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Böden der Gäuflächen im Oberen Muschelkalk

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Bild zeigt eine gewundene, begrünte Ackerfläche. Links und rechts begrenzt leicht ansteigendes Grünland den Acker, bewachsen mit Hecken und Bäumen. Im Hintergrund verläuft ein begrünter Steinriegel sowie ein dunkler Wald.
Ackerbaulich genutzte Trockentalmulde mit schutthaltigem Kolluvium (g63) im Heckengäu nordwestlich von Horb am Neckar

Charakteristisch für die flachhügelige Karstlandschaft auf Kalk‑ und Dolomitsteinen des Oberen Muschelkalks (Heckengäu i. w. S.) ist ein Wechsel von flachgründigen und steinigen Kalksteinböden (Rendzina) mit mittel‑ bis tiefgründigen Lehmböden (Terra fusca, Parabraunerde, Kolluvium). Ihr Verbreitungsmuster ist stark von den Reliefformen abhängig.

Steinige Ackeroberflächen, Heckenstreifen auf Lesesteinwällen und Kalkmagerrasen auf Schafweiden mit kargen Böden sind landschaftsprägende Elemente im Heckengäu. Den meisten Raum nehmen Böden ein, die nur aus einem 2–3 dm mächtigen steinigen, lehmigen Oberboden bestehen, der dem mehr oder weniger verwitterten Kalk‑ oder Dolomitstein aufliegt (Rendzina, BK50-Kartiereinheiten g3 und g4). Stellenweise, vor allem in der im Vergleich zur Trochitenkalk-Formation (mo1) etwas leichter verwitternden Meißner-Formation (mo2), ist ein geringmächtiger, sehr stark steiniger, toniger Unterboden ausgebildet. Die dazugehörigen Böden werden als Terra fusca-Rendzina bezeichnet. Oft treten unter landwirtschaftlicher Nutzung Böden auf, in denen der Rest einer lösslehmhaltigen Deckschicht (Decklage, entspr. Hauptlage in Ad‑hoc‑AG Boden 2005, S. 180 f.) vollständig im Pflughorizont aufgearbeitet ist. Solche als Braune Rendzina angesprochenen Böden besitzen im Vergleich zu Profilen mit vollständig erodierter Decklage einen schluffreichen, eher stein‑ und kalkarmen bis kalkfreien Oberboden. Bei Böden unter Wald kann in dem geringmächtigen Rest der Decklage noch ein Bv-Horizont entwickelt sein, sodass sich dort zusätzlich auch Braunerden und Braunerde-Rendzinen finden (g27). Im Verbreitungsgebiet der Rottweil-Formation (Trigonodusdolomit) kann das oft schluffig verwitternde Gestein unter Umständen einen Lösslehmgehalt im Oberboden bzw. das Vorhandensein einer Decklage nur vortäuschen (g4).

Auf einem teilweise begrünten Stoppelacker wurde ein Bodenprofil aufgegraben. Die flache, unterhalb des Pflughorizonts steinige Grube sowie das aufgehäufte, mit Steinen vermischte Bodenmaterial ist gelbbraun gefärbt.
Flacher Rücken im Heckengäu südlich von Schopfloch-Oberiflingen mit der Profilgrube einer Terra fusca (g53)

Die Bildung von Kalkverwitterungston (Rückstandston) durch Lösungsverwitterung geht sehr langsam vor sich. Diese Substrate haben sich vermutlich bereits in den zurückliegenden Warmzeiten des Eiszeitalters gebildet und wurden immer wieder auch abgetragen. Folglich finden sich Böden aus Rückstandston der Karbonatgesteinsverwitterung (Terra fusca) v. a. in erosionsgeschützten Flachlagen, schwach geneigten gestreckten oder konkaven Hängen und in Karstmulden (g52, g53). Besonders in bewaldeten Gebieten ist über dem gelblich braunen Ton oft noch eine 2–4 dm mächtige lösslehmhaltige Deckschicht (Decklage) vorhanden. Die entsprechenden zweischichtigen Böden werden als Braunerde-Terra fusca oder bei einer Decklagenmächtigkeit von mehr als 3 dm als Terra fusca-Braunerde bezeichnet. Die erosionsgeschützten Reliefpositionen mit Terrae fuscae sind gleichzeitig die Bereiche, in denen im Pleistozän bevorzugt Lösslehm abgelagert wurde bzw. erhalten geblieben ist. Weit häufiger als die Terrae fuscae treten daher mehrschichtige Böden aus Lösslehm und lösslehmreichen Fließerden über Rückstandston auf (Parabraunerde, Terra fusca-Parabraunerde, g42, g44). Im Norden der Oberen Gäue, zwischen Herrenberg und Mühlacker, können die Lösslehme im Übergang zum Korngäu auch mächtiger werden. Stellenweise kann auch bereits kalkhaltiger Rohlöss im Unterboden auftreten (g36).

Hinter einer blühenden, mit Löwenzahn durchsetzten Wiese im Vordergrund zeigt sich eine ausgedehnte, leicht wellige braune Ackerfläche. Baum- und Waldstreifen rahmen sie links und zum Hintergrund hin ein.
Heckengäulandschaft westlich von Horb-Rexingen

Die zahlreichen Trockentalmulden der Muschelkalkhochfläche werden von mäßig tiefen und tiefen Kolluvien eingenommen (g62), die als steinarme, humose Lehmböden zusammen mit den Parabraunerden die besten Ackerböden des Heckengäus darstellen. In flachen, breiten Mulden, Muldenanfängen, Sattellagen und Karstwannen sind die Abschwemmmassen oft nur geringmächtig und lagern über Braunerden, Parabraunerden oder Terrae fuscae (g67). In den hängigen Muldentälchen der Hochflächenränder, in tief eingeschnittenen Trockentälern sowie auf Schwemmkegeln, auf Hangverflachungen und am Hangfuß sind die Kolluvien in der Regel kalkhaltig und besitzen eine z. T. erhebliche Beimengung von Kalksteinschutt (g63, g65).

Generell muss im Verbreitungsgebiet des Oberen Muschelkalks aufgrund der starken Verkarstung überall mit kleinräumig wechselnden Bodenverhältnissen gerechnet werden, da unter der mit Deckschichten ausgeglichenen Oberfläche Spalten, Taschen und kleine Dolinen auftreten können, die mit Rückstandston, Lösslehm oder holozänen Abschwemmmassen verfüllt sind.

  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterpofil des LGRB. Das in der unteren Hälfte sehr steinige Bodenprofil ist etwa 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker mit Pflanzenresten. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in der unteren Hälfte steinige Profil ist etwa 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter hohem Pflanzenwuchs. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das zwei Horizonte umfassende Bodenprofil ist nur etwa 30 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Bodenprofil ist etwa 50 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter einem Getreidefeld. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das sechs Horizonte umfassende und von Steinen durchsetzte Profil ist etwa 80 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende und an der Sohle steinige Profil ist etwa 90 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Bodenprofil ist etwa 70 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Bodenprofil ist nur etwa 30 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das zwei Horizonte umfassende Profil ist nur etwa 20 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das Bodenprofil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Laubwald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist etwa 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das sieben Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende und in der unteren Hälfte steinige Profil ist etwa 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist über 1,30 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das drei Horizonte umfassende Profil ist etwa 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker mit Pflanzenresten. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das an der Sohle steinige Profil ist über 1 m tief.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.