odenwald-Limes stattgefunden, der um 100 n. Chr. die Außengrenze des römischen Reichs markierte und den Odenwald zum Main hin querte.

Unterhalb eines bewaldeten und mit Laub bedeckten Hanges liegt der Eingang zu einem ehemaligen Bergwerk. Der Eingang ist mit Brettern und einer Gittertür gesichert, das Betreten ist verboten.
Silber- und Vitriolbergwerk Grube Anna-Elisabeth bei Schriesheim

Die Erzgewinnung erfolgte hauptsächlich in einem Streifen entlang des Anstiegs der Buntsandsteinstufe. Die hier an der Basis des Deckgebirges ausstreichenden Dolomitsteine des permischen Zechsteinmeeres waren mit ihren Vererzungen das vorrangige Ziel der frühen Bergleute. Diese metasomatischen Eisenerzlagerstätten beruhen darauf, dass eisen- und manganhaltige hydrothermale Lösungen in Gängen des Grundgebirges aufstiegen, in den direkt überlagernden Zechstein-Dolomit eindrangen und die Erze dort abgeschieden wurden. Üblicherweise fand die Verhüttung der Erze in der frühen Phase des Bergbaus in sog. Waldschmieden statt, die in großer Zahl in unmittelbarer Nachbarschaft zu den geförderten Erzen entstanden. Die Schmelzöfen wurden dabei mit der Holzkohle beschickt, die von den Köhlern aus dem Holz der umliegenden Wälder gewonnen wurde.

Externe Lexika

Wikipedia

Weiterführende Links zum Thema

Literatur

  • Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald, Verein Altbergbau Bergstraße-Odenwald e. V. (Hrsg.) (2014). Bergbau und Kulturlandschaft – Bergbaurelikte im Odenwald – Elemente einer Kulturlandschaft. – Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald und des Vereins Altbergbau Bergstraße-Odenwald, 1, 73 S., Einhausen.
  • Geiger, M. (1974). Blockströme und Blockmeere am Königstuhl und Katzenbuckel im Odenwald. – Heidelb. Geogr. Abh., S. 185–198.
  • Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011). Geologie von Baden-Württemberg. 5. Aufl., 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
  • Graul, H. (1977). Exkursionsführer zur Oberflächenformung des Odenwalds. – Heidelberger geogr. Arb., 50, S. 1–212.
  • Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (2017). Hydrogeologie von Hessen – Odenwald und Sprendlinger Horst. – Grundwasser in Hessen (2), S. 1–136, verfügbar unter https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/wasser/hydrogeologie/Odenwaldbericht_2017_Web.pdf.
  • Liedtke, H. & Marcinek, J.(Hrsg.) (2002). Physische Geographie Deutschlands. 3. Aufl., 786 S., Gotha.