Sie befinden sich hier:

Böden der Muschelkalk-Hänge

Die Genese der Talhänge im Muschelkalk und deren Substratzusammensetzung ist in den Kapiteln „Geologisch-geomorphologischer Überblick“ und „Ausgangsmaterial der Bodenbildung“ erläutert. Im Wesentlichen handelt es sich um die Hänge des Kocher- und Jagsttals mit ihren Tributären.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Über dem flachen Dach eines Gebäudes erhebt sich ein brauner Steilhang, auf dem sich loses Gestein, Äste, Baumwurzeln und Grünpflanzen verteilen. Oben ist der Hang mit Buschwerk bewachsen..
Hangschutt im Deubachtal bei Künzelsau-Belsenberg

Neben den oben beschriebenen geologischen Verhältnissen ist häufig eine Abhängigkeit von der Exposition festzustellen. Dies liegt zum einen daran, dass sich während den Kaltzeiten an Nord- und Osthängen eher feinerdereiche Deckschichten bildeten, während die Süd- und Westhänge durch häufigere Frostwechsel vermehrt der Abtragung ausgesetzt waren. Der Hauptgrund ist jedoch in der jahrhundertelangen weinbaulichen Nutzung und den damit einhergehenden Bodenerosionsprozessen zu sehen. Die durch Bodenbearbeitung und Erosion an die Oberfläche geratenen Steine wurden aufgelesen und an den Rändern der Weinberge zu Steinriegeln aufgehäuft. Die bis zu mehrere Meter hohen Gebilde, die in Falllinie die Hänge hinunterziehen, sind ein Charakteristikum dieser Täler und gelten als wertvolle Trockenbiotope. Heute ist der Weinbau nur noch auf wenige kleine Anbaugebiete beschränkt und die Hanglagen sind oft bewaldet. Viele der nord- und ostexponierten Hänge waren dagegen vermutlich immer bewaldet und vor der Erosion entsprechend geschützt.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende und mit Schutt und Steinen durchsetzte Bodenprofil ist nur etwa 60 cm tief.
Flach entwickelte Rendzina aus tonreichem Hangschutt des Oberen Muschelkalks

Die Böden der sonnseitig exponierten Hänge sind bereits an der Oberfläche kalkreich und steinig (Rendzina, Terra fusca-Rendzina, Braunerde-Rendzina, Pararendzina, Rigosol). Im Bereich des Oberen Muschelkalks werden diese Flächen durch die sehr weit verbreitete Sammeleinheit J6 beschrieben. Der hauptsächlich aus Kalkstein bestehende Hangschutt ist oft mit viel Mergelverwitterungsmaterial durchmischt. Wo örtlich noch Reste der feinerdereichen, kalkarmen bis kalkfreien Decklage vorhanden sind, gehören Braune Rendzinen und Braunerde-Rendzinen zur Bodengesellschaft dazu. In den obersten Hangbereichen, wo der Hangschutt fehlt, sind Rendzinen oder Syroseme auf anstehendem Karbonatgestein des Oberen Muschelkalks entwickelt. Im Bereich der steilen Unterhänge im Unteren Muschelkalk („Wellenkalk“) ist ein ähnliches Bodenmuster in der Einheit J10 beschrieben, wobei die hier kartierten Rendzinen tendenziell etwas steiniger und flachgründiger sind. Auf mittel bis stark geneigten Abschnitten im Unterhangbereich sind auf Fließerden (Basislage, örtlich mit geringmächtigem Rest der Decklage) und Hangschutt aus Material des Mittleren Muschelkalks und des Unteren Muschelkalks Pararendzinen verbreitet (J43).

Ein auf einem Hang liegender, zur Mitte hin aufgehäufter Steinhügel bestimmt dieses Bild. Links und hangabwärts stehen Bäume; rechts blickt man auf die weit unten liegenden Dächer einer Ortschaft.
Steinriegel im Jagsttal bei Dörzbach-Hohebach
Hinter der Kapelle St. Wendel ragt eine grauweiße, zerfurchte Felswand empor. Teilweise ist das Gestein von dichtem Buschwerk überwuchert; rechts und links umrahmen es hohe Bäume. Rechts ist außerdem eine Höhle zu erkennen.
Kalktufffelsen im Jagsttal bei St. Wendel zum Stein

Aus dem verkarsteten Oberen Muschelkalk stammendes kalkreiches Grundwasser tritt stellenweise im Bereich undurchlässiger Schichten im Unteren und Mittleren Muschelkalk an Mittel- und Unterhängen oder in den Tiefenbereichen kleiner Tälchen wieder zu Tage. Stellenweise bilden auch die Röttone an der Buntsandstein-Muschelkalk-Grenze den Quellhorizont. An mehreren Stellen haben sich Kalktuffpolster gebildet, die die Hänge lückenhaft und in stark schwankender Mächtigkeit bedecken. Entsprechend kleinräumig wechseln die Bodenverhältnisse und sind insgesamt nur sehr kleinflächig verbreitet. Es dominieren Rendzinen und Gley-Rendzinen aus Kalktuff mit Übergängen zum Hanggley und kalkreichen Quellengley (J50). Stellenweise sind diese Bereiche auch stark anthropogen gestört, da die festen Kalktuffe früher begehrte Bausteine waren und vielerorts abgebaut wurden (z. B. St. Wendel zum Stein, südöstlich von Dörzbach).