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Karbonatgesteine im Gebiet der Lochen-Formation

Verbreitungsgebiet: Hohe Schwabenalb bei Meßstetten–Hausen am Tann, Dotternhauen–Ratshausen und bei Lautlingen

Erdgeschichtliche Einstufung: Lacunosamergel-Formation (joL), Obere Lochen-Schichten (joLOo), Wohlgeschichtete-Kalke-Formation (joW), Mittlere Lochen-Schichten (joLOm), Impressamergel-Formation (joI), Untere Lochen-Schichten (joLOu), Oberjura

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Lagerstättenkörper

Nahaufnahme einer grauen, bröckeligen Gesteinswand. Das Gestein weist eine nach rechts geneigte, schräg verlaufende Spaltung auf.
Knaueriger, unregelmäßig aufspaltender Kalkstein. Einzelne linsenförmige Mergelsteinlagen treten als Hohlraum zurück

Die zur Herstellung von Zementrohstoffen nutzbaren Bankkalksteine und Mergelsteine sowie z. T. mergelflaserigen Massenkalksteine des unteren Oberjuras der südwestlichen Schwäbischen Alb bestehen aus einem flächenhaften, schichtig aufgebauten Rohstoffkörper (Schichtfazies), der mit der Lochenfazies im selben stratigraphischen Niveau verzahnt ist. Die Verzahnung dieser beiden Fazieseinheiten geht mit raschen lithologischen Übergängen auf kurzer Distanz und starken Schwankungen der Mächtigkeiten einher. Die Karbonatgesteine der Schichtfazies fallen üblicherweise mit wenigen Grad nach Osten bis Südosten ein. An den Rändern der einzelnen Bioherme (Schwammstotzen der Lochenfazies) fallen die Bank- und Mergelsteine dagegen deutlich steiler in unterschiedliche Richtungen ein. Durch Mischung dieser Gesteine, i. d. R. ergänzt durch Zuschlagstoffe wie z. B. Tonsteine der Opalinuston-Formation, kann die erforderliche Zusammensetzung des ofenfertigen Rohmehls für Portlandzement erreicht werden (77 % Gesamtkarbonat sowie 42 % CaO und < 3 % MgO (Lorenz & Gwosdz, 1998). Die rohstoffgeologische Abgrenzung der Vorkommen berücksichtigt die nutzbare Mindestmächtigkeit (30‒40 m) und den geforderten Mindestvorrat, der bei Zementrohstoffen über 100 Mio. t liegen sollte. Die Abgrenzungen der dargestellten Lagerstättenkörper sind von verschiedenen Kriterien abhängig. Zu den Ausschlusskriterien zählen Eintalungen, Störungszonen, ein zu hoher Grad der Dolomitisierung, häufiges Auftreten von Kieselknollen, große Eintalungen, Dolinen und Senken sowie ein ungünstiges Abraum-Nutzschicht-Verhältnis.

Blick auf eine graue Steinbruchwand. Im mittleren Teil ist ein bogenförmiger Verlauf der Schichtung erkennbar, hervorgehoben auch durch dunklere Streifen.
Stark mergelflaserige Bioherme der Unteren Lochen-Schichten

Gewinnung und Verwendung

Blick auf eine graue bis leicht rötliche Steinbruchwand. Das Gestein liegt in dünn geschichteten, nach rechts geneigten Lagen auf. Im Vordergrund belädt ein Radlader einen Kipplaster.
Gebankte Kalksteine mit Mergelsteinlagen der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation

Gewinnung: Eine Gewinnung ist im Hangabbau oder im kombinierten Hang-/Kesselabbau mittels Bohren und Sprengen möglich. Das Material kann über eine Brecheranlage im Steinbruch zerkleinert und mit Bandanlagen oder einer Materialseilbahn wie am Plettenberg zum Zementwerk transportiert werden. Die Dosierung der aufgemahlenen Gesteine für das ofenfertige Rohmehl erfolgt üblicherweise aus Silos und die Homogenisierung auf einem Mischbett, sodass die Produktanforderungen eingestellt werden können. Bestimmte Gesteine, wie dolomitische Karbonatgesteine oder Karstlehme, können nur in genau kontrollierten geringen Mengen ergänzt werden.

Verwendung: Die Eignung dieser Serie ist durch ihre langjährige Nutzung durch das Zementwerk Dotternhausen am Albtrauf der westlichen Schwäbischen Alb nachgewiesen. Die Gesteine können zu Portland- und Spezialzementen verarbeitet werden, die im Hoch- und Tiefbau, für Normalbeton und für sonstige Zementprodukte Verwendung finden.

  • Nahaufnahme einer grauen, bröckeligen Gesteinswand. Das Gestein weist eine nach rechts geneigte, schräg verlaufende Spaltung auf.
  • Teilansicht einer Steinbruchwand. Das rötlich braune bis gelbliche Gestein liegt in dicken Bänken auf. Unterhalb der Bildmitte ist Gestein herausgebrochen. Rechts unten liegt Schutt.
  • Blick auf eine graue bis leicht rötliche Steinbruchwand. Das Gestein liegt in dünn geschichteten, nach rechts geneigten Lagen auf. Im Vordergrund belädt ein Radlader einen Kipplaster.
  • Detailaufnahme eines hell- bis mittelgrauen Gesteins, welches massig bis dickbankig ist und eine linsenförmige Lage in Form einer Hohlkehle in der Bildmitte aufweist. Unten links befindet sich ein Hammer als Maßstab.
  • Nahaufnahme von teils bräunlichem, teils bläulich geflecktem Gestein. Das Gestein ist knollig und wellig und hängt über. Die Zwischenräume sind bemoost.
  • Blick auf eine graue Steinbruchwand. Im mittleren Teil ist ein bogenförmiger Verlauf der Schichtung erkennbar, hervorgehoben auch durch dunklere Streifen.
  • Das Bild zeigt eine größere, freiliegende Felswand. Das Gestein ist grau mit leichten Schattierungen. Unten und oben verlaufen waagrechte Einkerbungen, in der Mitte führen sie senkrecht hinauf. An den Seiten wachsen Bäume.

Literatur

  • Franz, M., Schaaf, D., Schmidt, S. & Schweizer, V. (1987). Erläuterungen zu Blatt 7719 Balingen. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 146 S., 1 Taf., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Lorenz, W. & Gwosdz, W. (1998). Bewertungskriterien für Industrieminerale, Steine und Erden, Teil 2: Karbonat- und Sulfatgesteine. – Geologisches Jahrbuch, Reihe H, 4, S. 1–97.
  • Rilling, K. (2004). Erläuterungen zu Blatt 8017 Geisingen. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 103 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Schweizer, V. & Franz, M. (1994). Erläuterungen zu Blatt 7819 Meßstetten. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 112 S., 1 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Werner, W., Giese, S. & Bock, H. (1995). Lagerstättenpotentialkarte für die Region Neckar-Alb. Rohstoffgeologische Untersuchung der Kalksteinvorkommen des Weißen Juras. 161 S., 5 Anl., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg). [unveröff.]