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Nusplingen-Plattenkalk

Verbreitungsgebiet: Hohe Schwabenalb (südwestlich von Nusplingen, Westerberg)

Erdgeschichtliche Einstufung: Nusplingen-Plattenkalk (joNP), Oberjura

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Gestein

Nahaufnahme von rötlich braunem Gestein, das in dünnen Lagen gleichmäßig aufeinandergeschichtet ist.
Regelmäßig geschichtete Nusplinger Plattenkalke

Es handelt sich um dichte, teils feinkörnige, plattige–dünnplattige, z. T. schiefrig aufspaltende, auch bankig ausgebildete, hellgraubeige, besonders fossilreiche Kalksteine (Dietl et al., 1998). Die einzelnen Platten sind 0,2–13 cm, meist 1–2 cm mächtig. Die eingeschalteten einzelnen Bänke sind 10–35 cm mächtig und spalten z. T. auf. Untergeordnet sind auch bis 60 cm mächtige Bankkalksteine zwischengelagert. Schrägschichtung kommt infolge subaquatischer Rutschungen vor. Die dichten Plattenkalksteine weisen einen glatten und muscheligen Bruch, die feinkörnigen dagegen einen rauen Bruch auf. Auf den Schicht- und Kluftflächen sind oft Dendriten zu finden. Als Besonderheit treten sedimentäre Brekzien und synsedimentär in die Wanne hineingestürzte Massenkalksteine auf. Die Brekzienlagen stellen resedimentäre Suspensionsströme dar, welche auf Gleit- und Rutschungsvorgänge an Riffböschungen zurückzuführen sind (Schweizer & Franz, 1994). Die gesamte Schichtenfolge ist sehr unregelmäßig aufgebaut, d. h. schieferartig aufspaltende Partien, Plattenkalksteine und Brekzienkalksteine wechseln einander ab. Die Kluftabstände belaufen sich bei den Plattenkalksteinen auf 5–50 cm, die Bankkalksteine zeigen Kluftabstände von 10–100 cm. Schieferartige Partien weisen Kluftabstände von wenigen cm auf.

Teilansicht einer Steinbruchwand; das gelbliche, plattige Gestein ist waagrecht gebankt. Ein zwischen den Lagen aufgestellter Kugelschreiber dient als Größenvergleich.
Nusplinger Plattenkalk; regelmäßig geschichtet, im unteren Teil des Steinbruchs

Gewinnung und Verwendung

Blick auf eine Aufschlusswand mit feinplattigen und gröberen Lagen. Das Gestein ist rötlich grau bis rötlich braun. Rechts ist eine Messlatte angelehnt.
Aufschlusswand im Nusplingen-Plattenkalk

Gewinnung: Bei Nusplingen wurde 1853/54 zunächst ein Steinbruch angelegt, um für Lithografiezwecke Nusplinger Plattenkalke abzubauen. Aufgrund des höheren Tongehalts und der rauen Oberfläche waren diese aber im Gegensatz zu den Solnhofener Plattenkalken auf der südlichen Frankenalb dafür nicht geeignet.

Verwendung: Zwischen 1869 und 1878 wurden bei Nusplingen noch Dach- und Bodenplatten gewonnen (Schweizer & Franz, 1994). Aufgrund des im Gegensatz zu den Kolbinger Plattenkalken (Renquishausen-Plattenkalk) höheren Tongehalts und der weniger gleichmäßig aufspaltenden Platten wurde der Abbau schließlich eingestellt. Erst durch neuere Grabungen durch das Stuttgarter Naturkundemuseum wurden für den Steindruck geeignete Plattenkalksteine entdeckt und 2001 schließlich mit Nusplinger Plattenkalksteinen Lithografien hergestellt (Lehrtafel Nr. 11 des Geologischen Lehr­fads).

  • Auf einem Holztisch sind mehrere Fundstücke von Fossilien, eingebacken in Gestein, ausgelegt. Interessierte Betrachter umstehen den Tisch.
  • Blick auf eine Steinbruchwand mit fein geschichtetem, plattigem Gestein.
  • Blick auf eine Aufschlusswand mit feinplattigen und gröberen Lagen. Das Gestein ist rötlich grau bis rötlich braun. Rechts ist eine Messlatte angelehnt.
  • Teilansicht einer Steinbruchwand; das gelbliche, plattige Gestein ist waagrecht gebankt. Ein zwischen den Lagen aufgestellter Kugelschreiber dient als Größenvergleich.
  • Blick auf eine Steinbruchwand; das hellgraue bis bräunlich graue, plattige Gestein ist teils waagrecht, teils schief geschichtet.
  • Nahaufnahme von rötlich braunem Gestein, das in dünnen Lagen gleichmäßig aufeinandergeschichtet ist.
  • Blick in einen Steinbruch mit halbhoher Wand im Hintergrund und ebener Sohle vorne. Rechts ist ein Stück der Sohle abgebrochen. Ein Arbeiter befindet sich auf der Sohle, zusammen mit vier befüllten Schubkarren.

Literatur

  • Dietl, G., Schweigert, G., Franz, M. & Geyer, M. (1998). Profile des Nusplinger Plattenkalks (Oberjura, Ober-Kimmeridgium, Südwestdeutschland). – Stuttg. Beiträge z. Naturkunde, Ser. B, 265, S. 1–37, 3 Taf. [14 Abb.]
  • Gwinner, M. P. & Hafner, G. (1995). Erläuterungen zu Blatt 7919 Mühlheim an der Donau. – Erl. Geol. Kt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 139 S., 4 Beil., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2013). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2012/2013: Bedarf, Gewinnung und Sicherung von mineralischen Rohstoffen – Dritter Landesrohstoffbericht. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Hrsg.). LGRB-Informationen, 27, S. 1–204.
  • Schweizer, V. & Franz, M. (1994). Erläuterungen zu Blatt 7819 Meßstetten. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 112 S., 1 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Temmler, H. (1964). Über die Schiefer- und Plattenkalke des Weißen Jura der Schwäbischen Alb. – Arb. Inst. Geol. Paläont. TH Stuttgart, N.F. 43, S. 1–106, 24 Taf. [18 Abb.]