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Böden im Unterjura- und Mitteljuragebiet

Das Unterjura‑ und Mitteljuragebiet der Baar bildet eine rund 5 bis 9 km breite Stufenlandschaft. Weiter im Süden, zwischen Wutachschlucht und Klettgau, nehmen die Gesteine des Unter- und Mitteljuras nur kleinere Flächen ein. Zudem ändern sich dort das Relief und z. T. auch die Gesteinsausbildung. Deshalb werden die Bodengesellschaften dieser beiden Räume im Folgenden getrennt beschrieben.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Bild zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil inmitten einer weiten, rötlich braunen Ackerfläche.
Ackerbau auf der lösslehmbedeckten Unterjura-Stufenfläche südsüdwestlich von Donaueschingen-Aasen (h74)

Die wenigen zentralen Plateauflächen, auf denen Lösslehm oder über 1 m mächtige, lösslehmreiche Fließerden (Mittellage) auftreten, sind hinsichtlich ihrer für den Landbau günstigen Bodenverhältnisse besonders hervorzuheben. Es handelt sich dabei um inselhafte Vorkommen hauptsächlich in dem Bereich zwischen Tuningen, Donaueschingen-Aasen und Bad Dürrheim-Oberbaldingen mit Pseudogley-Parabraunerden und pseudovergleyten Parabraunerden (h74). Meistens ist der Tonverarmungshorizont durch Erosion abgetragen oder stark verkürzt. Die Tonüberzüge auf den Aggregaten der Bt-Horizonte sind oftmals schwer zu erkennen und z. T. auch nur in Rissen und Klüften vorhanden (Parabraunerde-Braunerde). Möglicherweise sind bei solchen Bodenprofilen durch die Bodenerosion ältere, umgelagerte Bodenbildungen, in denen keine holozäne Tonverlagerung mehr stattgefunden hat, an die Oberfläche geraten. Nicht selten finden sich humose, dunkle Flecken in den Bt-Horizonten. In Muldentälchen, in der Unterlagerung von holozänen Abschwemmmassen, sowie im Übergang zu Mooren und feuchten Senken können sie komplett schwarzbraun gefärbt sein. Vermutlich handelt es sich um eine alte Bodenbildung („Feucht-Schwarzerde“), die durch gehemmten Humusabbau unter ehemals feuchteren Verhältnissen entstanden ist.

Das Foto zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil unter Acker. Das Bodenprofil ist 40 cm tief.
Pararendzina aus tonig-mergeligem Verwitterungsmaterial des Unterjuras (h59)

In dem östlich an die Arietenkalkflächen der Baar anschließenden, überwiegend durch Grünland genutzten Hügelland aus Ton-, Mergel- und Kalksteinen der mittleren Unterjuraschichten (Obtususton-, Numismalismergel- und Amaltheenton-Formation bzw. früher: Schwarzjura beta bis delta) treten weit verbreitet schwere Tonböden (Pelosole h61) auf. Stellenweise, in flachen Wasserscheidenbereichen und an schwach geneigten Hängen, weisen die Bodenprofile deutliche Staunässemerkmale auf (Pseudogley-Pelosol und Pelosol-Pseudogley h66). An den steileren Hängen und in rundlichen Scheitelbereichen von Hügelrücken dominieren Pararendzinen (h59). Es handelt sich dabei um Erosionsprofile, bei denen die kalkhaltigen, lehmig-tonigen Mergelfließerden mit ihrem wechselnden Skelettgehalt an die Oberfläche geraten. Vor allem im Bereich der härteren Kalksteinbänke der Numismalismergel-Formation (früher: Schwarzjura gamma) sind die Pararendzinen mit Rendzinen vergesellschaftet.

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 1,40 m tief.
Mäßig tief entwickelter Braunerde-Pelosol aus geringmächtiger lösslehmhaltiger Fließerde über Tonfließerde aus Material der Opalinuston-Formation

Wo der Unterjura von der Opalinuston-Formation (früher: Braunjura alpha) des Mitteljuras abgelöst wird, steigt das Gelände zunächst nur sehr allmählich an. Die charakteristischen Böden auf den Flachhängen und Verebnungen sind zweischichtige wechselfeuchte Böden (Pseudogley-Pelosole h66), die sich in einer geringmächtigen lehmigen Hauptlage über einer dichtgelagerten, tonreichen Opalinuston-Fließerde (Basislage) entwickelt haben. Das stärker reliefierte und v. a. im Norden der Baar oft bewaldete Hügelland im Opalinuston sowie die Hänge im Anstieg zu den höheren Mitteljuraschichten werden vorwiegend von Pelosolen, zweischichtigen Braunerde-Pelosolen (h64) und Pelosol-Braunerden eingenommen (h72). In den bewaldeten oberen Hangabschnitten im Bereich der Wasserfallbank und der Ludwigienton‑ und Wedelsandstein-Formation (früher: Braunjura beta und gamma) sind Pelosol-Braunerden, Parabraunerde-Braunerden und Braunerden aus Deck‑ über Basislage miteinander vergesellschaftet (h71). Die Solifluktionsdecken weisen im Vergleich zum Opalinustongebiet einen höheren Sandgehalt und wechselnde Anteile an Gesteinsschutt aus den härteren Mitteljuraschichten auf.

Hinter einigen Häusern und Bäumen im Vordergrund erhebt sich ein zur Bildmitte hin ansteigender Hang, dessen Flanken fast durchgehend landwirtschaftlich genutzt werden. Seiten und Kuppe des Hanges sind dagegen bewaldet.
Blick nach Norden über Geisingen-Gutmadingen und das Donautal auf den Wartenberg

In vielen Bereichen der Unterhänge der Baar-Alb und am Wartenberg ist die Bodenerosion bereits weiter fortgeschritten. Die Böden sind dort schon an der Oberfläche kalkhaltig. Wie die Pelosole schwanken auch die dort vorherrschenden Pararendzinen (h59) in ihrem Schuttgehalt. Nach Bader (1934, S. 8) wurde der Osthang des Wartenbergs erst vergleichsweise spät gerodet, was möglicherweise erklärt, weshalb dort noch Pelosole vorherrschen, während am Süd- und Westhang Pararendzinen dominieren. Der Gipfelbereich des Wartenbergs und das kleine Basaltvorkommen an seinem östlichen Oberhang werden von steinigen, humosen Rankern aus Basalt und Regosolen aus Basaltschutt eingenommen (h54). Sie sind mit Pararendzinen aus kalkhaltigem Basalttuff vergesellschaftet. Im obersten Hangabschnitt schließen sich schuttreiche, z. T. stark humose Braunerden an (h68).

Das Foto zeigt eine Profilwand unter Grünland. Das Profil ist über 2,40 m tief.
Tiefes Kolluvium in einer flachen Mulde im Unterjura-Gebiet bei Hüfingen-Sumpfohren (h82)

In den zahlreichen Muldentälchen, Senken und Hangfußlagen des Mittel‑ und Unterjuragebiets bilden mehr oder weniger mächtige, durch die Bodenerosion entstandene holozäne Abschwemmmassen das Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Es handelt sich meist um lehmig-tonige Substrate, die hinsichtlich ihres Grund‑ und Stauwassereinflusses zu unterscheiden sind. Kaum hydromorphe Merkmale zeigen die mäßig tiefen bis tiefen Kolluvien (h82) deren Einzugsgebiet hauptsächlich an den Mitteljurahängen oder auf den Arietenkalk-Platten liegen. Dort kommen zudem oft sehr flache Mulden vor, in denen die Kolluvien meist weniger als 0,5 m mächtig sind (h84). Die meisten anderen Kolluvien weisen meist deutliche Anzeichen zeitweiliger Staunässe auf, da sie oft nicht sehr mächtig sind und über dichtgelagerten Tonfließerden liegen. Auch die Abschwemmmassen selbst sind meist recht tonreich und schwer wasserdurchlässig. Verbreitete Böden sind daher Pseudogley-Kolluvien, die oft von Pseudogley-Pelosolen unterlagert werden (h85). Das Hauptverbreitungsgebiet der noch stärker hydromorphen Kolluvium-Pseudogleye und Pseudogleye (h81) liegt im Bereich der Opalinuston-Formation. Die holozänen Abschwemmmassen sind dort in den Waldgebieten allerdings oft sehr geringmächtig. Teilweise wird der wasserdurchlässige Oberboden dort auch von lösslehmhaltigen Fließerden gebildet (Deck‑ und/oder Mittellage). Vielerorts weist der stauende tonige Unterboden eine grauschwarze bis schwarze Farbe auf (Sumpfton).

  • Panoramabild eines wellig-hügeligen Mosaiks aus Grünland- und Ackerflächen mit größeren Siedlungen links und rechts sowie im Hintergrund. Auch große Waldflächen und bewaldete Höhenrücken durchziehen die Landschaft.
Das Bild zeigt eine sehr wellige, hügelige Grün- und Ackerlandschaft. Rechts windet sich eine von Bäumen gesäumte Straße die Hügel hinauf. Im Hintergrund sind die Hügelkuppen höher und bewaldet.
Blick nach Osten zum Randen bei Blumberg-Epfenhofen

Auch weiter südlich bilden Unter‑ und Mitteljura breite Rücken, Hänge und schmale Verebnungen. Sie befinden sich auf dem sog. Hallauer Rücken zwischen unterer Wutach und Klettgauer Tal sowie, dem Kleinen Randen vorgelagert, am Hochrhein zwischen Küssaberg und Lauchringen. Vorherrschende Böden auf Scheitelbereichen und Hängen sind dort zweischichtige Braunerde-Pelosole und Pelosol-Braunerden aus einer geringmächtigen lösslehmhaltigen Fließerde (Decklage) über tonreicher Fließerde (Basislage) oder Rutschmassen (h65, örtlich h63). Pelsole und Pararendzinen als Erosionsprofile kommen nur untergeordnet, v. a. im Bereich junger Hangrutschungen vor. Das Unterjuragebiet östlich von Wutöschingen-Degernau wird allerdings von Pararendzinen dominiert (h59). Im Bereich der Rebhänge bei Klettgau-Erzingen besitzen sie, durch das Rigolen bedingt, einen schwach humosen Unterboden (Pararendzina-Rigosol h90). Stellenweise wurde dort in den Weinbergen aber auch Fremdmaterial aufgebracht.

  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 1,40 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das fünf Horizonte umfassende Profil ist 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Grünland. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das rissige, fünf Horizonte umfassende Profil ist 90 cm tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das vier Horizonte umfassende Profil ist über 1 m tief.
  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das nur zwei Horizonte umfassende Profil ist etwa 40 cm tief.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.
  • Bader, K. (1934). Die Flurnamen von Wartenberg. – Fehrle, E. (Hrsg.) Badische Flurnamen, 1(4), 36 S., Heidelberg.
  • Herth, U. (1998). Unterhölzer Wald. – Regierungspräsidium Freiburg (Hrsg.). Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg, S. 573–575, Sigmaringen.
  • Kwasnitschka, K. (1965). Das Naturschutzgebiet Unterhölzer Wald Mitt. bad. L.-Ver. Naturkde. u. Naturschutz, N. F. 8(4), S. 725–728.
  • Reinbolz, A. & Ludemann, T. (2001). Laubwälder der Baar. – Vegetation und Geschichte des Unterhölzer Waldes als Modell? Schr. Ver. Gesch. Naturgesch. Baar, 44, S. 71–111.
  • Vetter, A. (1964). Geisingen. – Eine Stadtgründung der Edelfreien von Wartenberg. 434 S., Konstanz.