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Schwäbische Fazies

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Blick auf eine Übersichtskarte von Baden-Württemberg mit Verbreitung und Ausstrich des Oberjura in schwäbischer Fazies, dargestellt mit unterschiedlichen Blautönen.

Verbreitung des Oberjuras in schwäbischer Fazies farbig, Ausstrich dunkel

Das Bild zeigt eine weißgraue bis gelblich graue, waagrecht gebankte Steinwand. Den unteren Teil durchziehen senkrechte Risse. Im oberen Teil ist das Gestein stärker zerfallen und zudem bewachsen.
Oberjura der Schwäbischen Alb in gebankter Fazies bei Steinweiler

Die Massenkalk-Fazies findet sich vorwiegend auf der Mittleren Alb und der Ostalb. Sie ersetzt dort vielerorts die gebankten Gesteine der Unteren-Felsenkalke-Formation bis einschließlich die der Hangenden-Bankkalke-Formation. In der Westalb tritt die Massenkalk-Fazies schon ab der Impressamergel-Formation auf und wird dort nach der Typlokalität als Lochen-Formation bezeichnet.

Der Oberjura in schwäbischer Fazies steht entlang eines bis zu 35 km breiten Streifens zwischen Aalen–Ulm im Nordosten und Blumberg–Engen im Südwesten auf einer Fläche von ca. 4600 km2 über Tage an. Dabei wird er bereichsweise von quartären Deckschichten überlagert. Im äußersten Südwesten nimmt die Ausstrichbreite auf wenige Hundert Meter ab. Nach Norden hin wird der Oberjura durch die Schichtstufe des Albtraufs begrenzt, nach Süden hin taucht er unter die tertiären Sedimente des Molassebeckens ab.

Mehrfarbige hydrogeologische Schnittzeichnung, die Karstzonen und mögliche Quellen in der Ostalb zeigt.
Prinzipskizze zur Definition der Karstzonen mit möglichen Positionen von Quellen, schematisch: Situation Ostalb
Farbiges Säulendiagramm mit der Verteilung der Transmissivätswerte für den Oberjura (Schwäbische Fazies).

Häufigkeitsverteilung der Transmissivitätswerte für den Oberjura-Aquifer (geometrischer Mittelwert T = 1,6 · 10‑4 m2/s)

Hydrologie

Umgeben von Gebüsch und dichtem Wald schiebt sich eine Schotterzunge dem Vordergrund entgegen, unterbrochen von einer Wasserstelle hinten links sowie löcherartigen Bodenvertiefungen mittig und rechts.
Frisch eingestürzte Dolinen im trockenen Bett der Donau bei Brühl unmittelbar unterstromig der Donauversinkung bei Immendingen

Da im Oberjura in schwäbischer Fazies kein nennenswerter Oberflächen- bzw. Zwischenabfluss auftritt, wird die Grundwasserneubildungsrate aus Niederschlag der Sickerwasserrate gleichgesetzt. Die Grundwasserneubildung beträgt im Bereich der Schwäbischen Alb (Offene und Teilweise Überdeckte Zone) im langjährigen Mittel (Periode 1981 bis 2010) Gm = 12,0 l/(s · km2), das sind – bezogen auf die Ausstrichfläche von ca. 4595 km2 – Gf = 55 100 l/s.

Im Molassebecken (Bereich der Überdeckten Zone) nimmt die Grundwasserneubildung durch vertikale Zusickerung mit zunehmender Mächtigkeit der tertiären Überdeckung ab und ist im Beckeninnern vermutlich äußerst gering.

Zur Grundwasserneubildung im Oberjura trägt auch die Infiltration aus oberirdischen Gewässern bei. In Schwinden und Schlucklöchern kann ein Teil oder die gesamte Wasserführung oberirdischer Gewässer in den Untergrund versinken. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Donauversinkung zwischen Immendingen und Fridingen.

Blick auf den vergrößerten Ausschnitt einer Übersichtskarte, mit dem Gebiet Konstanz bis Ulm. Farbig dargestellt ist der Verlauf der kontinentalen Karstgrundwasserscheide.

Verlauf der kontinentalen Karstgrund­wasserscheide im Verbreitungs­gebiet des Oberjuras in schwäbischer­ Fazies. Sie trennt die Einzugsgebiete von Rhein und Donau. Die roten Punkte weisen auf die Haupt­versinkungs­stellen der Donau hin. Das versickerte Wasser tritt zu großen Teilen wieder an der Erd­oberfläche aus (z. B. im Aachtopf). Geringere Mengen treten in die grundwasser­führenden quartären und tertiären Schichten des Molasse­beckens über. In beiden Fällen bildet der Rhein die endgültige Vorflut.

Mehrfarbige Schnittzeichnung der Grundwasserführung und Verkarstung zwischen Schwäbischer Alb und Donauried. Eingezeichnet sind zudem quartäre und tertiäre Sedimente sowie Oberjura-Festgesteine.
Hydrogeologische und hydrologische Situation im Langenauer Donauried: Einspeisung von Karstgrundwasser in den quartären Kiesgrundwasserleiter
Das Bild zeigt eine grünliche, von Uferwegen und Bäumen eingefasste ruhige Wasserfläche. Im Hintergrund ist eine kleine Brücke sowie ein bewaldeter Hang erkennbar.
Wiederaustritt des Donauwassers in der Aachquelle

Die Aachquelle entspringt am Rand der Südwestalb. Sie ist mit einer mittleren Schüttung von 8080 l/s die größte Quelle Deutschlands und steht mit dem Übertritt der Donau in den Untergrund zwischen Immendingen und Fridingen karsthydrogeologisch in Verbindung. Es handelt sich dabei um die bedeutendste Flussversinkung Deutschlands.

Weiterführende Links zum Thema

Literatur

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