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Opalinuston

Verbreitungsgebiete: Markgräflerland und Vorland der gesamten Schwäbischen Alb

Erdgeschichtliche Einstufung: Opalinuston-Formation (jmOPT), Mitteljura

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Gestein

Das Bild zeigt einen Aufschluss von dunkelgrauem bis schwarzem, dünnbankigem und geklüfteten Gestein. Mittig vor dem Aufschluss steht ein Hammer.
Dunkelgraue bis schwarze Ton- und Mergelsteine

Die schwach sandigen und stark tonigen Schluffsteine und schluffigen, z. T. mergeligen Tonsteine sind dunkelgrauschwarz. Die dunkle Färbung der Gesteine ist auf seine Feinkörnigkeit und feinkörnigen Pyrit zurückzuführen. Häufig kommen Pyritkörnchen auf den Kluft- und Schichtflächen vor, lagenweise ist der Pyrit unterschiedlich stark angereichert. Die Farbverteilung hängt auch vom Grad der Verwitterung ab. Homogen und bruchfrisch ist das Gestein dunkelgrauschwarz, leicht verwittert hellgrau, in Richtung der Oberfläche ist es stärker verwittert und graubräunlich. Die tonigen Schluffsteine sind dünnschichtig gelagert. Einzelne Lagen sind wenige mm bis 1 cm stark. Das Gestein verwittert feinblättrig. Auf den Schicht- und Kluftflächen ist reichlich Feinglimmer zu finden. In der ge­samten Abfolge treten zahlreiche, z. T. lagig angeordnete, rotbraune bis graubraune Pyrit-Siderit-Konkretionen mit Anteilen von Quarz, sog. Toneisensteingeoden, verschiedenster Größe auf. Daneben wurden auch bis 5 cm große Limonitkonkretionen festgestellt. Weiterhin finden sich in der Abfolge vereinzelt linsen- und bandartige Einschaltungen von sog. Nagelkalk. Dabei handelt es sich um kalkhaltige Mergelsteine, welche aus ineinander gesetzten Kegeln, die sich lagenweise die Spitzen zukehren und oft ineinander verschränkt stehen, aufgebaut werden (Berz 1995a).

Blick auf eine nach links ansteigende, mehrstufige Tongrube. Das Material ist schwarzgrau, die Kuppe von hohen Nadelbäumen bewachsen. Die Sohle im Vordergrund ist teilweise bewachsen und zeigt rechts Fahrspuren.
In der Tongrube Schömberg wird Opalinuston abgebaut

Diese Strukturen entstanden wahrscheinlich frühdiagenetisch durch Temperaturveränderungen sowie Entgasungs- und Verdunstungsvorgängen im Sediment (Murawski & Meyer 2010). Diese harten, karbonatreichen Lagen könnten bei der Aufbereitung stören. Einige Lagen sind reich an Fossilien. Besonders häufig sind Muscheln, Schnecken und Ammoniten anzutreffen. Dabei kommen vielfach weißliche Schalenreste und lagenweise Schillanhäufungen vor. Der namensgebende Ammonit Leioceras opalinum ist häufig anzutreffen. Zur Tiefe hin nehmen der Sandgehalt ab und der Anteil an fossilführenden Lagen zu. Die Schicht- und Kluftflächen sind z. T. mit rotbraunen Fe-/Mn-Dendriten belegt. Im oberen Teil der Abfolge nehmen Feinsand-, Glimmer- und Karbonatgehalte zu. Der oberste Abschnitt der Opalinuston-Formation, die sog. Zillhausen-Subformation, einschließlich der Zopfplatten und der Wasserfallschichten, ist nicht nutzbar. Die durchschnittlich ca. 30 m mächtige Zillhausen-Subformation wird aus mehrere Dezimeter mächtigen, bankigen, sandigen Kalksteinen und kalkig gebundenen Sandsteinen, welche mit mehr oder weniger sandführenden Tonsteinen und Tonmergelsteinen und sandigen Schluffsteinen wechsellagern, aufgebaut. Die Opalinuston-Formation neigt bei Wasseraufnahme zu Rutschungen.

Übersichtsaufnahme einer Tongrube. Der anstehende Ton ist grau, darüber befindet sich gelblicher Lehm, teilweise sind die Abbauflächen bewachsen. Im Hintergrund über der Grube sind einige Bäume zu erkennen.
Übersicht über den Ostteil der Tongrube Müllheim-Feldberg

Gewinnung und Verwendung

Blick in eine heute stillgelegte Tongrube: Die Sohle der Grube ist dunkelgrau, die Wände sind mit Gras bewachsen. Im Hintergrund mittig befindet sich ein Strommast, dahinter ein bewaldeter Hügel.
Heute stillgelegte Tongrube Essingen

Gewinnung: Die Nutzung des Opalinustons als Ziegeleirohstoff erfolgte im südlichen Oberrheingraben in den Tongruben Ebringen-Englematt (RG 8012-327) und Müllheim-Feldberg (RG 8211-2). Zum Abbau dienten Bagger und Raupen, wobei sofort anschließend eine Homogenisierung, d. h. das Mischen unterschiedlicher toniger Sedimente und zerkleinerter Ton- und Mergelsteine, stattfand. Üblicherweise wurde der Rohstoff, nach einer mehrjährigen Lagerung unter freiem Himmel (wobei unregelmäßig auftretende Karbonatanreicherungen sowie festere Partien der Ton- und Mergelsteine zerfielen), in einer Ziegelei weiter verarbeitet. Die Gewinnung von Ziegeleirohstoffen fand daher häufig nicht kontinuierlich, sondern in Phasen statt, die durch mehrmonatige oder mehrjährige Abschnitte ohne Abbauaktivität unterbrochen waren. Derzeit ist in Baden-Württemberg keine Gewinnungsstelle im Opalinuston in Betrieb.

  • Übersichtsaufnahme einer Tongrube. Der anstehende Ton ist grau, darüber befindet sich gelblicher Lehm, teilweise sind die Abbauflächen bewachsen. Im Hintergrund über der Grube sind einige Bäume zu erkennen.
  • Nahaufnahme eines dunkelgrauen, in kleine Scherben gebrochenen Gesteins. Rechts unten befindet sich ein Hammer als Maßstab.
  • Blick von der Seite auf eine schräge Abbauwand. Die untere Hälfte der Wand besteht aus hellgrauem Gestein, die obere Hälfte ist mit Gras bewachsen. Mittig vor der Wand bückt sich ein Mensch.
  • Das Bild zeigt einen Aufschluss von dunkelgrauem bis schwarzem, dünnbankigem und geklüfteten Gestein. Mittig vor dem Aufschluss steht ein Hammer.
  • Blick in eine heute stillgelegte Tongrube: Die Sohle der Grube ist dunkelgrau, die Wände sind mit Gras bewachsen. Im Hintergrund mittig befindet sich ein Strommast, dahinter ein bewaldeter Hügel.
  • Das Bild zeigt viele kleine, kantige Scherben eines dunkelgrauen, homogenen Gesteins. In der rechten unteren Ecke befindet sich ein Hammerkopf als Maßstab.
  • Blick auf eine nach links ansteigende, mehrstufige Tongrube. Das Material ist schwarzgrau, die Kuppe von hohen Nadelbäumen bewachsen. Die Sohle im Vordergrund ist teilweise bewachsen und zeigt rechts Fahrspuren.

Externe Lexika

Litholex

Literatur

  • Berz, K. C. (1995). Erläuterungen zu Blatt 7918 Spaichingen. – 3. Aufl., Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 193 S., 1 Beil., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Berz, K. C. & Hüttner, R. (1987). Erläuterungen zu Blatt 7818 Wehingen. – Erl. Geol. Kt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 99 S., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Etzold, A. (1994). Erläuterungen zu Blatt 7126 Aalen. – 3. Aufl., Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 248 S., 3 Taf., 7 Beil., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Franz, M. & Nitsch, E. (2009). Zur lithostratigraphischen Gliederung des Aalenium in Baden-Württemberg. – LGRB-Informationen, 22, S. 124–146.
  • Franz, M., Schaaf, D., Schmidt, S. & Schweizer, V. (1987). Erläuterungen zu Blatt 7719 Balingen. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 146 S., 1 Taf., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Hahn, W. (1975). Erläuterungen zu Blatt 7620 Jungingen. – Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., 89 S., 5 Taf., Stuttgart (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg). [Nachdruck 1985]
  • Kobler, H. U. (1972). Geochemische, sedimentologische und ökologische Untersuchungen im Braunen Jura alpha (Opalinuston) der Schwäbischen Alb. – Arbeiten aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Stuttgart, N. F. 66, S. 1–134.
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2006). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006 – Gewinnung, Verbrauch und Sicherung von mineralischen Rohstoffen. – – LGRB-Informationen, 18, S. 1–202.
  • Murawski, H. & Meyer, W. (2010). Geologisches Wörterbuch. 12. Aufl., 221 S., Heidelberg (Springer Spektrum).
  • Ohmert, W., Allia, V., Arias, C., Baldanza, A., Bergen, J. A., Bucefalo Palliani, R., Canales, M. L., deKaenel, E., Garcia Joral, F., Goy, A., Herrero, C., Höhndorf, A., Martinez, G., Mattioli, E., Perilli, N., Riegraf, W., Rolf, C., Ureta, S., Wetzel, A. & Wonik, T. (1996). Die Grenzziehung Unter-/Mitteljura (Toarcium/Aalenium) bei Wittnau und Fuentelsaz – Beispiele interdisziplinärer geowissenschaftlicher Zusammenarbeit. – GLA-Informationen, 8, S. 1–52.
  • Pierkes, R. (1992). Mineralogisch-Chemische und Keramotechnische Untersuchungen am Opalinuston Baden-Württembergs – Endbericht zum Forschungsprojekt. Band I Projekt, Methodik, Ergebnisse. 84 S., Aachen (Institut für Mineralogie und Lagerstättenlehre der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule in Zusammenarbeit mit dem Geologischen Landesamt Baden-Württemberg). [unveröff.]
  • Rilling, K. & Busch, R. (2003). Erläuterungen zu Blatt 7619 Hechingen. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 237 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Schmidt, M. (1922). Erläuterungen zu Blatt Geislingen a. Riedbach (Nr. 131). – Erl. Geol. Spezialkt. Württ., 85 S., 2 Taf., Stuttgart (Geologische Abteilung im württembergischen Statistischen Landesamt). [Nachdruck 1972, 1994: Erl. Geol. Kt. 1 : 25 000 Baden-Württ., Bl. 7718 Geislingen:; Stuttgart]
  • Wenk, F. (1922). Petrographisch-chemische Untersuchung der Opalinustone und ihrer Grenzschichten im Schwäbischen Jura. – Neues Jahrbuch für Mineralogie, Begleitband LVII, Abt. B, S. 172–242.