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Bodeneigenschaften

Das Bild zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil unter Wald. Das Profil ist durch eine beschriftete Kreidetafel als Musterprofil des LGRB ausgewiesen. Das hellbraune Profil ist 75 cm tief.
Mittel tief entwickelte Braunerde aus Sandstein führender, lösslehmhaltiger Fließerde (Decklage) über Zersatz des Rötquarzits (D81)

Mittel bis mäßig tiefgründige, oft steinige Braunerden auf Plattensandstein oder Rötquarzit nehmen auf den Hochflächen des Oberen Buntsandsteins relativ wenig Fläche ein (D81, D97, D98). Meist kommen sie unter Wald vor und sind stellenweise schwach podsolig. Ihre nutzbare Feldkapazität (nFK) ist überwiegend nur gering. Eine größere Verbreitung haben tiefgründige Braunerden mit Übergängen zur Parabraunerde aus mehrschichtigen Substraten (Deck- über Mittel- auf Basislage). Die Braunerde-Parabraunerden der zentralen Hochflächenbereiche (D33) werden oft auch ackerbaulich genutzt. Der Steingehalt der 6–9 dm mächtigen lösslehmhaltigen Deckschichten liegt meist im mittleren Bereich. Die nFK dieser Böden ist als gering bis mittel, die Kationenaustauschkapazität (KAK) als mittel bis hoch einzustufen. Ähnliche Böden an den Hochflächenrändern (D94) haben einen höheren Stein- und Sandgehalt und werden überwiegend waldbaulich genutzt. Nachteilig wirkt sich die verbreitet vorhandene tonige Basislage im Unterboden für die Wasserdurchlässigkeit und Durchwurzelbarkeit aus, was zur Folge hat, dass in den Flachlagen oft auch stark entwickelte, unter Wald podsolierte Pseudogleye (D123) auftreten. Diese über lange Zeit des Jahres durch Staunässe bzw. Luftmangel und eingeschränkte Durchwurzelbarkeit des Unterbodens gekennzeichneten Böden sind stark windwurfgefährdet und außerhalb des Waldes nur durch Grünland nutzbar. Pseudogleye mit ähnlichen Eigenschaften sind auch in den vielen flachen Mulden verbreitet, wo sie örtlich noch stärker vernässt sind und Übergänge zu Gleyen oder Stagnogleyen aufweisen (D122, D125). Generell sind besonders die flachwurzelnden Fichtenbestände auf den Zweischichtböden mit zunehmendem Staunässeeinfluss vermehrt sturmanfällig. Bei den Sturmwurfereignissen 1990 waren in den ebenen und schwach geneigten Lagen im Hinteren Odenwald hohe Sturmschäden zu verzeichnen (Schreiner et al., 1996).

Auf einem von rechts nach links abfallenden Waldhang liegen zahlreiche größere Steinblöcke eng auf- und nebeneinander.
Blockstrom („Felsenmeer“) auf der Nordseite des Königstuhls bei Heidelberg

Die für den Waldbau schwierigen Hanglagen mit Blockströmen und Steinschuttböden (D1, D2, Skeletthumusboden, Regosol, Ranker) sind Standorte für seltene spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und somit von großer Bedeutung für den Naturschutz. Die flachgründigen Böden verfügen nur über eine sehr geringe bis geringe nFK und KAK, zudem erschwert die Blockbedeckung die Bewirtschaftung. Allerdings zeigt das teilweise gute Wachstum der zwischen Sandsteinblöcken stehenden Bäume, dass häufig unter den Blockansammlungen noch Wurzelraum bietende Schuttdecken mit mineralischem Feinboden liegen.

Blick auf kreuz und quer übereinanderliegende, umgestürzte Baumstämme und abgeknickte Äste an einem Hang. Im Hintergrund stehen noch einzelne Bäume.
Sturmschäden im Hinteren Odenwald 1990

In den weit verbreiteten Flachlagen im Hinteren Odenwald führt die dichtgelagerte tonreiche Basislage im tieferen Unterboden der Dreischichtböden zu zeitweiliger Staunässe, so dass Pseudogley-Parabraunerden dort einen hohen Flächenanteil haben (D113, D145, z. T. D23). Während niederschlagsreicher Perioden kann es bei diesen Böden aufgrund der geringen Wasserdurchlässigkeit zu Einschränkungen im Lufthaushalt und Problemen bei der Bodenbearbeitung kommen. Wo die Staunässe am stärksten ausgeprägt ist, sind Pseudogleye und Parabraunerde-Pseudogleye verbreitet (D60, D87). Die staunassen Dreischichtböden sind in bewaldeten Flachlagen und Mulden äußerst windwurfgefährdete Standorte. Im niederschlagsarmen Nordosten der Bodengroßlandschaft kann sich der stauende Untergrund jedoch, sofern die durchlässigen Deckschichten mächtig genug sind, in trockenen Jahren auch positiv für die Wasserversorgung der landwirtschaftlichen Kulturen auswirken (Müller, S. in Freudenberger, 1990). Das gilt besonders für die dort verbreiteten Kartiereinheiten D23 und D87.

Das Bild zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Profil ist durch eine beschriftete Kreidetafel als Musterprofil des LGRB ausgewiesen. Das bräunlich graue Profil ist über 1 m tief.
Mäßig tief entwickelte pseudovergleyte Parabraunerde aus würmzeitlichem Löss bei Werbach-Gamburg (D109)

Im Bereich der Lössvorkommen an der Bergstraße sowie im Übergang zum Kraichgau und zum Tauberland wurden die Parabraunerden infolge der jahrhundertelangen ackerbaulichen oder weinbaulichen Nutzung vollständig erodiert. Der karbonathaltige Löss liegt dadurch heute an der Oberfläche und der vorherrschende Bodentyp ist die Pararendzina (D4, D92) oder, in Gebieten mit aktuellem oder ehemaligem Weinbau, der Pararendzina-Rigosol (D48). Sie haben ähnlich gute Eigenschaften wie die Parabraunerden, jedoch schränkt der hohe Kalkgehalt die Nährstoffverfügbarkeit ein. Da Pflanzenrückstände und organischer Dünger sehr schnell umgesetzt werden, sind die Oberböden z. T. nur schwach humos. Auf Kuppen und an Oberhängen neigen sie im Sommer schnell zur Austrocknung und sind aufgrund des hohen Schluffgehalts und der strukturschwachen Oberböden erosionsanfällig. Die Erosionsgefahr ist bei den Pararendzinen aus lössreichen Fließerden (D92) durch einen höheren Tongehalt und die Skelettbeimengung etwas geringer.

Literatur

  • Freudenberger, W. (1990). Erläuterungen zu Blatt 6223 Wertheim. – 3. Aufl., Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 147 S., 8 Taf., 7 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Schreiner, M., Aldinger, E. & Bantle, P. (1996). Standort und Sturmwurf 1990 – dargestellt am Östlichen Odenwald und Nordöstlichen Schwarzwald. – Mitteilungen des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung, 38, S. 27–36.