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Junge Talfüllung

Lithostratigraphische Untergruppe

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Blick auf ein flaches Muldental mit Wiesen, Äckern, Bäumen und Büschen. Im Vordergrund ist das Gelände von einem Steinbruch aufgeschnitten. Das aufgeschlossene Bodengefüge ist schwarzbraun mit zwischengeschalteten helleren Lagen.
Flaches Muldental mit holozänen Abschwemmmassen im Muldentiefsten über hellem Löss, Unterkeuper und Oberem Muschelkalk (Steinbruch bei Markgröningen); Mächtigkeit der dunklen Abschwemmmassen bis ca. 3 m
Das Bild zeigt ein teils kiesiges, teils steilwandartiges lehmiges Flussufer. Die Lehmwand hat eine leicht überhängende Decke aus Wurzeln und Gräsern. Im Hintergrund ist ein teils bewaldeter Berghang erkennbar.
Lehmiges holozänes Auensediment über der kiesigen, quartären Talfüllung des Jagsttals bei Krautheim

Auensedimente kommen in allen Landschaften Baden-Württembergs vor. Im Schichtstufenland und Alpenvorland, wo lösshaltige sowie sandig-tonige Gesteine und Böden vorherrschen, werden die jungen Talfüllungen von Auenlehm dominiert. Dagegen ist in den Schwarzwaldtälern bei höherer Reliefenergie und sandiger Gesteinsverwitterung bevorzugt Auensand verbreitet.

Blick aus großer Höhe auf ein von bewaldeten Bergen umschlossenes, im Bogen verlaufendes Flusstal. Im Vordergrund ragen bleiche Felsspitzen in die Höhe.
Großes Lautertal bei Münsingen-Wittstaig; Talsohle mit Auenlehm über Sinterkalk und mäandrierendem Gewässerlauf

Talauen umfassen den heutigen oder vor der Eindeichung vorhandenen Überschwemmungsbereich der Flüsse und sind vorwiegend durch einen mäandrierenden Flusslauf entstanden. Das sukzessive aufgewachsene, häufig geschichtete Hochwassersediment wird von einem Kieskörper unterlagert, der im Flussbett abgelagert wurde und sich meist mit scharfer Grenze vom überlagernden Auensediment abhebt. Bei geringer Mächtigkeit des Auensediments werden in der Geologischen Karte 1 : 50 000 die unterlagernden Kiese als Talauenschotter dargestellt, wie z. B. an der Donau zwischen Mengen und Riedlingen.

Im Unterschied zu den weitgehend ebenen Flussauen mit Hochwassersedimenten führen junge, durch flächenhafte Hangabspülung entstandene Abschwemmmassen zu muldenförmigen und konkaven Geländeformen im Talquerschnitt bzw. am Hangfuß. Das verlagerte Abtragsmaterial wird in den Senkenbereichen akkumuliert und kleidet meist flache Muldentäler aus, die meist im Periglazial der Eiszeiten angelegt wurden oder noch älter sind. Holozäne Abschwemmmassen sind besonders in hügeligen Lösslandschaften wie dem Kraichgau verbreitet, wo fruchtbare, aber erosionsanfällige Böden seit Jahrhunderten beackert werden. Im Kaiserstuhl konnte nachgewiesen werden, dass ursprünglich kerbförmige Täler komplett mit jungen Abschwemmmassen verschüttet und zu sog. Lösssohlentälern mit flachem Talquerschnitt umgestaltet wurden (Friedmann & Mäckel, 1998).

Blick auf ein breites Muldental mit Äckern, Wiesen und Bäumen. Das Gelände wird zum Hintergrund hin von einer Ortschaft begrenzt. Dahinter sowie rechts und links erheben sich bewaldete Berge. Hinter dem Berg rechts stehen Industriegebäude.
Junge Talfüllung aus Schwemmschutt in einer Talschlinge nordwestlich von Schelklingen; dahinter folgt am Ortsrand das Niedermoor „Großes Ried“.

Bei den Verschwemmungssedimenten wird zwischen holozänen und pleistozänen Bildungen (z. B. holozäne Abschwemmmassen vs. pleistozänes Schwemmsediment) und zusätzlich nach der Korngröße (z. B. Schwemmschutt, Schwemmlehm) bis hin zur Materialherkunft (Schwemmlöss) unterschieden. Bei den Hochwassersedimenten gehören dagegen nur die holozänen Auensedimente zu den jungen Talfüllungen. Pleistozäne Hochwassersedimente (Hochflutsedimente) werden bei den pleistozänen Flussablagerungen abgehandelt.

Blick auf zwei über Eck gehende hohe Grubenwände, nach rechts hin schräg geneigt und abgestuft, aus hellbraunem Bodenmaterial. Unterhalb der Bildmitte, am oberen Ende der Schräge, ist eine halbrunde Muldenfüllung aus dunklerem Material erkennbar.
Muldenfüllung aus holozänen Abschwemmmassen im Löss bei Vogtsburg im Kaiserstuhl
  • Das Bild zeigt einen kleinen, schmalen Wasserfall an einer offenen Stelle eines bewaldeten Hanges. Die vom Wasser umspülten Bereiche sind grün bemoost, die übrigen hellbraun oder dunkelbraun.
  • Nahaufnahme von knolligem, bräunlich bis bläulich grauem Gestein. Aus einer Nische links blicken Farnwedel hervor. Im oberen Bereich des Gesteins ist Moosbewuchs erkennbar. Unten und rechts tun sich weitere Nischen auf.
  • Blick auf eine hohe, unten rötlich braune, oben graue Steinbruchwand. Die Wand ist von Spalten und höhlenartigen Vertiefungen durchzogen.
  • Nahaufnahme einer geschliffenen Gesteinsplatte, gelblich bis rötlich braun, mit dunkleren Einlassungen oben.

Mächtigkeit

Die Mächtigkeit von Jungen Talfüllungen schwankt häufig zwischen 0,8 und 1,5 m. Verschwemmungssedimente sind in Hangfußlagen, auf Schwemmfächern und in den tiefsten Lagen von Muldentälern oft deutlich mächtiger. Dies gilt insbesondere für den quartären Sinterkalk, der im Bereich terrassenförmiger Talfüllungen mehrere 10er Meter mächtig werden kann. Die Mächtigkeit des Stuttgart-Travertins in Bad Cannstatt schwankt stark, wobei Mächtigkeiten von bis zu 25 m dokumentiert sind (Werner et al., 2013).

Literatur

  • Bleich, K. E. & Papenfuß, K. H. (1996). Ein altes Kolluvium und die spätpleistozän-frühholozäne Bodenentwicklung in der Lößlandschaft des Kraichgaus (SW-Deutschland). – Felix-Henningsen, P. (Hrsg.). Böden als Zeugen der Landschaftsentwicklung. – Festschrift zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. H. E. Stremme, S. 85–91, Kiel.
  • Brunner, H. (1998). Erläuterungen zu Blatt Stuttgart und Umgebung. – 6. Aufl., Geologische Karte von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 298 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg).
  • Eberle, J., Eitel, B., Blümel, W. D. & Wittmann, P. (2017). Deutschlands Süden – vom Erdmittelalter zur Gegenwart. 3. Aufl., 195 S., Berlin.
  • Friedmann, A. & Mäckel, R. (1998). Die Landschaftsentwicklung in den Lößgebieten des Kaiserstuhls und Tunibergs. – Freiburger Geographische Hefte, 54, S. 99–112.
  • Henkner, J. (2018). Interpreting colluvial deposits: Archaeopedological reconstruction of land use dynamics in southwestern Germany. – Diss. Univ. Tübingen, 323 S., verfügbar unter http://dx.doi.org/10.15496/publikation-23596 .
  • Kösel, M. (2016). Paläoböden in quartärgeologischen Sequenzen und als Bestandteil des Solums rezenter Oberflächenböden. – LGRB-Fachbericht, 2016/1, S. 1–63, Freiburg i. Br. (Regierungspräsidium Freiburg – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Lazar, S. & Rilling, K. (2006). Die Böden der Baar. – Siegmund, A. (Hrsg.). Faszination Baar – Porträts aus Natur und Landschaft, 2. Aufl., S. 37–56, Donaueschingen.
  • Werner, W., Wittenbrink, J., Bock, H. & Kimmig, B. (2013). Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung. 765 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
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