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Böden der Gäuflächen im Muschelkalk

Größtenteils wird der Untergrund der Kocher-Jagst- und Hohenloher-Haller-Ebene durch die Gesteine des Lettenkeupers gebildet. Muschelkalk tritt zumeist an den Talrändern oder im Bereich tektonischer Verstellungen entlang von Störungszonen auf. Eine Ausnahme bilden die zentral-östlichen Kocher-Jagst-Ebenen: Infolge der starken Hebung des Fränkischen Schildes und der Zerschneidung durch Kocher und Jagst steht hier der Obere Muschelkalk und untergeordnet auch der Mittlere Muschelkalk großflächig auf den in Riedel aufgelösten Hochflächen an. Dieses Gebiet kann wie folgt ungefähr kreisrund umgrenzt werden: Von Oberkessach im Nordwesten über eine Linie Bieringen–Künzelsau nach Südosten, dann weiter entlang einer Linie Künzelsau–Ailringen nach Nordosten. Die Landschaft ähnelt hier sehr stark dem Heckengäu-Typus des nördlich angrenzenden Bau- und Tauberlands.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Bodenprofil ist nur etwa 40 cm tief.
Flach entwickelter Pelosol aus toniger Muschelkalkfließerde bei Krautheim

Aufgrund der kleinräumig sehr stark wechselnden Anteile von Mergelstein- und Kalksteinverwitterungston im Feinboden sowie aufgrund von Unterschieden bei Steingehalt, Kalkgehalt und Entwicklungstiefe, werden große Flächen durch eine Sammeleinheit beschrieben (J1). Allgemein besteht diese Pararendzina-Rendzina-Einheit aus flachgründigen, steinigen Tonböden aus Verwitterungsrückständen von Kalk- und Tonmergelsteinen. Sie beinhaltet sowohl Pelosole als auch Terrae fuscae als Übergangstypen, wobei letztere zumeist eher untypisch ausgebildet sind. Oft treten unter landwirtschaftlicher Nutzung Böden auf, in denen der Rest einer lösslehmhaltigen Deckschicht (Decklage, entspr. Hauptlage in Ad-hoc-AG Boden, 2005, S. 180 f.) vollständig im Pflughorizont aufgearbeitet ist. Solche als Braune Rendzina angesprochene Böden besitzen im Vergleich zu Profilen mit vollständig erodierter Decklage einen schluffreichen, eher stein- und kalkarmen bis kalkfreien Oberboden. Bei Zweischicht-Böden unter Wald kann in dem geringmächtigen Rest der Decklage noch ein Bv-Horizont entwickelt sein, sodass sich dort zusätzlich auch Braunerden und Braunerde-Rendzinen bzw. Braunerde-Pararendzinen oder Braunerde-Pelosole bzw. Braunerde-Terrae fuscae finden.

In gewölbten Scheitelbereichen und talrandnahen Verebnungen kommen im Vergleich zu den großen „Heckengäu”-Landschaften nur untergeordnet und kleinflächig steinige Rendzinen und Braunerde-Rendzinen vor (J2).

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Bodenprofil ist 75 cm tief.
Mäßig tief entwickelte Terra fusca-Parabraunerde aus lösslehmreicher Fließerde über tonigem Kalksteinverwitterungsmaterial

Besonders in bewaldeten Gebieten sind häufig über der tonigen Basislage noch mehr als 3 dm mächtige lösslehmhaltige Fließerden (Deck- und teilweise auch Mittellage) vorhanden. Die entsprechenden zwei- bis dreischichtigen Böden werden als Pelosol-Braunerde oder Terra fusca-Braunerde bezeichnet. Die erosionsgeschützten Reliefpositionen mit Terrae fuscae sind gleichzeitig die Bereiche, in denen im Pleistozän bevorzugt Lösslehm abgelagert wurde bzw. erhalten geblieben ist. Weit häufiger als die Terrae fuscae treten daher mehrschichtige Böden aus Lösslehm und lösslehmreichen Fließerden über Rückstandston auf (erodierte Parabraunerde, Terra fusca-Parabraunerde, Pelosol-Parabraunerde; J3 und J4). Insbesondere die Parabraunerden aus Lösslehm (J4) finden sich schwerpunktmäßig in den westlichen Kocher-Jagst-Ebenen vor allem nördlich der Jagst, was mit den Lössablagerungsbedingungen zu tun hat.

In diesen Gebieten mit mächtigeren Vorkommen von Lösslehm und lösslehmreichen Fließerden kann der tonreichere Unterboden wasserstauend wirken und es können sich entsprechend Pseudogley-Parabraunerden entwickeln (J5).

Von einem hoch gelegenen Getreidefeld geht der Blick über eine weite, von Ackerflächen und Waldstreifen durchzogene Hochebene, die bis zum Horizont reicht. Links unterhalb des Feldes sind die Dächer einer Ortschaft erkennbar.
Blick von Südwesten über die Kocher-Jagst-Ebenen bei Dörzbach-Meßbach

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.