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Bodeneigenschaften

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das sehr steinige Profil ist nur etwa 40 cm tief.
Rendzina auf Oberem Massenkalk (Oberjura) am Hahnenbol bei Neuhausen ob Eck-Schwandorf (r66)

Auf der von Karbonatgesteinen des Oberjuras gebildeten Albhochfläche werden in der Bodengroßlandschaft Baaralb, Oberes Donautal, Hegaualb und Randen rund 70 % der Fläche von Kartiereinheiten eingenommen, in denen Rendzinen die Leitbodentypen darstellen (Kartiereinheit r1, r2, r66). Der Begriff Rendzina („Kratzer“) stammt aus dem polnischen und beschreibt lautmalend das Geräusch, das der Pflug beim Kratzen über den Gesteinsuntergrund erzeugt. Es handelt sich in dieser BGL aber meist um keine typischen Rendzinen mit lockerem, schwarzem und sehr stark humosem Ah-Horizont. Vielmehr weisen die Böden Übergänge zu Braunerden und Terrae fuscae auf und sind durch Bodenbearbeitung und Erosion aus diesen hervorgegangen („Ackerrendzinen“). Unter einem meist 2–3 dm mächtigem, steinigem, oft karbonatfreiem Oberboden folgt meist schon das anstehende Karbonatgestein bzw. steiniger Gesteinszersatz. Es sind trockene Standorte mit sehr geringer bis geringer nutzbarer Feldkapazität (nFK), mittlerer bis hoher Luftkapazität und meist mittlerer bis hoher Wasserdurchlässigkeit. Die Kationenaustauschkapazität (Sorptionskapazität, KAK) wird auf Grund des geringen Wurzelraums als sehr gering bis gering eingestuft. Die in den Bodengesellschaften von r1 und r66 ebenfalls als Begleitböden auftretenden Rendzina-Braunerden und Terrae fuscae sind meist etwas tiefer entwickelt, haben einen geringeren Steingehalt und damit entsprechend günstigere Bodeneigenschaften. Wogegen die v. a. in exponierten Lagen unter Grünland oder Wald vorkommenden typischen Rendzinen meist sehr flachgründige und sehr trockene Standorte sind. Das Feinbodenmaterial der in Kartiereinheit (KE) r2 abgegrenzten Rendzinen besteht zu einem Großteil aus Mergelverwitterungston. Die Böden besitzen ein grobes Polyedergefüge und weisen Übergänge zum Pelosol auf. Luftkapazität und Wasserdurchlässigkeit sind dadurch etwas geringer als auf den reinen Kalksteinböden. Die KAK wird dagegen etwas höher eingestuft. Die Krautschicht der Wälder zeigt im Verbreitungsgebiet von r2 meist frischere Standorte an.

Das Bild zeigt einen flachen, einheitlich gefärbten Acker, der zum Rand eines angrenzenden Waldes etwas heller wird.
Dunkle Kolluvien und helle Pararendzinen im Verbreitungsgebiet der Zementmergel-Formation

Auf den kalkreichen Mergelsteinen der Zementmergel-Formation dominieren flach entwickelte Pararendzinen (r68), die z. T. eine schwache Entkalkung und Gefügebildung und damit Übergänge zum Pelosol aufweisen. Voll ausgebildete plastische Tonböden (Pelosole) kommen nur vereinzelt vor. Die Böden aus steinigem, schluffig-tonigem Substrat sind meist schon an der Oberfläche kalkhaltig und flach‑ bis mittelgründig. Sie besitzen eine geringe nFK und eine geringe bis mittlere KAK. Ehemals als Schafweide genutzte flach entwickelte Mergelböden sind bei Wiederaufforstungen schwierige Waldstandorte (Müller, 1962; Werner, 1968, S. 75). Moder und rohhumusähnliche Humusformen sowie wenig entwickelte Ah‑Horizonte weisen auf ein gestörtes Bodenleben in diesen Bereichen hin. Ähnliches gilt für die sandigen Dolomit-Rendzinen, die begleitend in KE r66 vorkommen können. Auch über deren lockerem, basenreichem Substrat findet sich gelegentlich ein Auflage-Moder.

Das Panoramabild zeigt unterhalb einer Wiese und inmitten weiterer Grünflächen eine ovale, von Hecken und Nadelbäumen bewachsene inselartige Erhebung mit Resten von braunem, ungemähtem Gras. Links und rechts sind ähnliche Inseln erkennbar.
Trockental südlich von Fridingen

Abgesehen von den seltenen Parabraunerden aus lösslehmreichen Fließerden (r45), finden sich die für den Landbau günstigsten Standorte auf der vom Oberjura gebildeten Albhochfläche in den Trockentalmulden und Karstsenken. Da sich dort durch die Ablagerung holozäner Abschwemmmassen mehr oder weniger mächtige Feinerdedecken gebildet haben und normalerweise nicht mit Grund‑ und Stauwassereinfluss gerechnet werden muss, sind mittel‑ bis tiefgründige, steinarme, humose Lehmböden mit günstigem Wasser‑ und Lufthaushalt vorherrschend (Kolluvium, r78). Sorptionskapazität und Feldkapazität sind dort weiter erhöht, wo unter geringmächtigem Kolluvium Rückstandston oder der Bt‑Horizont einer Parabraunerde lagert (r73). Dichtere und z. T. schwerer durchwurzelbare Unterböden finden sich in tonreichen Kolluvien (r49), deren Einzugsgebiet sich im Bereich von Mergelhängen befindet.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Das streifige, unter der Pflanzendecke dunkle Profil ist über 60 cm tief.
Pararendzina aus Mergel-Fließerde am Nordhang des Fürstenbergs (r4)

An den weniger stark geneigten, unteren Hangabschnitten am Albtrauf, wo sehr viel tonig-mergeliges Substrat am Aufbau der Böden beteiligt ist (r4, Pararendzina und Rendzina), ist die Wasserversorgung für die Waldbäume günstiger. Die nFK liegt in der Stufe gering bis mittel. Allerdings sind die tonigen Unterböden stellenweise nur mäßig durchwurzelbar. In den engen, in den Oberjura eingeschnittenen Tälern und in Hangfußlagen sind kalkhaltige Kolluvien aus lehmigen Abschwemmmassen mit einem mehr oder weniger hohen Steingehalt verbreitet (r10). Es handelt sich um überwiegend landwirtschaftlich genutzte Böden mit günstigem Wasser‑, Luft‑ und Nährstoffhaushalt. Die nFK ist nur dort eingeschränkt, wo die Kolluvien geringmächtig und/oder stark steinig sind. In einigen Mulden an den Hängen der Baaralb sind Kolluvien mit Vergleyungsmerkmalen im tieferen Unterboden verbreitet (r11). Da punktuell auch nässere Böden vorkommen (Kolluvium-Gley, Quellengley), werden diese Bereiche meist als Grünland genutzt. Stark steinige, geringmächtige Kolluvien im Wechsel mit Rendzinen aus Schwemmschutt finden sich auch verbreitet auf Schwemmfächern und in Hangfußlagen der Baaralb und im Donautal (r32). Trotz des meist hohen Steingehalts werden sie überwiegend ackerbaulich genutzt. Ihre nFK und KAK wird jeweils als gering bis mittel eingestuft.

Das Bild zeigt eine zum Horizont hin ansteigende, gewellte Nutzlandschaft mit einer kahlen Erhebung rechts und einer bewaldeten Kuppe links.
Blick von Südosten zum Höhenrücken des Witthohs bei Emmingen-Liptingen

Bei den Kolluvien in den Muldentälchen und Hangfußlagen (r37) handelt es sich um tiefgründige kalkhaltige Lehmböden mit geringem bis mittlerem Kiesgehalt. Es sind gute Ackerstandorte, die nur stellenweise schwach durch Staunässe oder Grundwasser beeinflusst sind. Dies gilt auch noch für die in KE r36 abgegrenzten Gley-Kolluvien und Kolluvien mit Vergleyung im nahen Untergrund. Allerdings ist dort, wo begleitend auch nässere Böden vorkommen, nur Grünlandnutzung möglich.

Das Bild zeigt eine ausgedehnte, ebene Grünlandfläche, begrenzt von Waldstreifen. Im fernen Hintergrund sind die Spitzen einer Bergkette erkennbar.
Blick vom Südrand der Hegaualb bei Liptingen zu den Alpen mit dem Säntis in der Mitte

Entsprechend dem kleinräumigen Bodenwechsel in dem vom ehemaligen Erzabbau überprägten Verbreitungsgebiet der Bohnerzton-Formation (r55) existiert dort auch ein engräumiger Wechsel der Standortsverhältnisse. Mittel bis tiefgründige Substrate mit unterschiedlichem Steingehalt sind vorherrschend. Die Bodeneigenschaften hängen u. a. von der Mächtigkeit des Wurzelraums, vom Anteil kaolinitischen Bohnerztons und vom Ausmaß der Beteiligung äolischer Deckschichten ab. Wo es sich um reinen Bohnerzton handelt, ist der Boden dicht gelagert, hat ein kohärentes bis prismatisches Gefüge sowie eine eingeschränkte Durchwurzelbarkeit und Wasserdurchlässigkeit. Immer wieder treten daher in KE r55 auch Staunässeböden (Pseudogleye) auf. Die nFK reiner Bohnerztone dürfte im Gegensatz zu den Terrae fuscae wegen des hohen Totwasseranteils trotz tiefgründiger Verwitterung nur als gering einzustufen sein. Auch die Sorptionskapazität des Bohnerzton-Materials ist wegen des hohen Kaolinitgehalts eher gering.

Eigenschaften der Böden im Bereich von Vulkaniten

Von erhöhtem Standpunkt aus blickt man auf die hohe, unregelmäßig geformte und überwiegend graue Wand eines Steinbruches. Kuppe und Fuß des Steinbruches sind bewaldet; am Fuß liegt außerdem ein blaugrüner See.
Ehemaliger Basalt-Steinbruch am Höwenegg

Die verbreitetsten Böden auf den Vulkantuffen des Höweneggs sind Braunerden, Pelosol-Braunerden und Pelosole (r75). Es handelt sich um nährstoffreiche, zumindest im Oberboden gut durchlüftete und gut durchwurzelbare Böden. Die hohe biologische Aktivität hat zu einer Einmischung von Humus bis in den Unterboden und zu einer dunklen Bodenfarbe geführt. Einschränkungen beim Wasserspeichervermögen und der Durchwurzelbarkeit ergeben sich durch teils hohe Steingehalte, örtlich hohe Tongehalte im Unterboden oder durch das Auftreten von Festgestein oberhalb 1 m u. Fl. In Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Tuffgesteins kann es z. T. sandig, z. T. eher lehmig oder tonig verwittern. Entsprechend können die Bodeneigenschaften auch engräumig wechseln.

Eigenschaften der Böden im Bereich von Terrassensedimenten

Das Bild zeigt ein großes Maisfeld. Rechts begrenzen höher stehende Bäume, im Hintergrund bewaldete Hänge, unterbrochen von einigen gelblich grauen Felsen, das Feld.
Donautal bei Beuron-Thiergarten

Zwischen der hochwassergefährdeten Aue und den Hangschuttböden und Felsen der Steilhänge sind im Donautal immer wieder pleistozäne Terrassen ausgeprägt, die ackerbaulich genutzt werden können. Die Flussablagerungen sind oft von geringmächtigen lösslehmreichen Fließerden und/oder holozänen Abschwemmmassen überdeckt, so dass tiefgründige lehmige Böden mit wechselndem Kies‑ und Schuttgehalt vorherrschen (erodierte Parabraunerde, Parabraunerde-Braunerde, Kolluvium über Braunerde, r69, r18). Die nFK und KAK der Böden liegt meist im mittleren bzw. im mittleren bis hohen Bereich. Wo der Terrassenkies bereits in Oberflächennähe auftritt, sind Rendzinen und Braune Rendzinen verbreitet, die meist eine etwas niedrigere nFK und KAK aufweisen (r31, r48, r100).

Literatur

  • Hahn, W. (1968a). Erläuterungen zu Blatt 7920 Leibertingen. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 106 S., 8 Taf., 1 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Müller, S. (1962). Typische Waldbodenprofile der Schwäbischen Alb. – Mitteilungen des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung, 12, S. 90–95.
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