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Altmoränen-Hügelland

Üblicherweise werden die Glazialgebiete in Jungmoränenbereiche und die Altmoränengebiete gegliedert. Die Jungmoränenlandschaften wurden von den Eismassen der letzten Eiszeit geformt (Würmeiszeit), die im Bereich des Rheingletschers bis max. 60 km in das nördliche Vorland vorrückten und dort am Eisrand vor gut 20 000 Jahren den über weite Strecken markanten, örtlich durch den Gletscher gestauchten Aufschüttungswall der Äußeren Jungendmoräne hinterließen. An diesen schließt ein knapp 10 bis gut 20 km breiter Saum mit Altmoränen an, die zum großen Teil von den noch weiter ins Alpenvorland vorstoßenden Gletschern des mittelpleistozänen Rißeiszeiten-Komplexes gebildet wurden. Dieser umfasst den Zeitraum zwischen dem Ende des Holstein-Interglazials vor etwa 360 000 Jahren und dem Beginn der letzten Warmzeit (Eem- bzw. Riß-/Würm-Interglazial) vor knapp 130 000 Jahren.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Lage und Abgrenzung

Das zusammenhängende Altmoränengebiet umgibt die Jungmoränen sichelförmig. Es reicht vom Gebiet um Leutkirch im Südosten über die zentralen nördlichen Bereiche zwischen Biberach an der Riß und Pfullendorf bis in den westlichen Abschnitt um Meßkirch und zu den schon in Bodenseenähe liegenden Altmoränen nördlich von Stockach sowie im Bereich des Hegaus.

Blick von einem erhöht liegenden, mit jungem Grün bedeckten Acker auf weites grünes Hügelland mit vereinzelten Äckern, Waldstreifen und Siedlungen. Im fernen Hintergrund sind bewaldete Höhen erkennbar.
Blick auf das Altmoränenhügelland südlich des Bussens
Über eine flache grüne Wiesenlandschaft blickt man in ein tiefer gelegenes, von Wald eingerahmtes Moorgebiet. Im Hintergrund steigt das Gelände wieder an.
Blick aus nordöstlicher Richtung in das Becken von Bad Wurzach

Die Altmoränenlandschaft enthält einzelne größere Becken, die den Charakter von glazial übertieften Zungenbecken besitzen und nicht selten Teil größerer Beckenstrukturen sind, die sich im Untergrund erstrecken und als sog. Stammbecken den Gletscherströmen während mehrerer Eisvorstöße als Leitbahnen dienten. Bekannte Beispiele sind das Federseebecken bei Bad Buchau im mittleren Rheingletschergebiet und das Becken von Bad Wurzach in der östlichen Altmoränenlandschaft. Beide Becken wurden später von den Schmelzwässern des bis in ihre Nähe vorgerückten würmzeitlichen Gletschers erreicht und mit grob- und feinklastischen Ablagerungen aufgefüllt. Grundwasserstände nahe der Geländeoberfläche ließen hier während des Holozäns weitläufige Moorgebiete entstehen.

Das Bild zeigt einen hellbraunen Acker im Vordergrund, an den sich zur Bildmitte hin ein blühendes Sonnenblumenfeld und eine Grünfläche anschließen. Im dunstigen Hintergrund sind links bewaldete Bergrücken erkennbar.
Blick von der Altmoränenlandschaft bei Unlingen nach Südwesten ins Donautal und nach Hundersingen
Blick auf eine mit Löwenzahn bedeckte grüne Wiese, an deren hinterem Ende rechts ein Bauernhof steht. Links erhebt sich ein langezogener grüner Hügel, dessen Kuppe bewaldet ist.

Die weite Hohlform des Wurzacher Rieds bildete während der Rißeizeit ein sog. Zungenbecken, das von dem mächtigen Eis eines großen Gletscherstroms erfüllt war. Am Nordostende erreichte der Gletscher noch die höhere Umrahmung und hinterließ an seinem Rand wallartige Endmoränen.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.
  • Ellenberg, H. (1955). Wuchsklimakarte Baden-Württemberg 1 : 200 000. , Stuttgart (Reise- u. Verkehrsverl.).
  • Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (2012). Wasser- und Bodenatlas Baden-Württemberg. 4. erw. Ausg., Karlsruhe.