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Bodeneigenschaften

Die Bodeneigenschaften sind stark vom Ausgangsgestein abhängig. Böden auf Ton‑ und Mergelstein bzw. aus deren Verwitterungsprodukten und den daraus entstandenen Fließerden haben in der Bodengroßlandschaft (BGL) einen Anteil von 43 %. Ein Drittel der Fläche wird von Böden auf Karbonatgestein eingenommen. Lösslehmreiche Fließerden (≥ 1 m mächtig) und geringmächtiger Lösslehm besitzen nur einen Flächenanteil von 2 %. Ebenfalls rund 2 % nehmen Böden auf pleistozänen Terrassen und Schwemmsedimenten ein. Die Kolluvien und Auensedimente der Mulden und Täler haben zusammen einen Flächenanteil von 19 % und die Moorflächen beanspruchen noch 0,8 % der Gesamtfläche außerhalb der besiedelten Bereiche.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 1,40 m tief.
Mäßig tief entwickelter Braunerde-Pelosol aus geringmächtiger lösslehmhaltiger Fließerde über Tonfließerde aus Material der Opalinuston-Formation

Pelosole gelten wegen ihres hohen Tongehalts, der besonderen Gefügedynamik und der oft hohen Lagerungsdichte als schwer zu bearbeitende Böden. Eine angepasste Bodenbearbeitung ist nur während eines bestimmten Durchfeuchtungsgrades möglich. Man spricht deshalb auch von Minutenböden. Die Pflanzenwurzeln wachsen bevorzugt in den Klüften zwischen den groben, schwer durchwurzelbaren Bodenaggregaten. Feine Wurzeln können beim Quellen und Schrumpfen leicht abreißen. Die Wasserversorgung wird zudem durch den hohen Totwasseranteil erschwert. Durch starke Kapillarkräfte steht das Bodenwasser in den Feinporen den Pflanzen nicht zur Verfügung. Besonders die Tonböden in abzugsträgen Flachlagen und Mulden, die oft auch noch eine geringmächtige tonärmere und wasserdurchlässige Deckschicht besitzen, neigen bei langen Nassphasen im Frühjahr zu Staunässe (Pseudogley-Pelosole h13, h38, h66). Im Sommer können sie stark austrocknen. Aus diesen Gründen werden sie bevorzugt als Grünland genutzt. Als Waldstandort sind sie wegen der Windwurfgefahr am ehesten für Tiefwurzler wie die Tanne geeignet.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
Humoser Pelosol-Pseudogley aus geringmächtigen holozänen Abschwemmmassen über tonreicher Fließerde aus Material der Grabfeld-Formation (Gipskeuper)

Etwa 2,5 % der Fläche der Ton‑/Mergelstein-Landschaft wird von Stauwasserböden (Pseudogleye und Pelosol-Pseudogleye) eingenommen (h45, h21, h44, h13, h66, h46). Während langer Nassphasen im Frühjahr leiden die Standorte unter Luftarmut. In sommerlichen Trockenperioden können sie stark austrocknen. Wegen ihres unausgeglichenen Wasserhaushalts, der schlechten Durchwurzelbarkeit und Windwurfgefährdung gelten sie für die land‑ und forstwirtschaftliche Nutzung als ungünstige Böden. Am ehesten sind diese Böden für die Grünlandnutzung geeignet. Durch Entwässerungsmaßnahmen wurden in der Vergangenheit Grünlandflächen mit wechselfeuchten bis nassen Tonböden dem Ackerbau zugänglich gemacht, was wegen der negativen ökologischen Folgen (Gewässereutrophierung, Ertragsrückgang in Trockenperioden, Hochwassergefahr, Rückgang der Artenvielfalt etc.) als problematisch anzusehen ist.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das drei Horizonte umfassende, im oberen Drittel sehr dunkle Profil ist 85 cm tief.
Braunerde-Rendzina (h4) aus geringmächtiger lösslehmhaltiger Fließerde über Hangschutt auf Trigonodusdolomit (Rottweil-Formation, Oberer Muschelkalk)

Äußerst ungünstige Eigenschaften haben dagegen die Böden der extrem flachgründigen und steinigen Kuppen und Hochflächenränder. Besonders früher beweidete Flächen auf Dolomitstein und Dolomitmergelstein weisen Humusstörungen auf und sind nach Seger (1967) für die Forstwirtschaft problematische Standorte. Oftmals handelt es sich aber um wertvolle Biotope für seltene Pflanzenarten. Dasselbe gilt für die Extremstandorte auf Schutthalden und Felsen der steilen Muschelkalktalhänge. Die an den bewaldeten Muschelkalkhängen (h4) vorherrschenden Rendzinen aus Hangschutt besitzen dagegen ähnliche Eigenschaften wie die Böden der Hochflächen. Der jährlich anfallende Streuabfall wird durch die hohe biologische Aktivität der nicht versauerten Böden rasch umgesetzt (Mull-Humusform) und die Nährstoffe dem Waldstandort wieder zur Verfügung gestellt. Der guten Nährstoffversorgung steht aufgrund der Flachgründigkeit der Böden vor allem an Sonnhängen eine schlechte Wasserversorgung im Sommer gegenüber.

Im Vergleich zu den Rendzinen nehmen die aus dem tonigen Kalklösungsrückstand bestehenden Terrae fuscae nur eine geringe Fläche ein. Ihre Eigenschaften hängen von der Entwicklungstiefe und dem Vorhandensein von Resten einer lösslehmhaltigen Deckschicht ab. Aufgrund des kleinpolyedrischen Bodengefüges ist die Terra fusca trotz des hohen Tongehalts gut wasserdurchlässig und neigt i. A. nicht zu Staunässe. Meist wurden diese Böden in Kartiereinheit (KE) h20 zusammengefasst und ihre nutzbare Feldkapazität als gering bis mittel und die KAK als mittel bis hoch eingestuft. Die besten Eigenschaften haben die in Flachlagen und Mulden des Alb-Wutach-Gebiets vorkommenden Terra fusca-Parabraunerden (h19), bei denen der Rückstandston noch von wenigen Dezimetern lösslehmhaltigem Substrat überlagert wird (nFK mittel, KAK hoch). Die Eigenschaften der Böden mit noch mächtigeren lösslehmreichen Deckschichten (h18) werden weiter unten beschrieben.

Eigenschaften der Böden aus lösslehmreichen Fließerden und geringmächtigem Lösslehm

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das sechs Horizonte umfassende, am Grund steinige Profil ist 1 m tief.
Parabraunerde aus lösslehmreichen Fließerden über Kalkstein des Oberen Muschelkalks (h18)

Auf den Gäuplatten der Baar (Muschelkalk‑ und Lettenkeupergebiet), auf den Stufenflächen und an schwach geneigten Osthängen der Unterjura‑ und Mitteljuralandschaft der Baar sowie im Übergang zum Klettgau finden sich immer wieder kleinflächig Decken aus lösslehmreichen Fließerden oder Lösslehm, die z. T. Mächtigkeiten von über 1 m aufweisen. Die vorherrschenden Parabraunerden (h17, h18, h73, h74) gehören wegen ihrer Tiefgründigkeit, ihrem teilweise günstigen Wasser‑, Luft‑ und Nährstoffhaushalt und ihrer guten Bearbeitbarkeit zu den besten Böden der Bodengroßlandschaft. Die schluffreichen Oberböden (Ap‑/Al-Horizonte) sind stark erosionsgefährdet, neigen zu Verschlämmung und Verkrustung und sind verdichtungsempfindlich. Meist sind die Al-Horizonte unter landwirtschaftlicher Nutzung bereits vollständig abgetragen bzw. im Ap-Horizont aufgearbeitet. Im Mittleren Muschelkalk, im Lettenkeuper‑ oder Unterjuragebiet, wo der Lösslehm von dichtem, tonigem Material unterlagert wird, sind auch Pseudogley-Parabraunerden verbreitet, die Anzeichen von zeitweiliger Staunässe bzw. Luftmangel aufweisen.

Eigenschaften der Böden aus holozänen Abschwemmmassen und Auensedimenten und Eigenschaften der Moore

Das Bild zeigt eine Baugrube mit der Profilwand des aufgegrabenen Bodens. Die obere Schicht - rechts höher als links - ist dunkelbraun und steinfrei. Die mittlere und untere Schicht ist gelblich braun, rissig und mit groben Steinen durchsetzt.
Kolluvium aus holozänen Abschwemmmassen auf Arietenkalk im Unterjuragebiet bei Hüfingen-Sumpfohren

Rund 13 % der Fläche auf der Baar und im Alb-Wutach-Gebiet werden von Kolluvien in Muldentälern und Hangfußlagen eingenommen. Die Eigenschaften der Böden hängen stark von Bodenart, Mächtigkeit und Skelettgehalt der Abschwemmmassen sowie vom Ausmaß des Grund‑ oder Stauwassereinflusses ab.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das drei Horizonte umfassende Profil ist 70 cm tief.
Kalkhaltiger Brauner Auenboden aus Auenlehm und -sand über Kies (h121)

Auch die Eigenschaften der Auenböden hängen stark vom Substrat der Auensedimente und vom Ausmaß des Grundwassereinflusses ab. Die Auensedimente der Wutach sind wie diejenigen in den Tälern anderer Gäulandschaften karbonathaltig, besitzen aber im Gegensatz zu diesen einen z. T. hohen, aus dem Schwarzwald stammenden Sandanteil und stark schwankende, stellenweise nur geringe Mächtigkeiten, was auf das große Gefälle und die aktive Flussdynamik zurückzuführen ist. Die größte Verbreitung im unteren Wutachtal hat KE h121. Es dominieren mittel tiefe bis tiefe kalkhaltige Braune Auenböden (Vegen), die nur stellenweise Grundwassereinfluss im tieferen Unterboden aufweisen und deren nFK und KAK als gering bis mittel einzustufen ist.

Das Bild zeigt eine grüne Ebene, an die sich eine braun-grüne Senke anschließt. Dahinter zeigt sich ein Streifen von Gebüsch und Bäumen, ehe eine wieder ansteigende Ackerlandschaft folgt. Nebelschwaden verhüllen im Hintergrund aufragende Höhenzüge.
Moorlandschaft im Naturschutzgebiet Birken-Mittelmeß bei Donaueschingen-Pfohren

Weite Bereiche der Niedermoore wurden teilweise entwässert und einer Grünlandnutzung zugeführt (h149, h150), mit der Folge, dass der Torf sich langsam zersetzt und vererdet. Durch die Mineralisierung der organischen Substanz werden dabei Kohlendioxid, Stickstoff‑ und Phosphatverbindungen freigesetzt. Wegen der hohen Wasserspeicherfähigkeit und der hohen Nährstoffvorräte bieten die Moorflächen gute Wachstumsbedingungen für die Nutzpflanzen. In den nässeren, naturnahen Mooren mit hochstehendem Grundwasser können nur spezialisierte Pflanzengesellschaften wurzeln. Sie werden von verschiedensten Vegetationstypen wie Seggenrieden oder Bruchwaldgebüsch eingenommen. Im Bereich trockengelegter, ehemaliger Torfstiche treten auch magere Trockenstandorte mit Heidekraut und Torfmagerrasen auf (Lutz, 2006, S. 115 f.). Die Oberböden der Moore sind unter Wald im stark sauren bis äußerst sauren Bereich. Eine Ausnahme sind die kalkhaltigen Niedermoore mit schwach alkalischer Bodenreaktion, die besonders in KE h151 abgegrenzt wurden. Äußerst saure nährstoffarme Standorte sind die Hochmoorbereiche im Plattenmoos bei VS-Tannheim (h152).

Literatur

  • Feuerstack, W. (1959). Bodenkundliche Kennzeichnung schwerer Böden zum Zwecke der Beurteilung ihrer Bewirtschaftungsunterschiede. – Diss. Univ. Hohenheim, 140 S., Stuttgart.
  • Lutz, P. (2006). Die Biotopkomplexe der Baar – eine vegetationskundliche und landschaftsökologische Übersicht. – Siegmund, A. (Hrsg.). Faszination Baar – Porträts aus Natur und Landschaft, S. 102–118, Donaueschingen.
  • Seger, E. (1967). Standortskartierung im Baarschwarzwald und in der Baar. – Mitt. Ver. forstl. Standortskde. Forstpflanzenzücht., 17, S. 52–68.
  • Zwölfer, F. (1967). Humusumwandlung in Pelosolen. – Diss. Univ. Hohenheim, 133 S., Stuttgart.