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Böden der Talauen

Die Bodengroßlandschaft (BGL) Mittleres und Westliches Keuperbergland weist ein dichtes System von Talauen auf, die 6,7 % der Bodenfläche ausmachen. Die Bäche und kleineren Flüsse entwässern letztlich alle in den Neckar, der das Gebiet von Rottenburg bis Stuttgart-Bad Cannstatt durchfließt. Allerdings benötigt die im Welzheimer Wald entspringende, nach Osten hin ausgerichtete Lein dafür den langen Umweg über den Kocher. Der Glemswald und der Nordwestteil des Schönbuchs wird v. a. durch Glems und Würm über die Enz in den Neckar entwässert. Braune Auenböden (Vega) und Auengleye aus lehmigen bis schluffig-tonigen Auenablagerungen sind die vorherrschenden Bodenformen.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Das Bild zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil unter Ackerpflanzen. Das Profil ist durch eine beschriftete Kreidetafel als Musterprofil des LGRB ausgewiesen. Das dunkelbraune Profil ist 1,10 m tief.
Kalkreicher Brauner Auenboden aus Auenlehm (L50)

In der Stufenrandbucht zwischen Rottenburg und Tübingen hat der Neckar sein Tal im wenig widerständigen Gipskeuper besonders breit ausgeräumt und eine ausdifferenzierte Auenlandschaft geschaffen. Am weitesten verbreitet sind die kalkreichen Braunen Auenböden (Vega; AG Boden, 2024) der Kartiereinheit L50. Ein Ah/aM-Profil aus 6 –> 10 dm mittel tonigem Schluff bis mittel schluffigem Ton über sandigem Kies ist die Regel. Hydromorphe Merkmale treten nur selten in tiefer eingeschnittenen Flussrinnen auf und haben allenfalls zur Ausbildung eines Auengley-Brauner Auenbodens geführt. Diese in der Neckaraue im Gebiet vorherrschende Bodengesellschaft dehnt sich auf einer Fläche von 16,4 km2 aus. Bei der zwischen Hirschau und Bühl direkt am Fluss auf größerer Fläche vorkommenden Einheit L51 findet man nur einen 1–6 dm mächtigen, z. T. kiesreichen Auenlehm. In einem Gleithangbereich, gleich östlich von Rottenburg, hat sich eine Auenterrasse mit älterem Auenlehm aus 3 bis über 10 dm mächtigem, kiesigem tonigem Lehm bis stark schluffigem Ton erhalten. In dem meist kalkhaltigen Braunen Auenboden ist häufig eine reliktische Vergleyung im nahen Untergrund festzustellen (L52). Nach dem Schwemmfächer des Arbachs folgt bis an den Ortsrand von Tübingen-Hirschau eine weitere ebene bis flachwellige Auenterrasse. Der kalkreiche Auengley-Braune Auenboden (mit reliktischer Vergleyung) besteht aus einem geringmächtigen, Kies und Kalktuff führenden Auenlehm (L54). Neckarschotter, Hochflutlehm oder Kalktuff unterlagern das Auensediment stellenweise bereits ab 3 dm u. Fl. Ein aktueller Grundwassereinfluss ist bei den kalkreichen Auengley-Braunen Auenböden (L82) gegeben, die auf mehreren Flächen zwischen Tübingen-Hirschau und Kirchentellinsfurt auftreten. Flussabwärts sind in schmalen Randlagen mit Auengleyen und Brauner Auenboden-Auengleyen auch stark hydromorph geprägte Böden vorhanden (L303).

Blick auf eine zum rechten Rand hin eingezäunte längliche Baugrube. Das freigelegte, rechts sichtbare Bodenmaterial hat zwei Farbschichten: oben rötlich braun, darunter gelblich.
Terrassenschotter des Neckars mit Deckschichten und Paläoböden bei Tübingen-Kilchberg

Neben den kalkreichen Braunen Auenböden treten in Randlagen auf erhöht gelegenen Terrassen auch stärker entwickelte Böden auf. Zwischen Tübingen-Kilchberg und Nürtingen-Oberensingen handelt es sich um karbonatfreie und teilweise lessivierte Braune Auenböden aus mittel schluffigem Ton (L88). Von Rottenburg bis Tübingen gibt es, meist am südlichen Rand der Neckaraue, mittel tief bis tief entwickelte humose Parabraunerden aus tonreichem älterem Auenlehm und Stillwassersedimenten über Neckarschotter (L30). Örtlich sind diese Parabraunerden von z. T. tiefen Kolluvien überdeckt (L44).

Das Bild zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil unter Waldboden. Das Profil ist hellbraun und führt im unteren Teil größere Steinblöcke. Ein angelehnter Spaten rechts der Mitte dient als Größenvergleich.
Auengley-Brauner Auenboden aus Auensand über Bachbettsediment (L239)

Im Welzheimer Wald stellen Auengleye aus Auensand und -lehm verbreitete Böden der Talauen dar (L241). In grundwasserfernen Abschnitten überwiegen Auengley-Braune Auenböden (L239). Beiden gemeinsam sind engräumig wechselnde Terrassenstufen und seitlich einmündende kleine Schwemmfächer, was zu einer größeren Zahl von Begleitböden führt. Bei der Einheit L239 sind z. B. Braunerden aus Auenlehm sowie Braunerden und Parabraunerden aus pleistozänen Terrassensedimenten anzutreffen. Unter landwirtschaftlicher Nutzung sind diese höher gelegenen Terrassen örtlich von Kolluvien überdeckt. Kolluvien und Gley-Kolluvien treten ebenfalls in schmalen muldenförmigen Talabschnitten und auf Schwemmfächern auf. Die Auengleye werden häufiger von Böden mit hydromorphen Merkmalen wie Nassgley, Kolluvium-Gley, Gley-Braunerde und Pseudogley-Braunerde begleitet. In der obersten Leinaue bestehen die Auengleye stets aus karbonatfreiem Auensand über nicht selten kiesreichen Bachbettablagerungen (L242). Im Hinteren Welzheimer Wald sind Gefälle und Eintiefung der Täler gering und der Wasserabzug träge. Die Bachauen werden deshalb überwiegend von Nassgleyen eingenommen (L246). Bemerkenswert sind stark vernässte Talabschnitte mit Anmoorgleyen sowie sehr kleinen Niedermooren, die z. B. im Naturschutzgebiet „Wiesentäler bei der Menzlesmühle“ liegen (Kreh, 2007an). Die Talauen der Bäche des Schurwalds stehen aufgrund ihrer Nähe zum Neckar als Hauptvorfluter nur unter geringem Grundwassereinfluss. Hier entwickelten sich Auengley-Braune Auenböden und Braune Auenböden, die z. T. tonig-lehmige Unterböden aufweisen (L575).

Literatur

  • AG Boden (2024). Bodenkundliche Kartieranleitung, 6. Aufl. – Band1: Grundlagen, Kennwerte und Methoden; Band 2: Geländeaufnahme und Systematik. 6. komplett überarbeitete und erweiterte Auflage., 552 S., Hannover (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland).
  • Kreh, U. (2007an). Wiesentäler bei der Menzlesmühle. – Wolf, R. & Kreh, U. (Hrsg.). Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart, S. 641–644, Stuttgart (Thorbecke).
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