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Riedöschinger Travertin

Nahaufnahme von zwei nebeneinander stehenden Gesteinsplatten mit geschliffenen Oberflächen. Farbe links durchgehend rötlich, rechts im Wechsel mit hellem Grau (oben). Am unteren Bildrand verläuft eine Maßstabsleiste.
Riedöschinger Travertin, Rotfärbung durch Hämatit

Vorkommens- und Gesteins­beschreibung, Verwendung

Nahaufnahme einer von Wasser bearbeiteten, wulstigen Gesteinsoberfläche. Farbe hellbraun bis rötlich grau. Die Oberflächenstruktur ähnelt einer Ansammlung von zahlreichen Schmetterlingsraupen.
Sinterablagerungen im Rotsteinbruch bei Riedöschingen, Detail einer Oberflächenstruktur

Aufgeschlossen ist ein flach kuppelförmig abgelagerter Travertin, der im Osten des Bruchs durch die beschriebene, etwa 170° verlaufende Quellspalte begrenzt wird. Diese enthält blockige, von unregelmäßigen Klüften durchzogene Kalksinter, die nicht für die Gewinnung von Werksteinmaterial geeignet sind. Als Beleg für die Entstehung aus einem Geysir werden die als „Mikroterrassen“ bezeichneten Strukturen angesehen. Schweigert (1998b, S. 113) erklärt diese Strukturen auf den Spaltensintern dadurch, dass die Karbonatfällung bevorzugt beim „Zurücklaufen des ausgestoßenen Wassers erfolgte“.

Im Gegensatz zum Böttinger Marmor wurden beim Riedöschinger Travertin ausschließlich die horizontal liegenden bis leicht geneigten, geschichteten Ablagerungen außerhalb der Thermenspalte genutzt. Die heutigen Bruchwände im Süden und Norden erschließen horizontal gelagerten Travertin. Dieser besteht überwiegend aus laminaren Karbonatkrusten, die lagenweise milchigweiß oder durch Hämatit kräftig rot gefärbt sind. Bei den Karbonatkrusten handelt es sich, wie im Cannstatter Travertin, um Tiefmagnesium-Kalzit. Die kräftig rote Bänderung wird auf den schubweisen Eintrag von eisenreichen Rotsedimenten zurückgeführt. Diese gehen vermutlich auf im Zuflusssystem angereicherte rote und braune Schlämme zurück, die aus der lateritischen Verwitterung stammen und jeweils zu Beginn der niederschlagsreichen Jahreszeit ausgetragen wurden (Koban & Schweigert, 1993a).

Teilansicht von steinernen Stufen in einer Kirche. Die Stufen sind rötlich grau bis hellgrau gefärbt und weisen Schlieren und Flecken auf.
Detail der Altartreppe, Kirche Riedöschingen

Gewinnung und Verarbeitung

Teilansicht einer gelblich braunen Steinbruchwand, mit rötlichen hervortretenden Gesteinskörpern. Links ist ein Hammer angelehnt.
Detail Abbauwand, Steinbruch im Riedöschinger Travertin

Dem Travertin von Riedöschingen blieb im Gegensatz zum Böttinger oder Cannstatter Travertin trotz großer gewinnbarer Rohblöcke bislang die Würdigung als hochwertiger Werkstein verwehrt, vermutlich weil das in der Grenzregion am Hochrhein versteckt gelegene Vorkommen den Baumeistern der fernen Barockresidenzen im 18. Jh. nicht bekannt war und das Gestein später, z. B. für die monumentalen Bauten des Dritten Reichs, wegen seiner rot und rosa Bänderung nicht gefragt war. Durch auffällige Lesesteinblöcke in den sonst grauen Gesteinen des Oberjuras sind die Einheimischen sicher schon früh auf den Travertin aufmerksam geworden. Aufgeschlossen wurde das Vorkommen aber erst, als man Ende des 19. Jh. für die Bahnstrecke durch das Wutachtal zwischen Fützen und Immendingen Mauersteine und Schotter brauchte. Schweigert (2003, S. 45) konstatiert die „ungeheuere Verschwendung dieses kostbaren Materials, neben dem Böttinger Marmor wohl einem der schönsten Natursteine Südwestdeutschlands“.

  • Mehrfarbige Karte mit dem Vorkommen von Travertin westlich von Riedöschingen. Im Zentrum des Travertins liegt ein Steinbruch.
  • Nahaufnahme von zwei nebeneinander stehenden Gesteinsplatten mit geschliffenen Oberflächen. Farbe links durchgehend rötlich, rechts im Wechsel mit hellem Grau (oben). Am unteren Bildrand verläuft eine Maßstabsleiste.
  • Blick in einen stark zugewachsenen Steinbruch am Rand eines Waldes. In der Bildmitte eine niedrige Gesteinswand, bräunlich grau mit mehreren höhlenartigen Durchlässen. Rechts erhebt sich eine zweite, höhere Wand.
  • Blick auf eine über Eck gehende Steinbruchwand, bläulich bis rötlich, mit einer höhlenartigen Öffnung rechts unten. Links lehnt eine Messlatte am Gestein.
  • Teilansicht einer gelblich braunen Steinbruchwand, mit rötlichen hervortretenden Gesteinskörpern. Links ist ein Hammer angelehnt.
  • Teilansicht einer bewachsenen Steinbruchwand mit bogenförmigen, bräunlich grauen Gesteinsbildungen.
  • Nahaufnahme einer von Wasser bearbeiteten, wulstigen Gesteinsoberfläche. Farbe hellbraun bis rötlich grau. Die Oberflächenstruktur ähnelt einer Ansammlung von zahlreichen Schmetterlingsraupen.
  • Blick in einen Kirchenraum mit vergoldetem Altar. Aufgang zum Altar über einen rötlich grauen Steinboden sowie steinerne Stufen.
  • Teilansicht von steinernen Stufen in einer Kirche. Die Stufen sind rötlich grau bis hellgrau gefärbt und weisen Schlieren und Flecken auf.

Literatur

  • Franz, M. & Rohn, J. (2004). Erläuterungen zu Blatt 8117 Blumberg. – 3. Aufl., Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., VII+196 S., 2 Beil., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg).
  • Geyer, O. F. & Gwinner, M. P. (1986). Geologie von Baden-Württemberg. 3., völlig neu bearbeitete Aufl., VII + 472 S., Stuttgart (Schweizerbart). [254 Abb., 26 Tab.]
  • Koban, C. G. & Schweigert, G. (1993a). Süddeutsche Travertinvorkommen im Vergleich – Stuttgarter Travertine (Mittel-Pleistozän) und Riedöschinger Travertin (Mittel-Miozän). – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen, 189, S. 171–197. [6 Abb.]
  • Schreiner, A. (1984). Hegau und westlicher Bodensee. – Sammlung geologischer Führer, 62, 93 S., Berlin, Stuttgart (Borntraeger). [22 Abb.]
  • Schreiner, A. (1992b). Erläuterungen zu Blatt Hegau und westlicher Bodensee. – 3. Aufl., Geologische Karte 1 : 50 000 von Baden-Württemberg, 290 S., Freiburg i. Br., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Schweigert, G. (1996a). Vergleichende Faziesanalyse, Paläoökologie und paläogeographisches Umfeld tertiärer Süßwasserkarbonate auf der westlichen Schwäbischen Alb und im Hegau (Baden-Württemberg). – Profil, 9, S. 1–100. [101 Abb.]
  • Schweigert, G. (1998b). Der Riedöschinger Travertin – eine fossile Geysir-Ablagerung im Randengebiet. – Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, 154, S. 107–120. [5 Abb.]
  • Schweigert, G. (2003). Der Riedöschinger Travertin bei Blumberg – auch eine fossile Geysirbildung. – Rosendahl, W., López-Correa, M., Gruner, C. & Müller, T. (Hrsg.). Der Böttinger Marmor. Bunter Fels aus heißen Quellen, S. 45–47, Stuttgart (Grabenstetter höhlenkundliche Hefte, 6). [4 Abb.]
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