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Hochreine Kalksteine für Weiß- und Branntkalke

Verbreitungsgebiete: Östliche Schwäbische Alb, südliche Mittlere Alb, Westalb, südlicher Oberrhein

Erdgeschichtliche Einstufung: Oberjura (jo), Mitteljura (jm)

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Bild zeigt einen Bohrkern, aufgeteilt in mehrere nebeineinander liegende Kästen, aus beige-hellgrauem Kalkstein. Der Bohrkern ist etwas zerbrochen.
Korallen in beige-hellgrauem Kalkstein

3) Die massigen bis grobbankigen Korallen- und Splitterkalke der Korallenkalk-Formation des Oberjuras am südlichen Oberrhein kommen in Störungsschollen in der Vorbergzone zwischen Istein-Huttingen und Liel vor. Der sehr reine Splitterkalk kann Mächtigkeiten von 23–25 m erreichen. Der darunter liegende Korallenkalk ist bei Istein 40–42 m mächtig. Bedingt durch die intensive Tektonik am Grabenrand zeigen die Kalksteinkörper eine unregelmäßige Durchklüftung mit einhergehender Verkarstung, sowie mit der Bildung von Dolinen und Bohnerztonen.

Detailaufnahme eines beigen, massigen Gesteins mit zahlreichen, kreuz und quer verlaufenden, grauen Klüften. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.
Massiger Kalkstein mit zahlreichen Klüften

Petrographie

Nahaufnahme von hellgrauem Gestein mit wellenartigen, weißlichen und bräunlichen Einschlüssen. Ein blauschwarzer Kugelschreiber links zeigt die Größenverhältnisse an.
Schwamm-Mikroben-Kalkstein

Kalksteine bestehen vor allem aus dem Mineral Calcit (CaCO3). Sie enthalten i. d. R. Beimengungen von Dolomit, Quarz und Tonmineralen. Sehr helle, eisen- und tonarme Varietäten werden als Weißkalkstein bezeichnet. Während „normale“ Kalksteine mit guter Kornbindung aufgrund ihrer Festigkeit zur Rohstoffgruppe „Natursteine für den Verkehrswegebau, für Baustoffe und als Betonzuschlag“ (Hartgesteine) gerechnet werden, spricht man bei solchen mit mehr als 98,5 % Calciumkarbonat von „hochreinen Kalksteinen“, da sie aufgrund ihrer chemischen und mineralischen Reinheit verschiedenen hochwertigen Nutzungen in der Baustoff-, Papier-, chemischen Industrie usw. zugeführt werden können (s. Diagramm). Sind hochreine Kalksteine zusätzlich reinweiß, werden sie als Weißkalksteine bzw. Weißkalke bezeichnet.

Die Grafik zeigt anhand eines Baumdiagramms die Anwendungsgebiete von hochreinen Kalken.
Anwendungsgebiete von hochreinen Kalken

Verwendung:
A) Weiß- und Branntkalke
B) Körnungen für Baustoffindustrie (Putze, Mörtel, Terrazzo etc.)
C) Körnungen für Glasindustrie, Wasseraufbereitung, Futtermittelindustrie etc.
D) Mehle für chemische und sonstige weiterverarbeitende Industrie (Kunststoff, Farben, Lacke etc., Papierindustrie, Rauchgasentschwefelung)
E) Weißfeinkalk (gemahlener gebrannter Kalkstein), z. B. für Kalksandstein und Porenbetonstein oder zur Rauchgasentschwefelung
F) Weißkalkhydrat (pulvrig) z. B. für Baustoffindustrie (Putz- und Maurermörtel), z. T. als Kalkmilch (Weißkalkhydrat-Suspension) für Wasseraufbereitung.

  • Nahaufnahme von hellgrauem Gestein mit wellenartigen, weißlichen und bräunlichen Einschlüssen. Ein blauschwarzer Kugelschreiber links zeigt die Größenverhältnisse an.
  • Blick auf eine schön gestufte Abbauwand in einem Steinbruch. Das Gestein wird von oben (bräunlich) nach unten (hellbeige) immer heller. Über der Wand wächst Wald.
  • Das Bild zeigt einen Bohrkern, aufgeteilt in mehrere nebeineinander liegende Kästen, aus beige-hellgrauem Kalkstein. Der Bohrkern ist etwas zerbrochen.
  • Das Bild zeigt eine dreistufige, sehr hohe Abbauwand in einem Steinbruch. Das anstehende Gestein ist beige mit bräunlichen und weißlichen Bereichen. Mittig vor der Wand steht ein Abbaufahrzeug.
  • Nahaufnahme von grauem Gestein mit dunkleren, bogenförmigen Einschlüssen. Ein Kugelschreiber im oberen Bildteil zeigt die Größenverhältnisse an.
  • Blick von der Seite auf eine Abbauwand aus gebankten, bräunlich-beigen Gesteinen. Im Hintergrund befindet sich Wald.
  • Detailaufnahme eines weißen Gesteins mit konzentrisch-schaligen Ooiden (kleine Kügelchen). Links oben in der Ecke ist ein rostbrauner Fleck. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.
  • Detailaufnahme eines beigen, massigen Gesteins mit zahlreichen, kreuz und quer verlaufenden, grauen Klüften. Rechts unten befindet sich ein Maßstab.
  • Blick nach oben auf eine Gesteinswand eines alten Steinbruchs. Das anstehende Gestein ist rötlich-braun und konglomeratisch mit vielen Geröllen. Über der Wand wachsen Büsche und Bäume.
  • Das Bild zeigt eine Wechselfolge aus Geröllen unterschiedlicher Größe in einem Konglomerat. Das Gestein ist gelblich-beige bis grau. Am linken Bildrand befindet sich ein Maßstab.
  • Das Bild zeigt einen orangenen Bagger und ein Transportfahrzeug vor einer Abbauwand in einem Steinbruch. Der Bagger lädt gerade Material auf das Fahrzeug.
  • Blick von seitlich oben in einen Steinbruch, in welchem gelbliches Gestein auf mehren Stufen abgebaut wird. Das Gestein leuchtet in der tiefstehenden Sonne, die vordere Hälfte des Steinbruchs liegt im Schatten.
  • Blick von schräg oben in einen Steinbruch. Das anstehende Gestein ist gelblich-beige. Die Höhe der Abbauwand nimmt von links nach rechts ab, im rechten Teil wächst Wald über der Wand. Im Vordergrund des Bildes liegt Geröll.

Literatur

  • Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011). Geologie von Baden-Württemberg. 5. Aufl., 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
  • Kimmig, B., Werner, W. & Aigner, T. (2001). Hochreine Kalksteine im Oberjura der Schwäbischen Alb – Zusammensetzung, Verbreitung, Einsatzmöglichkeiten. – BGR (Hrsg.). Z. angew. Geow., 47, S. 101–108.
  • Koch, R. (1994). Mittlere Schwäbische Alb (Blautal-Geislingen): Neue Interpretation der Massenkalke. – 146. Jahrestagung DGG „Beckenbildung und -inversion in Europa; Endogene und Exogene Faktoren. 30 S., Heidelberg. [Exkursionsführer]
  • Koch, R., Senowbari-Daryan, B. & Strauss, H. (1994). The Late Jurassic “Massenkalk Fazies” of Southern Germany: Calcareous sand piles rather than organic reefs. – Facies, 31, S. 179–208.
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2006). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006 – Gewinnung, Verbrauch und Sicherung von mineralischen Rohstoffen. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Hrsg.). LGRB-Informationen, 18, S. 1–202.
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2013). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2012/2013: Bedarf, Gewinnung und Sicherung von mineralischen Rohstoffen – Dritter Landesrohstoffbericht. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Hrsg.). LGRB-Informationen, 27, S. 1–204.