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Molasse

Lithostratigraphische Gruppe

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Lithologie, Abgrenzung, Untereinheiten

Gesteinswand aus schwach verfestigtem, ockerfarbenem bis leicht rötlichem, in unterschiedlich mächtigen Bänken anstehendem Gestein.
Ziegeleigrube südwestlich von Mengen

Die Molasse Süddeutschlands wird im Rang von Untergruppen untergliedert in (von alt nach jung): Untere Meeresmolasse, Untere Brackwassermolasse, Untere Süßwassermolasse, Obere Meeresmolasse, Obere Brackwassermolasse, und schließlich Obere Süßwassermolasse, mit der die Sedimentation vor rund 5 Mio. Jahren endete (Doppler et al., 2005). Die Sedimente dokumentieren zwei große Ablagerungszyklen. Es beginnt mit marinen Bedingungen und endet mit der fluvial-limnischen Auffüllung des Ablagerungsraumes. Jeweils drei Untergruppen gehören zusammen, sie sind durch eine Schichtlücke (Hiatus) getrennt. Der Hauptabfluss durch das Becken und damit die Schüttungsrichtung war im ersten Ablagerungszyklus von Westen nach Osten gerichtet, im zweiten Zyklus kehrte er sich in Ost–West-Richtung um.

Insgesamt handelt es sich bei den Molassegesteinen um wenig verfestigte Sedimente aus dem Abtragungsschutt der Alpen. Mergelsteine und glimmerführende Sandsteine dominieren, randlich und als Rinnenfüllungen im zentralen Becken kommen gröbere Klastika dazu. Im nördlichen Randbereich des Molassebeckens sind häufig Süßwassermergel und Süßwasserkarbonate eingelagert. Die verkarstete Erosionstafel des Jura bildet überall den mesozoischen Untergrund.

Schutt und Schlamm, die von Bächen und Flüssen aus dem Gebirge in das Vorland mitgebracht wurden, lagerten sich im Molassebecken ab. Untergeordnet haben auch die Schwäbische Alb und die anderen, das Vorlandbecken begleitenden Mittelgebirge Sediment geliefert. Abhängig von den tektonischen Randbedingungen konnte zwei Mal das Meer in das süddeutsche Molassebecken eindringen. Meistens aber wurde so viel Material eingeschwemmt, dass das ganze Becken sozusagen gefüllt war und flache Fluss- und Schwemmlandschaften vorherrschten. Nach starken Regenfällen wurde viel grobes Material verlagert, in trockeneren Zeiten gelangte nur der feinste Staub bis in den Vorfluter, der heutzutage von der Donau, im Südwesten von Bodensee und Rhein gebildet wird. Die Molasselandschaft war insgesamt flach, es gab keine Berge, sondern weiträumige Niederungen mit Sümpfen, Wiesen und ausgedehnten Wäldern. Je nach Klima und Ort überwogen feuchte Lebensräume oder Steppen und Savannen. Andernorts, wo Flüsse die aufsteigenden Berge entwässerten, blieb das mitgebrachte grobe Geröll in teils mächtigen Schuttfächern liegen (Luterbacher, 1997).

Literatur

  • Cicha, I., Rögl, F., Rupp, C. & Ctyroka, J. (1998). Oligocene - Miocene foraminifera of the Central Paratethys. – Abh. Senckenberg.Naturforsch. Ges., 549, S. 1–325.
  • Doppler, G., Heissig, K. & Reichenbacher, B. (2005). Die Gliederung des Tertiärs im süddeutschen Molassebecken. – Newsl. Stratigr., 41(1–3), S. 359–375.
  • Lippolt, H. J., Gentner, W. & Wimmenauer, W. (1963). Altersbestimmungen nach der Kalilum-Argon-Methode an tertiären Eruptivgesteinen Südwestdeutschlands. – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württemberg, 6, S. 507–538.
  • Luterbacher, H. (1997). Stratigraphy and facies evolution of a typical foreland basin – the Tertiary Molasse Basin (Lake Constance Area and Allgäu). – Gaea heidelbergensis, 4, S. 123–140.
  • Sach, V. J. (1999). Litho- und biostratigraphische Untersuchungen in der Oberen Süßwassermolasse des Landkreises Biberach a. d. Riss (Oberschwaben). – Stuttgarter Beitr. Naturk. B, 276, S. 1–167.