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Mittleres und Westliches Albvorland

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Blick über ein Feld in ein Tal mit größeren Baumgruppen und Siedlungen. Im Hintergrund erkennt man eine Bergkette.
Blick von Altenriet in Richtung des Albanstiegs bei Reutlingen
Unter einem bewölkten Himmel breitet sich eine wellige Landschaft mit Wiesen, Äckern, Bäumen und Siedlungen aus. Rechts zum Bildrand steigt ein bewaldeter Berg auf.
Albvorland östlich von Balingen

Der weitere Anstieg des Albvorlands bis zum Steilabfall der Schwäbischen Alb erfolgt in den Schichten des Mitteljuras, die 200–300 m umfassen und mit den mächtigen grauschwarzen, schwach schluffigen Tonsteinen der Opalinuston-Formation einsetzen. Diese erreichen im Abschnitt zwischen Spaichingen und Göppingen eine Mächtigkeit von 120–150 m und bilden deshalb zumeist einen relativ breiten Ausstrichbereich. In der überwiegend tonig-mergeligen Schichtenfolge des Mitteljuras spielen im mittleren Abschnitt auftretende Kalksandsteine eine Rolle, die oberflächennah meist entkalkt, braungefärbt und verwittert vorliegen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem sog. Blaukalk zu, dessen harte Bänke nur im frischen Zustand die namengebende „blaue“, d. h. bläulichgraue Farbe zeigen. Ihre durchschnittliche Mächtigkeit von 1–2 m steigt in der Umgebung von Reutlingen und Metzingen bis auf etwa 5 m an, weshalb sich hier die üblicherweise von ihnen gebildeten schmaleren Verebungsleisten örtlich zu terrassenartig vorspringenden, ausgedehnten Verebungsbereichen weiten. Südlich von Balingen löst sich der Sandsteinhorizont schließlich auf und verliert dort zunehmend auch seine geomorphologische Wirksamkeit. Lokal spielen eine Reihe von geringmächtigen, meist nur ein paar Dezimeter umfassende Sandstein- und Kalksandsteinhorizonte für die Reliefausbildung eine Rolle, die schon in der tieferen Schichtenfolge des Mitteljuras eingeschaltet sind. So z. B. die Wasserfallschichten im obersten Teil der Opalinuston-Formation, die Comptumbank sowie der Concava-Sandstein im höheren Abschnitt des Unteren Mitteljuras, der im Gebiet südöstlich von Nürtingen sogar ein eigenständiges Hügelland bedingt. Der an die Blaukalk-Stufe anschließende weitere Anstieg des Albvorlands erfolgt in hauptsächlich tonig-mergelig ausgebildeten, durch einzelne Kalksteinbänke und Eisenoolith-Horizonte gegliederten Schichten des höheren Mittleren und des Oberen Mitteljuras. Die hier bereits einsetzende Überschüttung mit Kalkstein-Hangschutt vom Albtrauf markiert die bodengeographische Grenze des Albvorlands und den Beginn der Bodengroßlandschaft der Schwäbischen Alb.

Das Bild zeigt ein Bodenprofil unter Maispflanzen. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in fünf Horizonte unterteilte Profil ist 1,10 m tief. Eine Tafel links oben gibt Nummer und Name des Profils an.
Mäßig tief entwickelte humose Parabraunerde aus Löss

Der obere und i. d. R. geringmächtigere Abschnitt der Lösslehme besteht aus einem vergleichsweise lockeren äolischen Substrat und stellt den Bereich dar, in dem die holozäne Bodenbildung maßgeblich abgelaufen ist. Es liegt nahe, ihn auf verstärkte Lösseinwehung vor rund 20 000 Jahren zurückzuführen, als zum Höhepunkt der letzten Kaltzeit unter besonders trocken-kalten Verhältnissen äolische Aktivität stark auflebte und es zu weiträumiger Verfrachtung von Löss kam. Allerdings wurde dieser junge Löss im Gebiet des Albvorlands nur selten mit einer Mächtigkeit von mehr als 1,5 m abgelagert, weshalb er im Verlauf der holozänen Pedogenese mit der Bildung von Parabraunerden meist komplett entkalkt wurde. Nur bereichsweise, in für die Ablagerung von Windsedimenten besonders günstigem Gelände, wurde mächtigerer jüngerer Löss mit höheren Sedimentationsraten akkumuliert, welcher im Verlauf der späteren holozänen Bodenbildung nicht mehr komplett erfasst und entkalkt werden konnte. Ein Schwerpunktgebiet der letztkaltzeitlichen äolischen Sedimetation war aufgrund ihrer beckenartigen Geländesituation der Zentralteil der Filder. Jedoch kam es auch im Bereich der östlichen Talschulter des Neckartals zwischen Wernau und den Härten bei Reutlingen örtlich zu verstärkter Lössablagerung. Unter den Resten der rezenten Parabraunerde folgen in diesen Gebieten zumeist mehrere Dezimeter von unverwittertem, hellockerfarbenem Löss („Rohlöss“), bevor im Liegenden dichter älterer Lösslehm einsetzt.

  • Panoramabild von blühenden Wiesen und dunklen Ackerflächen. Im Hintergrund links ein flacher grüner Hügel. Rechts ragen hinter Waldstreifen zwei bewaldete Berge auf.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.
  • Keefer, E. (1988). Die Jungsteinzeit – alt- und mittelneolithische Kulturen, ein Überblick. – Planck, D. (Hrsg.). Archäologie in Baden-Württemberg – Ergebnisse und Perspektiven archäologischer Forschung von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit, S. 71–90, Stuttgart.
  • Lang, A. (2003). Phases of soil erosion-derived colluviation in the loess hills of South Germany Catena, 51, S. 209–221.
  • Schweigert, G. (2018). Der Scharnhäuser Vulkan – eine Bestandsaufnahme 125 Jahre nach Brancos Beschreibung Jh. Ges. Naturkde. Württ., 174, S. 191–207.