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Böden der Trauf- und Talhänge

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Bodenprofil ist etwa 60 cm tief.
Rendzina aus Hangschutt unter Buchenwald am Albtrauf (q7)

Die an den steilen, mittleren und oberen Stufenhängen der Schwäbischen Alb verbreiteten Böden werden v. a. in Kartiereinheit (KE) q7 beschrieben. Es handelt sich ganz überwiegend um typische Mull-Rendzinen aus Kalkstein-Hangschutt. Sie besitzen meist einen 15–40 cm mächtigen schwarzen, stark humosen, steinigen Ah‑Horizont. Die obersten Zentimeter sind häufig nur noch schwach karbonathaltig, örtlich auch karbonatfrei. Die aus dem Streuabfall der verbreiteten Buchenwälder stammende organische Substanz wird bei der hohen Kalknachlieferung zu stabilem Kalkhumat umgewandelt. Dieses und die wenigen Kalklösungsrückstände verkleben mit den feinkörnigen Resten des Karbonatschutts zu großen, stabilen, unregelmäßig geformten porösen Krümeln, die größtenteils aus Tierkot entstehen. Da es sich oft um junge Schuttdecken handelt, ist die Bodenbildung vielerorts nicht über das Rendzina-Stadium hinausgegangen. Nur in Hangabschnitten, die zur Ruhe gekommen sind und an denen im Holozän keine Massenverlagerungen mehr stattgefunden haben, finden sich örtlich auch Braunerde-Rendzinen und Terra fusca-Rendzinen. Der erhöhte Schluffgehalt in den Ah‑Horizonten lässt sich dort vermutlich auf Reste der jungtundrenzeitlichen, äolisch beeinflussten Decklage zurückführen.

Rechts im Bild ist die Kante eines Abhanges zu sehen, an dem sich noch Buchen festklammern. Teilweise wachsen die Stämme dabei schräg, oder sogar beinahe waagrecht.
Buchenwald an der Traufkante am Hirschkopf südlich von Mössingen

Im Bereich von Felsdurchragungen oder auf sehr jungen Schutthalden haben die Rendzinen oft Ah‑Horizonte von weniger als 15 cm Mächtigkeit und sind damit nur sehr flach entwickelt (q2). Sie sind mit flach und mittel tief entwickelten Rendzinen und mit noch flacheren, im Rohbodenstadium verharrenden Böden vergesellschaftet (Syrosem, Lockersyrosem, Felshumusboden, Skeletthumusboden). Ihr Verbreitungsgebiet zieht sich besonders entlang der von Felskränzen gekrönten, obersten Hangabschnitte am Trauf der Mittleren Alb. Die Entwicklungstiefe und die Eigenschaften der Böden hängen in diesen obersten Hangabschnitten meist unmittelbar mit der Mächtigkeit der Hangschuttdecken zusammen. Teilweise fehlen die Schuttdecken ganz oder sind nur wenige Dezimeter mächtig. An anderen Stellen besitzen sie eine Mächtigkeit von mehreren Metern.

Die aus großer Höhe gemachte Aufnahme zeigt in der rechten Hälfte eine Schafherde, die eine Heidelandschaft mit Hecken, Bäumen und kleineren verstreuten Felsen abweidet.
Naturschutzgebiet „Eichhalde“ bei Bissingen an der Teck

Wo an den Mittel- und Unterhängen der Kalksteinschutt dominiert, sind wiederum Rendzinen vorherrschend (q8). Oft sind die Schuttmassen infolge von Hangrutschungen entstanden. Teilweise sind sie nur geringmächtig und überlagern mergelige Substrate oder dünnen ganz aus. Entsprechend treten im z. T. kuppig-welligen Rutschungsrelief in KE q8 untergeordnet auch Pararendzinen auf. Bei vielen Großrutschungen sind komplette Kalksteinschollen abgeglitten, die heute an den Hängen breite, z. T. wellig-kuppige Hangverflachungen bilden und von Hangschutt bedeckt sind. Auch in diesen Bereichen dominieren Rendzinen (q8). Selten treten an den Hängen auch Terra fusca-artige Böden auf (Terhorst, 1997; Kallinich, 1999). Bei dem Rückstandston dürfte es sich meist um solifluidal oder durch Rutschereignisse verlagertes Material aus Klüften vom Hochflächenrand handeln.

Das Bild zeigt einen leicht nach rechts abfallenden, teilweise buckligen Waldboden mit sehr dicht stehenden, schlanken grauen Baumstämmen.
Flachbuckliges Rutschungsrelief mit Rendzina, Pararendzina und Pelosol (q8, q27) am Stufenhang der Mittleren Alb unterhalb des Raichbergs

In jungen Rutschungsgebieten, die meist ein sehr ausgeprägtes Kleinrelief mit Kuppen, Hohlformen und Verflachungen besitzen, liegt meist ein entsprechend kleinräumiger Bodenwechsel vor (q27). In tonreichen, mehr oder weniger stark Kalksteinschutt führenden Schuttmassen dominieren Pararendzinen mit Übergängen zum Pelosol. Untergeordnet treten Rendzinen aus Kalksteinschutt auf. In Hohlformen und Verflachungen finden sich grund‑ und stauwasserbeeinflusste Böden (Pseudogley, Gley, Kalkquellengley usw.). In manchen abflusslosen Hohlformen kommen sogar Niedermoore vor. Besonders große Verbreitung haben diese Rutschungshänge an den Stufenhängen im Raum Balingen, Hechingen und Mössingen.

Im Mittelgrund nach links und rechts ansteigende, steile bewaldete Hänge geben den Blick frei für weitere Hänge (mit Burg) und Höhenzüge (mit Felsen). Im Vordergrund befindet sich ein kleines Dorf mit Kirche.
Blick ins Tal der Großen Lauter nördlich von Hayingen-Indelhausen

Der größte Teil der Böden an den Hängen der überwiegend zur Donau gerichteten Täler wurde in KE q11 zusammengefasst. Wie am Albtrauf handelt es sich überwiegend um Rendzinen aus Hangschutt. Im Vergleich zu q7 sind die Hangneigungen im Durchschnitt aber geringer und es fehlt die starke Überprägung durch junge Massenverlagerungen. Aus diesem Grund treten vermehrt auch weiter entwickelte Böden wie Terra fusca-Rendzinen und Braunerde-Rendzinen auf. Die weniger steinigen, verbraunten Oberböden sind in der Regel in einem Rest der jungtundrenzeitlichen Decklage entwickelt. Andererseits treten aber häufig auch nur sehr flach entwickelte Rendzinen auf, die sicherlich häufig eine Folge der Bodenerosion durch Beweidung und andere menschliche Eingriffe sind. Auch im Bereich von Felsbildungen und jungen Schutthalden sind nur extrem flach entwickelte Böden verbreitet (Syrosem, Lockersyrosem, Syrosem-Rendzina, Felshumusboden, Skeletthumusboden). Wo diese an den Talhängen größere Flächen einnehmen, wurden sie in KE q3 abgegrenzt. Weite Verbreitung haben solche, oft an den Wacholderheiden zu erkennenden Hangabschnitte, wie z. B. im Lautertal zwischen Gomadingen und Lauterach. Überwiegend bewaldete, stark felsige Steilhänge, an denen neben sehr flach entwickelten Böden auch mittel tief entwickelte Rendzinen aus Hangschutt auftreten, werden in KE q4 beschrieben.

  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Bodenprofil ist 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Bodenprofil ist 45 cm tief.
  • Nahaufnahme eines sehr dunklen, aufgegrabenen Bodens unter Wald. Der Kopf einer Hacke dient als Größenvergleich.
  • Nahaufnahme eines Bodenprofils. Die Erde hat in der oberen Hälte einen dunkelbraunen, in der unteren Hälfte einen rötlich braunen Farbton.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil an einem Steilhang unter Wald. Ein Spaten dient als Größenvergleich.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Bodenprofil ist etwa 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das Bodenprofil ist über 80 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil an einem Steilhang. Das Profil ist über 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das mit einem großen, bemoosten Steinblock aufwartende Profil ist über 60 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Das sehr steinige Profil ist etwa 70 cm tief.

Literatur

  • Terhorst, B. (1997). Formenschatz, Alter und Ursachenkomplexe von Massenverlagerungen an der schwäbischen Juraschichtstufe unter besonderer Berücksichtigung von Boden und Deckschichtenentwicklung. Tübinger geowiss. Arb., D, 212 S., Tübingen.
  • Agsten, K. (1977). Zur Entwicklung und Vergesellschaftung der Böden in traufnahen Bereichen der westlichen Schwäbischen Alb (Balinger Berge) Geol. Jb., F5, S. 1–84.
  • Bibus, E. (1999). Vorzeitige, rezente und potentielle Massenbewegungen in SW-Deutschland – Synthese des Tübinger Beitrags zum MABIS-Projekt Tübinger geowiss. Arb., D 5, S. 1–57.
  • Kallinich, J. (1999). Verbreitung, Alter und geomorphologische Ursachen von Massenverlagerungen an der Schwäbischen Alb auf der Grundlage von Detail- und Übersichtskartierungen Tübinger geowiss. Arb., D4, S. 1–166, Tübingen.