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Böden aus Becken-, See- und Strandsedimenten

Die ehemaligen Gletscherzungenbecken prägen mit ihren individuellen Formen sowie der Vielfalt im Aufbau und der Verbreitung der Lockergesteine und Böden in hohem Maße die Landschaft des Jungmoränen-Hügellands. Auf flachen Erhebungen aus kaltzeitlichen Becken- und Seesedimenten sind häufig Parabraunerden und Stauwasserböden (Pseudogleye) entstanden. Auf Sanden reicht die Versauerung unter Wald bis zur Ausbildung von Podsol-Bänderparabraunerden bzw. Podsol-Braunerden. Pelosole und Pelosol-Braunerden sind an wenige Bereiche mit Beckentonen auf schwach gewölbten Erhebungen und Hängen gebunden. Reliefbedingt kam es nur selten zu starker Bodenerosion mit Verkürzung der Bodenprofile zu Pararendzinen. In den Niederungen liegen weitflächig Grundwasserböden vor. Auf warmzeitlichen See- und Strandablagerungen haben sich karbonatreiche Grundwasserböden und vereinzelt Ah/C-Böden (Pararendzinen und Rendzinen) gebildet.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende, schwarz-weiße Profil ist etwa 90 cm tief. Am Grund steht Wasser.
Kalkreicher Anmoorgley aus Seekreide (U151)

Die Verlandungszonen des Bodensees stellen die jüngsten Landschaftsteile dar. Sie werden von kalkreichem, jungem Seesediment (Seekreide, „Schnecklisande“) eingenommen. In ihnen sind Kalkanmoorgleye (Anmoor: 15–30 % org. Substanz) und Kalknassgleye als Grundwasserböden enstanden (U151). Die Grundwasserstände sind vom Seespiegel abhängig, der im Jahreslauf normalerweise um etwa 1,5 m schwankt. Die höchsten Wasserstände werden am Bodensee in der Regel im Mai und Juni während der Schneeschmelze im Hochgebirge gemessen. Dabei wird ein Teil der Flächen regelmäßig überflutet. Niedrigwasser herrscht dagegen von Januar bis März, wenn die Niederschläge in den Alpen als Schnee fallen. Neben den großflächigen Naturschutzgebieten im Eriskircher und Wollmatinger Ried sowie dem Aachried und der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell gibt es an flachen Bodenseeufern immer wieder schmale, langgestreckte Verlandungsbereiche. Auf kleiner Fläche tritt diese Bodengesellschaft auch am Schreckensee in der Eiszerfallslandschaft zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne südlich von Altshausen auf. Unter landwirtschaftlicher Nutzung befindliche Standorte sind i. d. R. von einem Grabensystem zur Entwässerung durchzogen. Örtlich gibt es am Bodensee Flächen mit größerem Abstand zum Grundwasser und im Wollmatinger Ried auch Strandwälle mit Pararendzinen, Gley-Pararendzinen und Rendzinen (U19). Im Eriskircher Ried sowie im Bodenseebecken zwischen Konstanz und Singen (Hohentwiel) treten landeinwärts wenige Vorkommen mit verbreitet karbonathaltigen Pseudogley-Gleyen und Gley-Pseudogleyen aus schluffig-tonigen Beckenabsätzen auf (U131).

Das Schussenbecken zwischen Eriskirch und Tettnang, schematischer Profilschnitt
Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das Profil ist etwa 80 cm tief.
Gley aus schluffig-sandigem Seesediment im Schussenbecken (U129)

Im Südteil des Schussenbeckens sowie zwischen Zeller See und dem Anstieg zum Schiener Berg entstanden am Ende der Würmeiszeit großflächig nur wenig höher gelegene Seeterrassen. Die hier ausgeprägten Gleye und Braunerde-Gleye aus schluffig-sandigen, schluffig-tonigen sowie geschichteten Beckensedimenten (U129, U130, U140) sind aufgrund ihrer längeren Entwicklungsdauer an der Oberfläche überwiegend kalkfrei. Die Bodenarten reichen vom Sand bis zum schluffigen Ton, sodass die Standorteigenschaften immer wieder wechseln. Die Seeterrassen sind durch sehr flache Erhebungen mit geringem Grundwassereinfluss mehrfach gegliedert (Gley-Braunerde und Parabraunerde, U38). Südwestlich von Tettnang treten als Folge des Hopfenanbaus stellenweise rigolte Böden auf.

In den weiter vom Bodensee entfernten Beckenlagen in Höhen oberhalb 410 m NN sind dann verstärkt entkalkte terrestrische Böden ausgebildet. Im Schussenbecken, dem Frickinger Becken, der Niederung von Orsingen und Stockach-Espasingen sowie rund um Stockach-Mahlspüren sind schluffreiche bis schluffig-sandige, glazilimnische Bildungen mit braunen Böden weit verbreitet. Sie weisen häufig eine Tonverlagerung in den Unterboden auf, sind örtlich bereits über 10 dm tief entkalkt, pseudovergleyt und schwach erodiert (Parabraunerde, U70 und U71; stellenweise Braunerde und Pseudogley-Braunerde, U25). In der näheren Umgebung des Bodensees sind die natürlichen Bodenhorizonte durch intensiven Sonderkulturanbau vielerorts vermischt (rigolt), sodass die Böden z. T. als Parabraunerde-Rigosole einzustufen sind (U172). Pararendzinen als stark erodierte Böden nehmen nur geringe Flächenanteile dieser überwiegend ebenen oder flachwelligen Landschaften ein (U13).

Das Schussenbecken zwischen Ettenkirch und Ravensburg, schematischer Profilschnitt
  • Blick über hochstehende Riedgräser auf einen See. Im Hintergrund flache, bewaldete Hügel.
  • Blick auf einen braunen, nach links ansteigenden, wallartigen Bodenstreifen. Rechts schließt sich eine grüne Wiese an. Im Hintergrund stehen, zum Teil einzeln, Bäume.
  • Blick auf eine leicht hügelige grüne Landschaft mit wenigen Äckern und bewaldeten Höhen. Im Bildhintergrund ist zudem ein See erkennbar.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das gelblich braune Profil ist 70 cm tief.
  • Blick über eine wellenartig geformte Acker- und Wiesenlandschaft mit Waldstreifen, einer Siedlung in der Mitte und bewaldeten Höhen im Hintergrund.
  • Blick auf leicht abfallendes Wiesenland mit einer Siedlung links und dichtem Wald im Mittelgrund. Im Hintergrund sind teilweise bewandelte Hügelrücken erkennbar.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das Profil ist 1,50 m tief.
  • Blick über grüne Wiesen auf tieferliegende Baum- und Waldstreifen. Links sind die Türme einer Kirche zu erkennen. Im Hintergrund eine wieder ansteigende, zum Teil bewaldete Landschaft.
  • Blick auf eine flache Landschaft mit Acker, blühender Wiese, Schilf und einem schmalen, langgestreckten See. Dahinter bewaldete Höhenrücken, nach links ansteigend.