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Rotliegend-Magmatite

Lithostratigraphische Untergruppe

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Lithologie, Abgrenzung, Untereinheiten

Nahaufnahme eines rötlich grauen Gesteinsbrockens mit hellerem Streifen oben links. Rechts lässt der Stiel eines Hammers die Größe ahnen.
Quarzporphyr des Rotliegend, Hohengeroldseck

Bei den Rotliegend-Magmatiten des Oden- und Schwarzwalds handelt es sich durchgehend um primär rhyolithische Gesteine, deren heutige Zusammensetzung jedoch durch hydrothermale Überprägungen und permzeitliche Verwitterung teilweise deutlich verändert wurde (Nitsch & Zedler, 2009; Seckendorff, 2012). Die Veränderung umfassen je nach Gestein Verkieselungen, Serizitisierung von Feldspäten, Mineralneubildungen, Bleichung, Oxidation mit Hämatitabscheidung und tonige Verwitterung von glasigen Anteilen (insbesondere der Tuffe).

Nach dem Gefüge handelt es sich teilweise um subvulkanische Stock‑ und Spaltenintrusionen sowie Laven (mit Fließgefügen), um Ignimbrite (mit Flämmchengefügen), Agglomerate (Eruptionsbrekzien) und Tuffe. Hinzu treten besonders im Baden-Badener Vulkangebiet und im Schutter‑ und Rotmurgtal Umlagerungssedimente aus dem vulkanischen Material (Tuffite, Lahare, tuffitische Konglomerate), denen in unterschiedlichem Umfang Sedimentmaterial aus der Umgebung beigemischt ist.

Die Gliederung erfolgt in drei Formationen, denen jeweils die Verbreitung in einem von drei Vulkanitgebieten zugrunde liegt, deren Vulkanitvarietäten sich jeweils unterscheiden: Schriesheim-Formation (Vulkangebiet Südlicher Odenwald), Lichtental-Formation (Baden-Badener Vulkangebiet) und Geisberg-Formation (Zentralschwarzwälder Vulkangebiet). Die weitere Unterteilung in Subformationen erfolgt dann nach den Gesteinstypen (Quarzporphyre als Kartiereinheiten, Pyroklastika). So werden in der Schriesheim-Formation die Deckenporphyre als Dossenheim-Quarzporphyr, die Schlotfüllungen als Wachenberg-Quarzporphyr unterschieden und die pyroklastischen Gesteine als Altenbach-Subformation zusammengefasst. In der Lichtental-Formation bilden die pyroklastischen Ablagerungen und Zwischensedimente die Oostal-Subformation, während die Laven und Ignimbrite als Baden-Baden-Quarzporphyr angesprochen und ggf. in mehrere Typen weiter untergliedert werden können. In der Geisberg-Formation finden sich drei petrographische Typen, wobei die stärker glasig-felsitischen als Grünberg-Quarzporphyr, die grauen bis rötlichen porphyrischen als Brandeck-Quarzporphyr und die gebleichten Varianten als Mooswald-Quarzporphyr zusammengefasst und den Pyroklastika als Weißmoos-Subformation gegenübergestellt werden (Nitsch & Zedler, 2009). In jeder dieser informellen lithostratigraphischen Einheiten sind weitere petrographische Untergliederungen zwischen den verschiedenen Vorkommen möglich (vgl. Seckendorff, 2012).

Alterseinstufung

Aufschluss an einer Straße aus feinem, rötlichen Gestein. Der Aufschluss ist zum Teil mit kleinen Sträuchern bewachsen. Darüber befindet sich Wald. Von links wirft ein Baum seinen Schatten auf das Bild.
Tuffitische Sandsteine des Rotliegend bei Baden-Baden-Lichtental

Radiosiotopische Datierungen an Rotliegend-Magmatiten wurden bisher fast nur mit der Rb-Sr-Methode durchgeführt und ergaben meist Alter zwischen 290 und 299 Mio. Jahre (Literatur s. Nitsch & Zedler, 2009; Seckendorff, 2012). Dies entspricht einem Alter am Beginn des Perms, zwischen der Karbon-Perm-Grenze und dem Sakmarium und ihrer mittleren Altersstellung zwischen den Ablagerungen des Oberkarbon (mit Pflanzenfossilien des Stefan bzw. Kasimovium–Gzhelium) und den Rotliegend-Sedimenten (mit Fossilien aus dem jüngeren Unterperm). Der einzige Fossilfund aus Zwischensedimenten der Rotliegend-Vulkanite, ein Pflanzenrest von Autunia conferta, erlaubt keine genauere Einstufung, da die Art vom ausgehenden Karbon bis ins Perm über einen langen Zeitraum existierte.

Literatur

  • Seckendorff, V.v. (2012). Der Magmatismus in und zwischen den spätvariscischen permokarbonen Sedimentbecken in Deutschland. – Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.). Stratigraphie von Deutschland. Rotliegend, Teil I: Innervariszische Becken, S. 743–860, Hannover (Schriftenr. Dt. Ges. Geowiss., 61).
  • Nitsch, E. & Zedler, H. (2009). Oberkarbon und Perm in Baden-Württemberg LGRB-Informationen, 22, S. 7–102.