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Böden der Lössgebiete

Beim größten Teil der äolischen Ablagerungen im Bauland und Tauberland handelt es sich um Lösslehm und lösslehmreiche Fließerden, also um völlig entkalktes und durch holozäne Bodenbildung überprägtes Material. Überwiegend dürfte es sich um würmzeitliche Sedimente handeln, die aber örtlich auch älteren, oft dichter gelagerten Lösslehm überlagern können. Im Übergang zum Ochsenfurter- und Gollach-Gau im Nordosten des Tauberlands sowie zum Kraichgau im Südwesten des Baulands sind auch Decken aus kalkhaltigem Löss, sog. Rohlöss, verbreitet. In der letzten Kaltzeit wurde dort so viel Löss sedimentiert, dass er nicht vollständig durch Bodenbildung überprägt wurde.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Foto zeigt die Seitenwand einer Baugrube mit rötlich braunem Bodenmaterial.  Die Grube ist über 1,20 m tief.
Erodierte Parabraunerde aus Löss nordöstlich von Tauberbischofsheim (i30)

Erodierte Parabraunerden aus Löss (i30) nehmen v. a. auf den Gäuflächen nördlich und östlich des Taubertals große Flächen ein. Die Tonverarmungshorizonte (Al-Horizonte) sind durch die Bodenerosion meist sehr stark verkürzt bzw. im Pflughorizont aufgearbeitet oder komplett abgetragen. In 5–10 dm Tiefe folgt unter dem Bt-Horizont meist der C‑Horizont aus kalkhaltigem Rohlöss. Dieser ist örtlich nur sehr geringmächtig und wird von einem älteren kalkfreien oder sekundär aufgekalkten Lösslehm unterlagert. In bewaldeten Flachlagen waren die Böden weniger von der Erosion betroffen, so dass sich dort oft noch nahezu vollständige Parabraunerde-Profile finden (Kartiereinheit i31).

Das Bild zeigt eine über zwei Meter hohe, aus unterschiedlichen Schichten bestehende Profilwand. Die untere Hälfte ist dabei gelblich weiß bis gelblich braun und steinig, die obere Hälfte rotbraun und durchwurzelt.

Parabraunerde aus Löss über Muschelkalk-Fließerde (i30)

Das Profil bei Grünsfeld-Krensheim zeigt unten gebankte Kalksteine des Oberen Muschelkalks, darüber eine durch Tonmergelstein- und Kalksteinverwitterung sowie durch eiszeitliches Bodenfließen entstandene steinig-tonige Fließerde. Aus der an dieser Stelle vorhandenen Überdeckung aus ca. 80 cm Löss hat sich eine erodierte Parabraunerde entwickelt. Die obersten 25 cm sind künstlich aufgebracht.

An einen rotbraunen Acker im Vordergrund schließen sich grüne und gelbe, meist flache Äcker an. Die Landschaft liegt dabei in der Bildmitte tiefer und ist von Baumstreifen durchzogen.
Vom Wittigbach und seinen Nebentälern zerschnittene Landschaft im Oberen Muschelkalk bei Grünsfeld-Zimmern

Noch stärker erodierte Böden kommen hingegen auf den sehr schwach bis mittel geneigten, meist ostexponierten ackerbaulich genutzten Hängen im Tauberland vor. Die Parabraunerden sind dort oft komplett abgetragen oder ihr Bt‑Horizont im Pflughorizont aufgearbeitet. Vorherrschende Böden sind Pararendzinen (i16). Stellenweise sind diese auch in solifluidal umgelagertem Löss entwickelt, der auch etwas Muschelkalk- oder Lettenkeupermaterial enthalten kann.

Das Bild zeigt mehrere Streifen unterschiedlicher, flach bis leicht gewellter Ackerflächen. Von links nach rechts steigt daran angrenzend ein teilweise bewaldeter Hang auf. Rechts steht zudem ein Windkraftrad.
Gäulandschaft im Tauberland nordöstlich von Werbach-Wenkheim

Das Lössverbreitungsgebiet des nordöstlichen Tauberlands wird von zahlreichen verzweigten, meist zum Einzugsgebiet des Grünbachs gehörenden Muldentälern durchzogen. In ihnen finden sich tiefe Kolluvien aus mächtigen holozänen Abschwemmmassen. Meistens, v. a. wenn an den Hängen Löss-Pararendzinen verbreitet sind, handelt es sich um kalkhaltige Kolluvien (i62). Dieselbe Kartiereinheit wurde für schluffreiche, kalkhaltige Kolluvien aus Lössbodenmaterial im Raum Mosbach im Bauland verwendet.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 1,10 m tief.
Podsol-Braunerde aus Flugsand auf einer pleistozänen Mainterrasse bei Wertheim-Bettingen (i26)

An den flachen Unterhängen bei Wertheim-Bettingen geht der Löss über Sandlöss in den für das Maintal charakteristischen Flugsand über (Freudenberger, 1990). Die Flugsanddecken lagern größtenteils bereits schon über Buntsandstein oder über pleistozänen Terrassensedimenten des Mains. Es sind v. a. sandige Braunerden verbreitet, die im tieferen Unterboden oft durch Lessivierung entstandene Tonbänder aufweisen (i26). Bänderparabraunerden treten selten auf. Unter Wald sind die Sandböden meist podsoliert (podsolige Braunerde und Podsol-Braunerde). In geneigten Lagen sind die Flugsande oft umgelagert und örtlich, im Übergang zu höheren Hangabschnitten, mit Kalksteinschutt vermischt.

Literatur

  • Freudenberger, W. (1990). Erläuterungen zu Blatt 6223 Wertheim. 3. Aufl., Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 147 S., 8 Taf., 7 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).