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Steigerwald-Formation

Verbreitungsgebiete: Kraichgau, Stromberg, Hohenloher Land, Keuperbergland

Erdgeschichtliche Einstufung: Steigerwald-Formation (kmSw, früher: Untere Bunte Mergel), Mittelkeuper

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Gestein

Teilansicht einer Gesteinswand. Im rötlich braunen, verwitterten Gestein sind in der Bildmitte horizontal verlaufende, grünliche Streifen erkennbar.
Detailaufnahme der Tonschluffsteine der Abbauwand der Tongrube Maulbronn-Zaisersweiher

Die Steigerwald-Formation besteht überwiegend aus rotbraunen und graugrünen, seltener violetten oder grauen Tonschluff-, Tonmergel- oder Tonsteinen. Der untere bis mittlere Profilabschnitt, die Rote Wand (kmRO), wird als rohstoffgeologisch wichtigster Horizont bewertet. In den Tonschluffsteinen treten bereichsweise dünne, dolomitische, sandige oder mergelige Lagen sowie dünne Gipslagen/-knollen oder deren Auslaugungsresiduen auf (Wurm et al., 1997). Insbesondere im oberen Profilabschnitt der Steigerwald-Formation, dem Lehrberg-Horizont (kmLE), treten vermehrt dünne Dolomit- und Mergelsteinlagen auf. Diese sog. Lehrberg-Bänke sind z. T. nicht horizontalbeständig und laibsteinartig ausgeprägt. In manchen Lokationen wurden sie auch als zu Schluffstein zerfallen beschrieben. Der unterste und wenige Meter mächtige Profilabschnitt der Steigerwald-Formation bildet der Beaumont-Horizont (kmBHM). Dieser besteht aus Gipsstein bzw. Tonsteinbrekzien als Gipsauslaugungsresiduum sowie aus Dolomitstein bzw. dessen Verwitterungsprodukt in Form von ockergelbem bis gelbbraunem sandigen Schluffstein (Wurm et al., 1997). Der Beaumont-Horizont wird zwar nicht als Zeigeleirohstoff verwendet, jedoch ist er ein auffälliger Leithorizont und bildet gleichzeitig die Rohstoffbasis.

Mächtigkeiten

Geologische Mächtigkeit: Die Steigerwald-Formation (kmSw) erreicht Mächtigkeiten von bis zu 30 m im Kraichgau und dem benachbarten Oberrheingebiet. Am Stromberg liegt die Mächtigkeit bei 28 m, um Heilbronn bei 45 m. Entlang des Keuperberglands nimmt die Mächtigkeit nach Süden kontinuierlich ab, sodass im Klettgau nur noch 10 m vorliegen (Geyer et al., 2011). Im Bereich der Verbreitung von Kieselsandsteinen (Hassberge-Formation, kmHb) am Top der Steigerwald-Formation kann die Mächtigkeit aufgrund eines erosiven Kontakts (Erosionsdiskordanz) lokal verringert sein.

Schichtenfolge der Steigerwald-Formation im Gebiet des südwestlichen Strombergs, dargestellt als mehrfarbiges Säulenprofil.

Schichtenfolge der Steigerwald-Formation im Gebiet des südwestlichen Strombergs (Stromberg-Mulde). Stratigraphische Abkürzungen: kmHb: Hassberge-Formation (sog. Kieselsandsteine), kmBMH: Beaumont-Horizont, kmDM: Dunkle Mergel. Die Rote Wand (kmRO) ist in der Steigerwald-Formation der wichtigste Ziegeleirohstoff. Der Lehrberg-Horizont (kmLE) kann gegebenenfalls als Ziegeleirohstoff verwendet werden, wenn nur wenige, zerfallene Dolomitbänke vorliegen. Der Schilfsandstein (kmS) wird in der Ortschaft Maulbronn als Naturwerkstein gewonnen. Der Kieselsandstein (kmHb) wird in diesem Gebiet nicht als Naturwerkstein gewonnen, jedoch in anderen Gebieten Baden-Württembergs mit entsprechend höheren Mächtigkeiten.

Blick auf eine hohe, zum Hintergrund hin ansteigende Abbauwand in einer Tongrube. Die rötlich graue, an eine Gletscherzunge erinnernde Gesteinswand ist von zahlreichen, senkrecht verlaufenden Rissen und Spalten durchzogen.
Südliche Abbauwand der Tongrube Maulbronn-Zaisersweiher

Gewinnung und Verwendung

Das Bild zeigt den Abbau in einer Tongrube. Mehrere Raupenfahrzeuge links sowie ein Bagger rechts sind dabei auf einem Hügel im Vordergrund im Einsatz. Ein Waldstreifen im Hintergrund begrenzt das Abbaugelände.
Abbau mit Bagger und Raupe in der Tongrube Maulbronn-Zaisersweiher

Gewinnung: In der letzten größeren Tongrube bei Maulbronn-Zaisersweiher (RG 7019-5) erfolgte der Abbau des unteren und mittleren Profilabschnitts der Steigerwald-Formation (kmSw), der Roten Wand (kmRO), durch Schürfraupen, Schürfkübel mit Zugmaschine und Bagger. Bereits in der Tongrube wurde eine Homogenisierung des Materials durch Mischen des Haufwerks durchgeführt. Das Material wurde mindestens einen Winter lang im Freien aufgehaldet und der Verwitterung ausgesetzt. Dadurch wurden die für den Ziegelbrand unerwünschten Bestandteile, vor allem Karbonatkonkretionen, bereits überwiegend gelöst. Anschließend wurde das Haldenmaterial im Ziegelwerk weiterverarbeitet und mit anderen Rohstoffen gemischt. Die fetten Tone der Roten Wand (kmRO) wurden häufig mit magerem Löss oder fetteren Lösslehmen, neben anderen Nebenbestandteilen, gemischt. Die Gewinnung fand daher in Phasen statt, die durch mehrmonatige Zeiträume ohne Abbauaktivität unterbrochen waren.

Verwendung: Aus den Tonsteinen der Steigerwald-Formation wurden vorwiegend Hintermauer- und Dachziegel hergestellt (z. B. in den ehem. Ziegelwerken Mühlacker). Der anfallende Ausschuss aus Ziegelbruch wurde z. T. zur Befestigung von Zierwegen, als Tennisplatzsand und zur Dachbegrünung genutzt. Neuerdings werden auch andere Einsatzbereiche in Betracht gezogen, wie z. B. die Verwendung als Dichtungstone für den Deponiebau und den Hochwasserschutz.

  • Das Bild zeigt den Abbau in einer Tongrube. Mehrere Raupenfahrzeuge links sowie ein Bagger rechts sind dabei auf einem Hügel im Vordergrund im Einsatz. Ein Waldstreifen im Hintergrund begrenzt das Abbaugelände.
  • Blick auf eine hohe, zum Hintergrund hin ansteigende Abbauwand in einer Tongrube. Die rötlich graue, an eine Gletscherzunge erinnernde Gesteinswand ist von zahlreichen, senkrecht verlaufenden Rissen und Spalten durchzogen.
  • Teilansicht einer Gesteinswand. Im rötlich braunen, verwitterten Gestein sind in der Bildmitte horizontal verlaufende, grünliche Streifen erkennbar.
  • Das Foto zeigt hufeisenförmig angelegte rötlich graue Abbauwände einer Tongrube. Die seitlichen Wände steigen jeweils schräg zu den Bildrändern hin an. In der flachen, schmalen Mulde zwischen den Wänden steht Wasser. Die Kuppe oben ist bewaldet.
  • Blick auf einen Gesteinsaufschluss an einem Waldhang. Die hohe, rötlich graue Gesteinswand fällt nach rechts hin etwas ab. Oben und unterhalb der Bildmitte verlaufen mehrere waagrechte weißliche Streifen.
  • Blick auf einen stufigen, nach rechts ansteigenden Hang ohne Bewuchs. Das offenliegende Boden- und Gesteinsmaterial ist rötlich braun mit schmalen weißlichen Streifen im oberen Teil. Auf der Kuppe und am linken Rand des Hanges stehen Bäume und Sträucher.

Externe Lexika

LITHOLEX

Literatur

  • Feldhoff, R. A. (1997). Beiheft zu Blatt 6918 Bretten. – 1. Ausg., Beih. Vorl. Geol. Kt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 12 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011). Geologie von Baden-Württemberg. 5. Aufl., 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
  • LGRB (2003). Blatt L 6924 Schwäbisch-Hall, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 181 S., 28 Abb., 6 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg). [Bearbeiter: Bock, H. & Kobler, U.]
  • LGRB (2004). Blatt L 7118 Pforzheim, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 225 S., 33 Abb., 4 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg). [Bearbeiter: Knaak, M., m. Beitr. v. Werner, W., Kilger, B.-M. & Waldmann, F.]
  • Wurm, F., Franz, M., Seufert, G. & Etzold, A. (1997). Die Schichtenfolge des Unter- und Mittelkeupers (ku–km3) im Südwesten der Strombergmulde (Baden-Württemberg). – Jahreshefte des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, 36, S. 65–116. [6 Abb., 1 Tab.]
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