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Karbonatgesteine des Albtraufs

Verbreitungsgebiet:  Albtrauf der Schwäbischen Alb

Erdgeschichtliche Einstufung: Massenkalk- (joMK), Untere-Felsenkalke- (joFU), Lacunosamergel- (joL), Wohlgeschichtete-Kalke- (joW), Impressamergel-Formation (joI), Oberjura

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Gestein

Blick von der Seite auf eine alte, schön gestufte Abbauwand eines Steinbruchs. Das anstehende Gestein zeigt eine deutliche Schichtung. Unter den drei Stufen befindet sich eine Schräge aus Geröll.
Oberjura-Profil am Albtrauf

In der Schwäbischen Alb können am Albtrauf vom Liegenden zum Hangenden folgende Gesteine des Oberjuras in Kombination als Zementrohstoffe gewonnen werden:
1) Am Fuß des Albtraufs graue Mergelsteine mit eingeschalteten Kalk- und Kalkmergelsteinbänken der Impressamergel-Formation (Mächtigkeit Westalb: 25–30 m, Ostalb: 50–80 m)
2) Monotone, dichte, feinkörnige, weißlich graue bis graubeige Bankkalksteine (0,1 bis max. 1,3 m) mit dünnen (0,5–25 cm) Mergelsteinzwischenlagen der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation (Mächtigkeit Westalb: 80–90 m, Ostalb: 20–25 m)
3) Graue bis grauschwarze Mergelsteine mit eingeschalteten, plattig bis dünnbankigen Kalksteinlagen der Lacunosamergel-Formation (Mächtigkeit: Westalb: 15–55 m, Ostalb: 40–50 m)
4) Dünnplattige, bankige bis dickbankige (0,3−1,5 m), feinkörnige, z. T. auch massige, harte, graubeige Kalksteine, z. T. mit deutlichen Mergelsteinlagen, der Unteren-Felsenkalke-Fm. (Mächtigkeit Westalb: 10–45 m, Ostalb: 20–60 m)
5) In der westlichen Schwäbischen Alb bilden z. T. massige bis meist dickbankig ausgebildete (Bankstärken 20–90 cm), hellgrauweißbeige, dichte bis feinkörnige Kalksteine des Unte­ren Massenkalks den Top der Abfolge. Untergeordnet treten auch hellbraune, feinkörnige, harte Kalk­steine (= Braunkalke) auf (Mächtigkeit: 50 m).  AUf der Ostalb setzt sich der Top der Abfolge aus massigen, splittrig brechenden, gelbbeigen bis braunen Schwamm-Mikroben-Kalksteinen der Massenkalk-Formation zusammen (Mächtigkeit: 2‒15 m); häufig sind sie verkarstet und/oder verlehmt und weisen Umwandlungen zu Dolomit (ggf. Ausschlusskriterium; s. o.) oder Dedolomit (Zuckerkornlochfels) auf.
Eine Verkarstung der Gesteine oder eine Dedolomitisierung sind für die Zementproduktion kein Ausschlusskriterium. Dagegen sind dolomitische Kalksteine bzw. Dolomitsteine, die einen MgO-Gehalt > 5 % aufweisen, in der Zementproduktion nicht erwünscht (LGRB, 2006).

Das Bild zeigt eine Bohrsequenz, aufgeteilt in 10 nebeneinander stehenden Kästen, aus dunkelgrauem (links) bis braunem (rechts) Gestein. Ganz links und mittig befinden sich 2 kleine Schilder mit Beschriftung.
Bohrsequenz der Lacunosamergel- und Wohlgeschichtete-Kalke-Forma­tion

Mächtigkeiten

Blick von unten auf eine Abbauwand aus hellgelbem, gebanktem und geklüftetem, feinkörnigem Gestein. Unter der Wand liegt Geröll, über der Wand wachsen Bäume.
Gebankte, feinkörnige Kalksteine der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation

Geologische Mächtigkeit: Die genannte Gesteinsfolge ist zwischen 130 und 180 m mächtig. Da an einigen Stellen die oberen Gesteinseinheiten bereits abgetragen wurden, ist die Mächtigkeit entsprechend reduziert.

Genutzte Mächtigkeit: Je nach Überdeckung mit Hangschutt (ungünstig bei einem reinen Hangabbau), den Aufschlussverhältnissen und dem Einsetzen der z. T. nicht nutzbaren Massenkalk-Formation (Dolomitisierung, s. o.) schwankt die nutzbare Mächtigkeit zwischen 60 und 150 m.

  • Oberjura-Abfolge am Abtrauf
  • Bohrsequenz der Lacunosamergel- und Wohlgeschichtete-Kalke-Forma­tion
  • Dickbankige, oben plattig aufgewitterte Kalksteine
  • Oberjura-Profil am Albtrauf
  • Gebankte, feinkörnige Kalksteine der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation

Literatur

  • LGRB (2001). Blatt L7324 Geislingen an der Steige, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 91 S., 7 Abb., 5 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg). [Bearbeiter: Wagenplast, P. & Werner, W.]
  • LGRB (2016). Blatt L 8118/L 8318 Tuttlingen/Singen, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 273 S., 49 Abb., 9 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau). [Bearbeiter: Kleinschnitz, M. m. Beitr. v. Bock, H., Werner, W.]
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2006). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006 – Gewinnung, Verbrauch und Sicherung von mineralischen Rohstoffen. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Hrsg.). LGRB-Informationen, 18, S. 1–202.
  • Lorenz, W. & Gwosdz, W. (1998). Bewertungskriterien für Industrieminerale, Steine und Erden, Teil 2: Karbonat- und Sulfatgesteine. – Geol. Jb., H 4, S. 1–97.
  • Werner, W., Giese, S. & Bock, H. (1995). Lagerstättenpotentialkarte für die Region Neckar-Alb. Rohstoffgeologische Untersuchung der Kalksteinvorkommen des Weißen Juras. 161 S., 5 Anl., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg). [unveröff.]