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Iller-Riß-Platten

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Geologisch-geomorphologischer Überblick

In der unteren Bildhälfte befindet sich eine Wiese, dahinter erstreckt sich eine flache Landschaft mit Baumgruppen und rechts einer Siedlung.
Blick von der Terrasse der Mindel-Deckenschotter bei Laupheim auf die Terrasse der Günz-Deckenschotter

Die Iller-Riß-Platten bestehen aus langgestreckten in Nord–Süd-Richtung verlaufenden Rücken mit häufig ausgedehnten Hochflächenbereichen, die von mindel- und günzzeitlichem Deckenschotter (Mindel-Deckenschotter und Günz-Deckenschotter) eingenommen werden. Bei dem örtlich auftretenden, noch höher gelegenen donauzeitlichen Schotter (Donau-Deckenschotter) fehlen dagegen weitläufige Verebnungsflächen zumeist, da diese Terrassenablagerungen aufgrund ihres hohen Alters und ihrer exponierten Lage durch Abtragungsvorgänge schon stärker aufgelöst wurden.

Allgemein dachen die Hochflächenbereiche der Iller-Riß-Platten nach Norden zur Donau hin deutlich ab und spiegeln anhand der Schotterkörper das allgemeine Fließgefälle der früheren Flüsse wider. So treten ganz im Süden, westlich des Illertals bei Aitrach, Deckenschotter in Höhenlagen bis ca. 690 m NN auf, während von Günz-Deckenschotter gebildete Hochflächenbereiche in der Nähe des Donautals bei Ulm nur noch etwa 520 m NN erreichen. Die Täler zwischen den einzelnen Terrassenriedeln sind meist zwischen knapp 30 und bis zu 60 m tief in die Molassesockelgesteine eingeschnitten. Die Haupttäler hatten zur Zeit der maximalen mittelpleistozänen Eisvorstöße (Rißkomplex) Anschluss an die Gletschermassen des östlichen Rheingletschers und dienten phasenweise als Abflussbahnen für dessen Schmelzwässer.

Schematischer Schnitt durch die nördlichen Iller-Riß-Platten (Kösel, 2016)
Blick über eine große Wiese auf einen sich im Hintergrund des Bildes erhebenden, teilweise bewaldeten Hügel. Der Himmel ist stark bewölkt.
Blick auf den Bussen

Der Bussen, der sich wenige Kilometer östlich von Riedlingen am Südrand des Tertiärhügellands erhebt, ist mit seinem bis auf über 760 m NN aufragenden Gipfel eine besonders markante und im nördlichen Oberschwaben weithin sichtbare Erscheinung. Seine Entstehung verdankt er einer knapp 20 m mächtigen Kappe aus harten Süßwasserkalken, die am Nordrand des Molassebeckens als Randfazies der Oberen Süßwassermolasse abgelagert wurden. Sein hohes Aufragen verhinderte, dass der Bussen zur Zeit des weitesten rißzeitlichen Eisvorstoßes nicht von den aus Süden auflaufenden Eismassen überfahren wurde. Auf der südexponierten Seite des Bussens reichen die Gletscherablagerungen über den tertiären Sockelgesteinen bis in eine Höhe von ca. 700 m NN, während im Schatten des Eisstroms, auf der nördlichen Seite, die Moränensedimente erst tiefer als ca. 650 m NN einsetzen. Zur Zeit der maximalen Gletscherausdehnung war der Bussen wohl kurzfristig komplett vom Eis umgeben und nur sein Gipfelbereich hat herausgeragt. In der Terminologie der Glazialgeomorphologie hat es sich somit um einen Nunatak gehandelt – ein Begriff der aus der Eskimosprache entlehnt wurde.

Im Vordergrund befindet sich eine große Wiese mit vereinzelten Bäumen und einem Bauernhof am linken Bildrand. Im Hintergrund ist eine kleine Siedlung und dahinter eine bewaldete Bergkette erkennbar.
Rohrdorf auf einem der großen Schwemmfächer am Rande der Adelegg
Im Vordergrund befindet sich ein Feld, welches leicht begrünt ist. Am rechten Bildrand verläuft eine Straße, an dieser stehen zwei Bäume. Links im Hintergrund erhebt sich ein bewaldeter Hügel.
Das Erolzheimer Feld südlich von Tannheim (Lkr. Biberach)

Unter den Niederterrassen sticht besonders die ausgedehnte, kaum gegliederte Terrassenverebnung des Erolzheimer Felds hervor, die etwas südlich von Tannheim einsetzt und sich mit einer Längsersteckung von ca. 17 km bis Kirchberg a. d. Iller in nördliche Richtung fortsetzt sowie eine Breite von bis zu 4 km aufweist. Im Gegensatz zu ihrem Pendant auf der bayerischen Talseite, der östlich der Iller gelegenen Niederterrasse des Fellheimer Felds, weist das Erolzheimer Feld keine kaltzeitlichen Lössdeckschichten auf. Die unterschiedliche Lössverbereitung ist hauptsächlich auf die Lage des Fellheimer Felds im östlichen Teil des Talbodens zurückzuführen. Der aus dem aktiven Flussbett der kaltzeitlichen lller durch Winde aus vorwiegend westlicher Richtung ausgeblasene Gesteinsstaub konnte auf der angrenzenden, wahrscheinlich nur geringfügig höher gelegenen und bereits trocken gefallenen Schotterfläche des Fellheimer Felds wieder abgesetzt werden.

Aufschlusswand aus hellbeigen bis braun-orangen Schichten. In der oberen Hälfte ist ein mächtige helle Schicht zu sehen, in der unteren Hälfte eine dunklere und zwei orangene Schichten.
Mächtige äolische Deckschichten über verwittertem Günz-Deckenschotter in der ehem. Ziegeleigrube von Hüttisheim-Humlangen
Das Bild zeigt eine Nahaufnahme eines Aufschlusses. Man erkennt helle, rundliche Strukturen, welche sich in orange verwittertem Gestein befinden. In der rechten oberen Bildhälfte befindet sich ein rot-weißer Maßstab.
Kryoturbationstasche mit in die intensiv verwitterten Kiese eingesunkenem grauen Lösslehm

Die außerhalb des Lössverbreitungsgebiets in den nördlichen Iller-Riß-Platten vorherrschenden Lösslehme sind ebenfalls meist mehrschichtig aufgebaut. Der liegende, mächtigere Abschnitt ist im Wechsel von äolischer Aufwehung, Verwitterungs- und Bodenbildungsvorgängen, Abtragung und kräftiger kaltzeitlicher Umlagerung durch Kryoturbation entstanden. Er wurde dadurch dichtgelagert und kann stellenweise einzelne Kiese enthalten. Der hangende, meist weniger als 1 m mächtige Teil ist deutlich lockerer gelagert und stellt den Solumbereich, in dem sich die holozäne Pedogenese hauptsächlich vollzogen hat. Es liegt nahe, ihn mit der äolischen Aktivitätsphase während des Hochwürms in Verbindung zu bringen, als weiter nördlich unter höheren Sedimentationsraten mächtigere Lösspakete als Ausgangssubstrate für die Böden aufwuchsen.

Man blickt auf einen in der unteren Hälfte mit Wiese bedeckten und in der oberen Hälfte mit Nadelbäumen bewachsenen Hügel. Am Übergang in der Bildmitte befindet sich ein Holzhaus.
Ausgang des Herrenberger Tobels ins Eschachtal
Die untere Bildhälfte wird von einer kräftig grünen Wiese eingenommen. Dahinter befinden sich Baumgruppen und vereinzelt Gebäude.
Grünlandwirtschaft auf den Deckenschotterplatten im südlichen, niederschlagsreichen Teil der Holzstöcke

Weiter südlich fallen im Bereich der Terrassen große, z. T. langestreckte Waldareale auf, die zunächst noch von Ackerflächen umgeben sind. Nach Süden werden diese zunehmend durch Grünland ersetzt, bis schließlich die Grünlandnutzung komplett vorherrscht. In dieser Verteilung spiegeln sich die in Richtung der Alpen deutlich ansteigenden Jahresniederschläge wider. Früher höhere Grünlandanteile wurden in den letzten Jahrzehnten durch den Einsatz moderner Ackerpflanzenzüchtungen teilweise wieder zurückgedrängt. Die großen, zusammenhängenden Waldgebiete im Bereich der Terrassenlandschaft sind mehr oder weniger deckungsgleich mit ausgedehnten Vorkommen von Staunässeböden (Pseudogleyen) auf den abzugsträgen Terrassenverebnungen. Die nach Süden ansteigenden Niederschläge können dabei nicht die einzige, ausschlaggebende Ursache für die großflächige Verbreitung von staunassen Böden auf den Terrassen der Iller-Riß-Platten sein. Dies zeigt ihr weites Vordringen nach Norden in der Osthälfte von Blatt Laupheim (TK 7725) und auf dem östlich folgenden Blatt Illertissen (TK 7726), wo noch moderate Niederschlagsverhältnisse herrschen, die sich kaum von den Werten der nur wenige Kilometer entfernten Klimastation Hüttisheim unterscheiden dürften (mittlerer Jahresniederschlag 1961–1990: 708 mm). Neben den ebenen Reliefverhältnissen und dem daraus resultierenden eingeschränkten lateralen Bodenwasserabfluss, sind hierfür die mächtigen, mehrschichtigen Lösslehme verantwortlich, welche die Kiesterrassen überlagern. Ihr liegender Abschnitt ist durch kryogene Umlagerung (Kryoturbation, Solimixtion) häufig stark verdichtet und dadurch nur gering durchlässig.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.
  • Ellenberg, H. (1955). Wuchsklimakarte Baden-Württemberg 1 : 200 000. , Stuttgart (Reise- u. Verkehrsverl.).
  • Kösel, M. (2016). Paläoböden in quartärgeologischen Sequenzen und als Bestandteil des Solums rezenter Oberflächenböden. – LGRB-Fachbericht, 2016/1, S. 1–63, Freiburg i. Br. (Regierungspräsidium Freiburg – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau ).
  • Penck, A. & Brückner, E. (1901–09). Die Alpen im Eiszeitalter. 1199 S., Leipzig (Tauchnitz). [3 Bände, erschienen 1901–1909]