Verbreitungsgebiete: Westliches Oberschwaben im Bereich Pfullendorf–Denkingen–Heiligenberg–Herdwangen–Schönach
Erdgeschichtliche Einstufung: Mindel-Deckenschotter und Günz-Deckenschotter, Quartär
(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol "Themenebenen" links oben einblenden.)
Lagerstättenkörper

Die Abgrenzung von Rohstoffvorkommen in der Oberschwaben-Deckenschotter-Formation ist aufgrund der meist deckenförmig entwickelten Höhenzüge vielfach gut möglich. Die Vorkommen zeichnen sich häufig durch einen stark heterogenen Aufbau mit stark variierenden Kies- und Abraummächtigkeiten sowie durch die hohen Feinkornanteile aus. Die fluvialen Sedimente sind horizontal und schräg geschichtet. Fast immer sind die Schotter stark karbonatisch zementiert, das heißt zu Nagelfluh verbacken, dazu sind sie an ihrer Oberfläche oft stark verwittert. Der Anteil verwitterter Komponenten beträgt in der Regel etwa 30 %.
Gestein

Es handelt sich üblicherweise um sandige Kiese, teilweise mit Steinen. Vereinzelt sind besonders feinkörnige oder besonders grobe Schüttungen anzutreffen. Die Sedimente stammen weitgehend aus unterschiedlichen alpinen Herkunftsgebieten südlich des Bodensees. Dazu kommen lokale Komponenten aus der Molasse. Im Bereich Pfullendorf–Denkingen–Heiligenberg–Herdwangen–Schönach wird unterschieden zwischen:
1) Günz-Deckenschotter, kristallinarme „Ältere-Deckenschotter“ mit höheren Anteilen an hellen und gelben Kalksteinen (max. 5 % Kristallingerölle, jeweils in der Fraktion 1–2 cm).
2) Mindel-Deckenschotter, kristallinreiche „Jüngere Deckenschotter“ (10–30 % Kristallingerölle).
Beide Deckenschotter treten teils übereinander oder in einem ähnlichen Höhenniveau auf.
Petrographie
Korngrößenverteilung für die Deckenschotter im Raum Pfullendorf–Denkingen–Heiligenberg–Herdwangen–Schönach (n = 10):
Korngröße | Minimum [%] | Maximum [%] | Mittelwert [%] |
Ton/Schluff (< 0,063 mm) | 5,1 | 16,1 | 9,3 |
Sand (0,063–< 2 mm) | 18,4 | 49,4 | 32,7 |
Feinsand (0,063–< 0,2 mm) | 1,2 | 4,5 | 3,2 |
Mittelsand (0,2–< 0,63 mm) | 6,5 | 33,5 | 17,1 |
Grobsand (0,63–< 2 mm) | 8,6 | 14,8 | 12,4 |
Fein- bis Mittelkies (2–< 16 mm) | 38,0 | 50,6 | 47,1 |
Grobkies (16–< 63 mm) | 1,9 | 24,3 | 10,8 |
Geröllpetrographische Zusammensetzung der Fraktion 11–22 mm (n = 7):
Petrographie | Minimum [%] | Maximum [%] | Mittelwert [%] |
Quarzgesteine | 3,0 | 11,0 | 7,0 |
Kristallingesteine | 4,0 | 13,0 | 7,0 |
Kalksteine | 40,0 | 73,0 | 61,0 |
Sandsteine | 12,0 | 28,0 | 17,0 |
Nagelfluh und Dolomitsteine | 3,0 | 16,0 | 7,0 |
Festigkeiten der Gerölle der Fraktion 11–22 mm (n = 7):
Festigkeit | Minimum [%] | Maximum [%] | Mittelwert [%] |
Sehr widerstandsfähig (Quarzgesteine) | 3,0 | 11,0 | 7,0 |
Vorwiegend fest (Kristallin- und Kalkgesteine) | 42,0 | 77,0 | 62,0 |
geringe Festigkeit (Sandsteine, angewitterte Kristallingesteine, Nagelfluh und Dolomitsteine) | 20,0 | 55,0 | 31,0 |

Mächtigkeiten
Geologische Mächtigkeit: Die Mächtigkeit liegt vorwiegend zwischen 10 und 30 m, teilweise etwas > 30 m.
Genutzte Mächtigkeit: Im Raum Sylvenstal–Denkingen wurden die Deckenschotter an mehreren Stellen in einer Mächtigkeit zwischen 10 und 30 m im Trockenabbau gewonnen. Nördlich von Owingen wurden diese in einer Mächtigkeit zwischen 10 und 20 m abgebaut.
Gewinnung und Verwendung
Gewinnung: Die sandigen und steinigen Kiese wurden in der Vergangenheit mittels Bagger bzw. Radlader abgebaut. Die verfestigten Lagen mussten durch Bohren und Sprengen gewonnen werden.
Verwendung: Die Deckenschotter eignen sich als Material im Verkehrswege- und Tiefbau.
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In der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Owingen-Hohenbodman (RG 8121-318) wurden Mindel-Deckenschotter abgebaut.
In der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Owingen-Hohenbodman (RG 8121-318) wurden Mindel-Deckenschotter abgebaut.
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Detail aus der Abbauwand der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Owingen-Hohenbodman (RG 8121-318). Es handelt sich um eine Grobkieslage, deren Gerölle hauptsächlich aus Kalksteinkomponenten besteht.
Detail aus der Abbauwand der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Owingen-Hohenbodman (RG 8121-318). Es handelt sich um eine Grobkieslage, deren Gerölle hauptsächlich aus Kalksteinkomponenten besteht.
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Mindel-Deckenschotter in der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Pfullendorf-Sylvenstal (RG 8021-345). Die Nagelfluhlagen sind gegenüber dem Kies deutlich herausgewittert, die Schrägschichtungskörper treten deutlich hervor.
Mindel-Deckenschotter in der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Pfullendorf-Sylvenstal mit herausgewitterten Nagelfluhlagen
Mindel-Deckenschotter in der ehemaligen, aufgelassenen Kiesgrube Pfullendorf-Sylvenstal (RG 8021-345). Die Nagelfluhlagen sind gegenüber dem Kies deutlich herausgewittert, die Schrägschichtungskörper treten deutlich hervor.
Externe Lexika
Litholex
Literatur
- (2011a). Quartärgeologie des Rheingletschergebiets (Exkursion I). – Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, N. F. 93, S. 387–417.
- (2011b). The Quaternary of the southwest German Alpine Foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – E&G Eiszeitalter und Gegenwart – Quaternary Science Journal, 60(2-3), S. 306–328.
- (2003b). Blatt L 8122 Weingarten, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 99 S., 18 Abb., 8 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg). [Bearbeiter: Heinz, J., m. Beitr. v. Babies, H. G., Kimmig, B., Kostic, B., Schuh, M. & Werner, W.]
- (2013a). Blatt L 8120 Stockach, mit Erläuterungen. – Karte der mineralischen Rohstoffe von Baden-Württemberg 1 : 50 000, 132 S., 23 Abb., 6 Tab., 1 Kt., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau). [Bearbeiter: Kleinschnitz, M., Kimmig, B.]