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Bodeneigenschaften

Neben Bodentyp und Ausgangsgestein entscheiden die Lage im Landschaftsrelief und das Klima mit über den Wasser-, Luft- und Nährstoffhaushalt der Böden. Aus den in den GeoLa-Fachdaten Boden enthaltenen, wichtigen bodenphysikalischen und -chemischen Kennwerten können für die Bewirtschaftung relevante Eigenschaften abgeleitet werden. Die Reihenfolge der Beschreibung richtet sich nach der bodenkundlichen Systematik und der Bedeutung der Bodentypen und Ausgangsgesteine im Hegau.

Flächenanteil der Bodenklassen und -typen in der BGL Hegau

Eigenschaften der terrestrischen Böden

Das Bild zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Rechts lehnt ein zusammengeklappter Zollstock.
Pararendzina aus miozänem vulkanischem Tuff (v1)

Rohböden und Ah/C-Böden

Die flachgründigen Syroseme, Regosole, Ranker und Pararendzinen (v4, v5, v6, v42) aus Phonolith oder Olivin-Nephelinit(-Schutt) verfügen nur über eine sehr geringe bis geringe nutzbare Feldkapazität (nFK) und Kationenaustauschkapazität (KAK). Wo Mächtigkeit und Feinbodenanteil der Hangschuttdecken zunehmen, liegen kleinräumig höhere Werte vor. Die z. T. sehr stark humosen Ranker und Regosole sind allenfalls mittel sauer, weshalb man von einer uneingeschränkten Verfügbarkeit der Nährstoffe ausgehen kann.

Größere Flächenanteile nehmen die z. T. ebenfalls flachgründigen Pararendzinen aus Deckentuff ein (v1). Die Ackererträge werden in trockenen Jahren durch die geringe nFK begrenzt. Die Pararendzinen aus umgelagertem Tuffmaterial, Juranagelfluh oder Geschiebemergel (v43, v7, v12, v18, v13, v15) weisen häufig deutlich günstigere Werte auf. Hohe Skelett- und Tongehalte erschweren die Ackernutzung. Der mittlere langjährige Bodenabtrag ist meist als hoch bis sehr hoch (3 – < 6 bzw. ≥ 6 t/ha und Jahr) eingestuft. Eine Verminderung des weiteren Bodenabtrags auf dem Ackerland kann durch Verfahren der Konservierenden Bodenbearbeitung mit einer weitgehend ganzjährigen Bedeckung des Bodens mit Pflanzenbeständen oder Ernterückständen erfolgen.

Bodenerosion im Hegau – Mittlerer langjähriger Bodenabtrag

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Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Laub. Das hellbraun gefärbte Profil ist 1,20 m tief.
Mäßig tief entwickelte Parabraunerde-Braunerde aus geringmächtiger lösslehmhaltiger Fließerde über miozänem Vulkantuff

Braunerden

Die Braunerden und Humusbraunerden sind fast vollständig mit Wald bestockt. Die Bodenreaktion ist schwach bis mittel sauer. Die Laubstreu wird auf den basenreichen Böden von den Bodenorganismen rasch zu Mullhumus umgesetzt. Die hohe biologische Aktivität mit Humusakkumulation bis in den Unterboden führt zu einer günstigen Bodenstruktur (v44, v45, v9, v10). So werden die bodenphysikalischen Nachteile der tonigen Lehme und lehmigen Tone ausgeglichen. Anstehender Tuff oder grober Blockschutt vermindert die Solummächtigkeit und damit die Speicherfähigkeit für Wasser und Nährstoffe. Außerdem ist die Durchwurzelbarkeit des Unterbodens eingeschränkt (v45, v10). Die Parabraunerde-Braunerden aus Vulkantuff (v11) weisen geringe bis mittlere Werte für FK, nFK, LK und Wasserdurchlässigkeit auf. Die KAK ist dagegen als mittel bis hoch einzustufen.

Parabraunerden

Die Parabraunerden und Humusparabraunerden (v23v28) zeichnen sich durch überwiegend mittlere Werte bei FK und nFK sowie eine mittlere bis hohe KAK aus. Aufgrund hoher Grobbodengehalte liegen die Böden aus Schotter (v25) am unteren Rand des Wertebereichs, während Parabraunerden aus lösslehmreichen Fließerden (v23) den günstigsten Wasser- und Lufthaushalt besitzen. Unter Wald finden sich die einzigen stark sauren Böden des Hegaus mit Moderhumusauflagen (v23, v24, v27 z. T.). Die ackerbaulich genutzten, erodierten Parabraunerden weisen tonig-lehmige, schwer bearbeitbare Oberböden mit geringer LK auf.

Eigenschaften der terrestrischen anthropogenen Böden

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Das in der oberen Hälfte gelblich braune Profil ist über 1,90 m tief.
Tiefes kalkreiches Kolluvium aus holozänen Abschwemmmassen über humosem Schwemmsediment

Kolluvien

Aufgrund der langen Bewirtschaftungsgeschichte und der Reliefverhältnisse nehmen Kolluvien neben den Muldentälern, Hangfußlagen und Schwemmfächern (v2, v3, v31, v32, v34) auch weite Flächen auf den schwach bis stark geneigten Unterhängen ein (v33, Kolluvien und Rigosol). Sie sind durch eine mittlere bis hohe Speicherfähigkeit für Wasser und Nährstoffe gekennzeichnet. Trotz der geringen Wasserdurchlässigkeit und des häufig geringen Grobporenvolumens der tonigen Lehme kommt es kaum zu Staunässe. Grundwassereinfluss schränkt nur in den Muldentälchen (v31) sowie auf einem wahrscheinlich durch Quellaustritte vernässten Unterhang (v34) die Durchwurzelbarkeit des Unterbodens ein.

Rigosole

Bei den kalkreichen Rigosolen aus Deckentuffmaterial (v39) liegen infolge von Umlagerungen mittel tiefe bis tiefgründige Böden vor. So schwanken FK, nFK und KAK trotz gleichmäßiger Bodenart deutlich. Bei den mittel tiefen Rigosolen kann es in der exponierten Lage an den Sonnhängen des Hohentwiel zu Trockenstress kommen, während die Reben am Unterhang noch gut mit Wasser versorgt sind. Die tiefen Kolluvium-Rigosole (v40) am Hangfuß erwärmen sich im Frühjahr etwas langsamer.

Bodenhydrologie im Hegau – Abflussprozesse

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Literatur

  • Waldmann, F. (2017). Bodenhydrologische Karte Baden-Württemberg. – LGRB-Fachbericht, 2017/2, S. 1–34, Freiburg i. Br. (Regierungspräsidium Freiburg – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).