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Bodeneigenschaften

Die Bodeneigenschaften sind zunächst stark vom Ausgangsgestein abhängig. Etwa 41 % der Bodengroßlandschaft (BGL) werden von Böden aus Karbonatgestein eingenommen. Auf 16 % der Fläche sind Verwitterungsprodukte von Ton‑ und Mergelgesteinen einschließlich der daraus entstandenen Fließerden das Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Löss, Lösslehm und lösslehmreiche Deckschichten überdecken zusammen zu ca. 29 % das Gebiet. Die Kolluvien und Auensedimente der Mulden und Täler nehmen insgesamt 13 % der Fläche ein. Sandsteine, Terrassensedimente und Flugsande spielen flächenmäßig nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das links steinführende Profil ist etwa 80 cm tief.
Braunerde-Terra fusca auf Oberem Muschelkalk (i50)

Die obersten 2–3 dm der Bodenprofile in KE i24 sind örtlich noch im Rest einer lösslehmhaltigen Deckschicht (Decklage) entwickelt, die andernorts durch Bodenerosion abgetragen wurde. Die Eigenschaften der Böden sind neben der Gründigkeit und dem Steingehalt besonders auch von dieser Deckschicht abhängig. Ist sie vorhanden, dann ist der Wasser- und Lufthaushalt sowie die Durchwurzelbarkeit als günstiger einzustufen. Am ehesten ist eine geringmächtige Decklage noch unter Wald ausgeprägt. Dort sind dann die Oberböden oft entkalkt und schwach bis stark sauer, während die Böden unter Ackernutzung überwiegend bereits an der Oberfläche karbonathaltig sind. Terrae fuscae und zweischichtige Braunerde-Terrae fuscae in meist bewaldeten Flachlagen konnten oft auch als eigene Kartiereinheit ausgewiesen werden (i50). Eine ähnliche, im Unteren und Mittleren Muschelkalk vorkommende Bodengesellschaft wird in KE i51 beschrieben. Seltener treten Braunerde-Terrae fuscae mit ähnlichen Eigenschaften auch an bewaldeten Schatthängen des Baulands auf (i28).

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende, graubraune Profil ist etwa 60 cm tief.
Sehr flach entwickelte Rendzina aus Kalksteinzersatz des Unteren Muschelkalks (i8)

Auf den hügeligen Gäuflächen wurden auch Kartiereinheiten ausgewiesen, in denen die Rendzina auf Karbonatgestein den Leitbodentyp darstellt. Sie kommen meist kleinflächig in exponierten Lagen im Oberen Muschelkalk vor (i3). Im nordöstlichen Tauberland sind sie auf den Vorkommen des Quaderkalks verbreitet (i5). Größere Ausdehnung besitzen die Rendzinen auf den Hügelrücken und Riedeln im Gebiet des Unteren und Mittleren Muschelkalks. Dort sind sie oft mit Terra fusca-Rendzinen und Pararendzinen vergesellschaftet (i8, i7). Es handelt sich um flachgründige, zu Trockenheit neigende, stark steinige Böden, die nur eine sehr geringe bis geringe nutzbare Feldkapazität (nFK) besitzen. Die Rendzinen auf Dolomitgestein des Mittleren Muschelkalks (i7) unterscheiden sich durch ihre häufig schluffreichen Oberböden von den Kalkstein-Rendzinen. Das schluffig-lehmige Feinmaterial im Gesteinszersatz und in steinigen Fließerden bietet etwas mehr Wurzelraum, als er bei Rendzinen auf hartem Kalkstein gegeben ist. Am ungünstigsten sind die Bodeneigenschaften bei den in KE i2 abgegrenzten flach und sehr flach entwickelten Rendzinen auf Unterem Muschelkalk. Bei den örtlich in ebenen, meist bewaldeten Scheitellagen vorkommenden Böden steht meist bereits in 1–3 dm Tiefe harter Kalkstein an (Wellenkalk, Schaumkalkbänke).

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Blick auf ein links besiedeltes Tal mit zwei zu den Seiten hin aufsteigenden, größtenteils bewaldeten Hängen. Im Vordergrund, zum Betrachter hin, erstrecken sich Gehölzstreifen und Grünflächen.
Blick ins Taubertal oberhalb von Creglingen-Archshofen

Auch die Hänge mit Gesteinsschutt aus Material des Oberen Muschelkalks wurden früher in weiten Bereichen weinbaulich genutzt, wovon die zahlreichen die Hänge hinabziehenden Steinriegel zeugen. Die mit KE i6 abgegrenzten Hangbereiche sind i. d. R. nicht so steil wie diejenigen im Unteren Muschelkalk (i4). Die Hangschuttdecken sind mächtiger und besitzen oft auch einen höheren Feinbodenanteil. Neben steinigen Rendzinen mit sehr geringer nFK kommen oft auch Pelosol-Rendzinen, steinige Pararendzinen und Rigosole vor, die ein etwas höheres Wasserspeichervermögen besitzen. Als Folge der Erosion sind die Böden meist bereits an der Oberfläche karbonathaltig. In einigen bewaldeten, v. a. im Bauland gelegenen Hangabschnitten, finden sich auch Böden, deren oberste 1–3 dm in einer entkalkten lösslehmhaltigen Deckschicht (Decklage) entwickelt sind (i9, Braunerde-Rendzina). In mächtigen steinigen Hangschuttdecken können Waldbäume durch ihre Fähigkeit, auch in grobem Substrat tief zu wurzeln, das geringe Wasserspeichervermögen etwas ausgleichen und haben somit bessere Wachstumsbedingungen als auf flachgründigen Böden der Hochflächen.

Eigenschaften der Böden auf Ton- und Mergelgestein

Das Bild zeigt eine dicht bewachsene, an der Sohle grasige Wand eines Steinbruches. Auf eine dünne Schicht graugelben Gesteins folgt dabei höher liegendes, gelblich braunes Material.
Lettenkeupergesteine bei Wittighausen-Vilchband

Abgesehen von den oben beschriebenen, im Karbonatgesteinsgebiet des Muschelkalks immer wieder vorkommenden Verwitterungsprodukten aus Tonmergelstein werden weitere 17 % der Bodengroßlandschaft von Pararendzinen und Pelosolen eingenommen, die sich auf tonig-mergeligen Substraten des Muschelkalks oder des Lettenkeupers (Unterkeuper, Erfurt-Formation) entwickelt haben (i11, i22, i23, i27, i12, i21 usw.). Im Lettenkeupergebiet ist zu berücksichtigen, dass mit dem kleinräumigen Gesteinswechsel auch die Böden und damit die Bodeneigenschaften engräumig wechseln können. So treten neben schweren Tonböden kleinflächig immer wieder auch flachgründige, steinige Böden auf Dolomitstein oder sandige Böden auf Sandstein auf.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 60 cm tief.
Pelosol-Pararendzina aus steiniger Fließerde (i12)

Etwas günstigere bodenphysikalische Eigenschaften als die Pelosole haben die oft ackerbaulich genutzten Pararendzinen (i11, i13, i15). Sie sind besser durchwurzelbar und eher wasserdurchlässig. Wegen des häufig hohen Skelettgehalts und des oft oberhalb 1 m u. Fl. anstehenden Festgesteins liegt ihre nFK wie bei den Pelosolen meist im geringen bis mittleren Bereich. Bei hohem Steingehalt oder geringmächtigem Solum ist die nFK teilweise auch nur als sehr gering einzustufen. Häufiger ist dies bei den Kartiereinheiten i12 und i14 im Gebiet des Unteren Muschelkalks der Fall.

Den schwierigen Wasser‑ und Luftverhältnissen der Pelosole stehen bessere bodenchemische Eigenschaften wie etwa eine mittlere bis sehr hohe Kationenaustauschkapazität (KAK) gegenüber. Die Pararendzinen sind häufig bereits an der Oberfläche kalkhaltig, während die Pelosole und Pseudogley-Pelosole i. d. R. im Oberboden entkalkt und zumindest unter Wald mehr oder weniger stark versauert sind.

Eigenschaften der Böden aus Löss und Lösslehm

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
Parabraunerde aus Löss (i31)

Parabraunerden aus Löss und Lösslehm (i30, i33, i31, i34, i32) sind tiefgründige, gut durchwurzelbare, steinfreie Lehmböden mit günstigem Wasser‑, Luft‑ und Nährstoffhaushalt. Sie zählen zu den besten Böden des Landes. Stellenweise weisen sie in Flachlagen und Mulden leichten Staunässeeinfluss auf. Die nFK und KAK sind als hoch bis sehr hoch einzustufen. Die schluffreichen Oberböden (Ap‑/Al‑Horizonte) sind stark erosionsgefährdet, neigen zu Verschlämmung sowie Verkrustung und sind verdichtungsempfindlich. Meist sind die Al-Horizonte unter landwirtschaftlicher Nutzung stark verkürzt bzw. im Ap‑Horizont aufgearbeitet oder vollständig abgetragen.

Das Bild zeigt verschiedene, im Vordergrund flache, im Mittelgrund wellige Ackerflächen. Im Hintergrund schließen sich bewaldete Hänge an.
Flachhügelige Gäulandschaft im Tauberland nordöstlich von Tauberbischofsheim

Wo die Parabraunerden im Lössgebiet des nordöstlichen Tauberlands völlig erodiert wurden sind Pararendzinen verbreitet (i16). Als Ackerböden haben sie ähnlich gute Eigenschaften wie die Parabraunerden. Auf Kuppen und an Oberhängen neigen sie im Sommer allerdings schnell zur Austrocknung und sind aufgrund des hohen Schluffgehalts und der strukturschwachen Oberböden erosionsanfällig. Außerdem schränkt der hohe Kalkgehalt die Nährstoffverfügbarkeit ein.

Profilaufnahme eines Steinbruches unter einem Getreidefeld. Gut sind mehrere unterschiedlich gefärbte, waagrecht verlaufende Boden- und Gesteinsschichten erkennbar.
Lössbodenprofil bei Grünsfeld-Krensheim

Eigenschaften der Böden aus löss- und lösslehmreichen Deckschichten

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 70 cm tief.
Erodierte Terra fusca-Parabraunerde nordöstlich von Hardheim (i42)

Im Gebiet des Oberen Muschelkalks sind in Flachlagen und an nord- bis ostexponierten Hängen oft Böden aus ca. 4–10 dm mächtigen lösslehmreichen Fließerden verbreitet. Es handelt sich um zwei- oder dreischichtige erodierte Parabraunerden, Terra fusca-Parabraunerden, Pelosol-Parabraunerde usw., die in KE i38 zusammengefasst wurden. Oft besitzen sie einen sehr geringen bis mittleren Skelettgehalt und werden von steinigen Tonfließerden und Festgesteinszersatz unterlagert. Hinsichtlich ihrer Bodeneigenschaften sind sie in vielerlei Hinsicht mit den oben beschriebenen Parabraunerden aus Lösslehm vergleichbar. Wegen des eingeschränkteren Wurzelraums wurden die nFK und KAK für diese Böden jedoch nur als mittel bis hoch angegeben. Entsprechende Böden mit ähnlichen Eigenschaften finden sich auch im Lettenkeupergebiet (i41) sowie im Verbreitungsgebiet des Unteren und Mittleren Muschelkalks (i42, i37). Wegen der dichtgelagerten Tonfließerde im Untergrund treten besonders in KE i41 begleitend immer wieder auch Böden mit deutlichen Staunässemerkmalen auf. Wo diese den Standort dominieren, wurden für die vorkommenden Pseudogley-Parabraunerden und Parabraunerde-Pseudogleye eigene Kartiereinheiten ausgewiesen (i58, i47, i43, i49, i44).

Eigenschaften der Böden aus holozänen Abschwemmmassen und Auensedimenten

Ein nach rechts geneigter, gewellter brauner Acker breitet sich im Vordergrund aus. Im Hintergrund sind begrünte Flächen zu sehen; links zudem Gehölz. Rechts folgt ein flacher, bewaldeter Hügel.
Das Bauland nordwestlich von Adelsheim

Bei rund 10 % der Fläche im Bau- und Tauberland handelt es sich um kolluviale Böden in Muldentälern und Hangfußlagen. Ihre Eigenschaften hängen stark von Bodenart, Mächtigkeit und Skelettgehalt der Abschwemmmassen sowie vom Ausmaß des Grund‑ oder Stauwassereinflusses ab. In der Mehrzahl handelt es sich um tiefe Kolluvien, die überwiegend aus steinarmem bis steinfreiem, abgeschwemmtem Bodenmaterial bestehen, das auch im Unterboden schwach humos ist. Meist handelt es sich um schluffig-lehmige löss‑ bzw. lösslehmbürtige Substrate. Entsprechend besitzen sie eine hohe bis sehr hohe nFK und KAK. Zusammen mit den Parabraunerden aus Löss und Lösslehm gehören sie, was die landbauliche Eignung betrifft, zu den besten Böden in der Bodengroßlandschaft (i65, i62, i63). Auch die eher geringmächtigen Kolluvien der Lösslandschaft, die über Parabraunerden oder Tschernosem-Parabraunerden lagern, sind hier zu nennen (i71).

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Das von rötlich braun in der oberen Hälfte zu graubraun wechselnde Profil ist über 1,20 m tief.
Pseudogley-Kolluvium über Pelosol-Pseudogley (i73)

Im Lettenkeupergebiet liegen die schluffig-lehmigen Abschwemmmassen oft über dichten, schwer wasserdurchlässigen Tonfließerden, was zu zeitweiliger Staunässe in den Böden führen kann (Pseudogley-Kolluvium, i70, i73). Auch in dem von Lösslehm bedeckten Muschelkalkgebiet des Baulands haben die Böden der Muldentäler örtlich eine geringe Wasserdurchlässigkeit, da die Abschwemmmassen von dichtgelagertem Lösslehm oder Fließerden unterlagert werden (pseudovergleytes Kolluvium, i67).

Das Bild zeigt eine bräunlich grüne Grasfläche mit vereinzeltem Buschwerk. Im Hintergrund versteckt sich eine Siedlung hinter Bäumen.
Kleinflächiger, stärker vernässter Auenabschnitt am Hiffelbach bei Buchen-Bödigheim (Auengley, i92)

In anderen Fluss- und Bachtälern des Baulands weisen die Auenböden häufiger Grundwassermerkmale im Unterboden auf und sind je nach Einzugsgebiet örtlich auch karbonatfrei (i81, i82, i83, i87, i88; Brauner Auenboden mit Vergleyung im nahen Untergrund, Auengley-Brauner Auenboden, Brauner Auenboden-Auengley). Böden aus tonreicheren Auensedimenten im Bauland sind durch eine sehr hohe KAK gekennzeichnet (i86, i90). In den schwer wasserdurchlässigen, tonreichen Sedimenten am Oberlauf der Erfa bei Ahorn-Buch war neben Grundwassereinfluss auch zeitweilige Staunässe festzustellen (Auenpseudogley-Auengley, i94). Stärker vernässte, durch hoch anstehendes Grundwasser geprägte Auenabschnitte sind selten und nehmen nur wenig Fläche ein. Sie werden in den Kartiereinheiten i91, i92, i93 und i101 beschrieben (Auengley, Nassgley).