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Südschwarzwälder Buntsandstein am Hochrhein

Verbreitungsgebiet: Südschwarzwald (Rheinfelden-Degerfelden, Schopfheim)

Erdgeschichtliche Einstufung: Buntsandstein (s), Trias

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Gestein

Blick auf eine Abbauwand in einem Steinbruch im Wald. Das anstehende Gestein ist dunkelrot und an manchen Stellen grünlich verfärbt. Vor der Wand auf dem Boden liegen einige kleinere Blöcke. Oben rechts steht ein Bagger.
Bohren und Schneiden mit einer Seilsäge

1) Die groben Sandsteine aus den Degerfelder Brüchen sind einerseits durch den auffallenden, raschen (innerhalb von wenigen cm und dm) Wechsel von hellroten, z. T. hellviolettroten, hellbräunlich gelben und fast weißen Lagen, und andererseits durch die häufige Beimengung von Quarzfeinkies gekennzeichnet. Die Quarzgerölle sind 2–10 mm groß, oft nur gering kantengerundet und sowohl milchig weiß (Gangquarze) als auch kräftig dunkelrot gefärbt (Quarzite). Die Quarzgerölle sind sowohl lagen- als auch nesterweise angereichert, aber auch regellos verteilt. Die Bindung guter Werksteinblöcke ist kieselig und beruht vor allem auf gut verzahnten Körnern und Kornanwachssäumen aus Quarz. Die offene Porosität ist nach dem makroskopischen Vergleich höher als beispielsweise im Buntsandstein der Lahr-Emmendinger Vorberge.
2) Bei den Sandsteinen der Plattensandstein-Formation handelt es sich um einheitliche Fein- bis Mittelsandsteine, tonig oder kieselig gebunden, meist dunkelrot, teilweise auch ockergelb gefärbt. Der ebenfalls lokal genutzte Schattenmühle-Grobsandstein besteht aus vorherrschend grobkörnigen Sandsteinen, die oft mürbe, bankweise aber sehr hart sind. Es handelt sich um violettrote, fleischrote und weißlich gebleichte, mittel- bis grobkörnige Quarzsandsteine mit bank- oder lagenweisem Farbwechsel. Die bankrechten Klüfte in den Werksteinbänken der Plattensandstein-Formation weisen bevorzugt die Orientierung 30–45/90° und 100–110/90° auf; sie verlaufen somit etwa parallel zu den dominierenden tektonischen Störungssystemen der Vorwaldscholle zwischen Schopfheim und Lörrach (Laske & Sawatzki, 2000). Im Mittleren Buntsandstein zerteilen orthogonale Kluftsysteme die 0,8–1 m mächtigen Sandsteinschichten (1–4 Klüfte pro Meter) in Blöcke mit Größen zwischen 1 und 2 m3.

Detailaufnahme eines Gesteins, welches rote, leicht grünliche und helle Schichten aufweist. Diese verlaufen schräg durchs Bild. Außerdem sind kleine, runde, schwarze Punkte zu sehen. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.
Wiesentäler Plattensandstein

Bereiche mit ungünstigen Materialeigenschaften

Laterale Fazieswechsel und Einschaltungen von Ton-/Siltsteinen können die Gewinnung erschweren. Eine Anlösung des Bindemittels, meist einhergehend mit Bleichungen, kann zur Abnahme der Gesteinsfestigkeit führen.

Mächtigkeiten

Mauer aus dunkelroten, homogenen Sandsteinblöcken und helleren, gebänderten Sandsteinblöcken. Am linken Bildrand ist ein Teil eines Eisentors zu sehen.
Roter Wiesentäler Plattensandstein und heller Degerfelder Sandstein

Geologische Mächtigkeit: Der Südschwarzwälder Buntsandstein ist im Vergleich zu den Lahr-Emmendinger- oder Nordschwarzwälder Buntsandsteingebieten durch deutlich geringere Mächtigkeiten und raschere Wechsel in der Gesteinszusammensetzung gekennzeichnet. Beim Südschwarzwälder Buntsandstein handelt es sich dennoch um die bedeutendsten Werksteinvorkommen des Südschwarzwaldes (die nächsten werksteintauglichen Gesteine treten im kristallinen Schwarzwald auf; weil diese aber nur maschinell zu gewinnen und zu bearbeiten sind, waren sie bis in das 19. Jh. hinein von vergleichsweise geringer Bedeutung).
Zu 1): Der Degerfelder Buntsandstein wurde bei Werner et al. (2013) dem mittleren Buntsandstein zugeordnet, wahrscheinlicher ist – nach den Ergebnissen der beiden LGRB-Erkundungsbohrungen Ro8312/B1 und B2 – eine stratigraphische Einstufung zum Schattenmühle-Grobsandstein. Der Schattenmühle-Grobsandstein wurde nur in einer der beiden LGRB-Erkundungs­bohrungen (Ro8312/B1) angetroffen und erreichte dort eine Mächtigkeit von knapp 6 m (Nitsch et al., in Vorb.).
Zu 2): Die LGRB-Erkundungsbohrungen Ro8312/B1 und B2 ergaben für die Plattensandstein-Formation Mächtigkeiten von 24,3 m (Ro8312/B2) bzw. 28,9 m (Ro8312/B1), der Horizont mit werksteinfähigen Bänken ist 13,4 m (Ro8312/B1) bzw. 9,05 m (Ro8312/B2) mächtig.

 

Das Bild zeigt Mauerwerk aus dunkelrotem, geröllführendem Sandstein mit hellen Fugen.
Mauerwerk der evangelischen Kirche in Freiamt-Mußbach aus geröllführendem Sandstein

Verwendung: Der heute nicht mehr abgebaute Südschwarzwälder Buntsandstein spielte in der Architektur eine bedeutende Rolle, wie zahlreiche Bauwerke am Hochrhein belegen (z. B. Kloster und Dom in St. Blasien, Basler Münster, römisches Augusta Raurica).
1) Degerfelden war schon zu römischer Zeit ein bedeutendes Steinbruchgebiet. Die Grobsandsteine wurden als Mauerquader, Sockel- und Ecksteine usw. an vielen Kirchen am Hoch- und Oberrhein, Stadtmauern und -toren, Straßen- und Eisenbahnbrücken verwendet. Der Degerfelder Sandstein kann aufgrund seiner kieseligen Kornbindung hohe Druck- und Zugkräfte aufnehmen.
2) Die einheitlich fein- bis mittelkörnigen, i. d. R. dunkelroten, teilweise auch ockergelben, tonig gebundenen Sandsteine der Plattensandstein-Formation hingegen waren auch für anspruchsvolle Bildhauerarbeiten gut geeignet, besitzen aber geringere Witterungsbeständigkeit. Der Plattensandstein aus den Brüchen unmittelbar nördlich von Schopfheim ist an vielen Hausmauern sowie Tür- und Fenstergewänden zu finden. Aus den gröberen Sandsteinen des Schattenmühle-Grobsandsteins bei Schopfheim wurden vor allem Mauern errichtet.

  • Detailaufnahme eines Gesteins, welches rote, leicht grünliche und helle Schichten aufweist. Diese verlaufen schräg durchs Bild. Außerdem sind kleine, runde, schwarze Punkte zu sehen. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.
  • Blick auf eine alte Abbauwand eines Steinbruchs im Wald. Das anstehende Gestein ist violettrot und großflächig mit Moos bewachsen bzw. grünlich und weißlich angewittert. Vor der Wand liegt Laub, über der Wand wachsen Bäume.
  • Nahaufnahme eines Gesteins, welches in den unteren zwei Dritteln des Bildes hellbeige ist und eine leichte Schichtung aufweist. Im oberen Drittel ist das Gestein dunkelrot. Rechts unten befindet sich eine Münze als Maßstab.
  • Nahaufnahme eines intensiv roten, geröllführenden Sandsteins. Das Gestein weist horizontal verlaufende Schichten aus hellrotem und dunkelrotem Gestein auf. Die Gerölle sind rundlich und meist hell.
  • Mauer aus dunkelroten, homogenen Sandsteinblöcken und helleren, gebänderten Sandsteinblöcken. Am linken Bildrand ist ein Teil eines Eisentors zu sehen.
  • Blick auf eine Abbauwand in einem Steinbruch im Wald. Das anstehende Gestein ist dunkelrot und an manchen Stellen grünlich verfärbt. Vor der Wand auf dem Boden liegen einige kleinere Blöcke. Oben rechts steht ein Bagger.
  • Das Bild zeigt Mauerwerk aus dunkelrotem, geröllführendem Sandstein.
  • Detailaufnahme eines Gesteins mit je einem hellbeigen, rötlichen und grünlichen Bereich. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.

Literatur

  • Laske, R. & Sawatzki, G. (2000a). Beiheft zu Blatt 8312 Schopfheim. – 2. Ausg., Beih. Vorl. Geol. Kt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 38 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg). [unveröff.]
  • Nitsch, E., Kimmig, B. & Saussele, M. (2017). Die äußere Randfazies des Buntsandsteins in neuen Kernbohrungen bei Steinen im Wiesental (Schopfheimer Bucht, Baden-Württemberg). – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N. F., 99, S. 38.
  • Werner, W., Wittenbrink, J., Bock, H. & Kimmig, B. (2013a). Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, 765 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).