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Mittleres und Westliches Keuperbergland

Die Bodengroßlandschaft (BGL) Mittleres und Westliches Keuperbergland ist Teil der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft bzw. des Naturraums Schwäbisches Keuper-Lias-Land. Die Keuperschichtstufe erhebt sich bis zu etwa 150 m über die Gäulandschaften im Westen und Norden. Charakteristisch ist der mehrfache Wechsel von Ton- und Mergelsteinen auf Hügeln und Hängen mit harten Sandsteinen auf den Hochflächen. Die starke Bewaldung erklärt sich aus der meist nur mäßigen Bodengüte und dem hohen Anteil an Hangbereichen. Mit dem Anstieg der Unterjura-Schichtstufe im Osten und Süden erfolgt der Übergang zum Albvorland.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Allgemeines, Lage und Abgrenzung

Über Rebanlagen hinweg geht der Blick über eine weite, teils flache, teils hügelige Landschaft. Von rechts kommen die Ausläufer einer Ortschaft in den Mittelgrund, links schließen sich aufsteigende Hänge und bewaldete Berge an.
Blick von den Rebhängen am Korber Kopf über das Remstal zum Schurwald im Süden

Die BGL Mittleres und Westliches Keuperbergland beginnt im Süden bei Trossingen als wenige Kilometer breiter Streifen zwischen den Oberen Gäuen im Westen und dem Anstieg zum Mittleren und Westlichen Albvorland im Osten. In der Gegend von Tübingen vermindert sich das Einfallen der Gesteinsschichten nach Südosten und die Mächtigkeit der Keupergesteine nimmt zu, so dass sich die Bodengroßlandschaft nördlich des Neckartals im Schönbuch und Glemswald flächig ausbreitet (Huttenlocher, 1959; Huttenlocher & Dongus, 1967). Bei Leonberg biegt die Keuperschichtstufe nach Osten ab. Nach Norden hin grenzt ab hier die Gäulandschaft des Neckarbeckens an. Durch die Störungen des Fildergrabens bedingt, greift das Albvorland südlich von Stuttgart weit nach Nordwesten aus. Dadurch wird der Ausstrich des Mittleren Keupers deutlich eingeengt. Östlich des Neckars beginnt mit dem Schurwald wieder ein ausgedehntes Keuperbergland. Rücken und Plateaus im Unterjura wurden in diesem Bereich in das Keuperbergland mit einbezogen. Dies gilt ebenso für den nördlich des Remstals ansteigenden Welzheimer Wald und die Berglen. An der Wasserscheide von Rems und Lein zum Einzugsgebiet der Murr und des Kochers sowie kurz vor der Einmündung der Lein in den Kocher schließen die Schwäbisch-Fränkischen Waldberge als nordöstlicher Teil des baden-württembergischen Keuperberglands an (Dongus, 1961). Die intensive Verzahnung mit dem Albvorland ist kennzeichnend für die Bodengroßlandschaft.

Blick über steile Rebhänge auf ein flaches Tal. Links fließt ein breiter Fluss auf eine größere Siedlung zu. Dahinter erheben sich bewaldete Berge. Direkt unterhalb der Rebanlagen verläuft eine Bahnlinie mit einem fahrenden Zug.
Neckartal bei Esslingen-Weil

Die gesamte Bodengroßlandschaft gehört zum Einzugsgebiet des Neckars. Zwischen Rottenburg a. N. und Stuttgart bildet das Neckartal einen wichtigen Landschaftsteil und Siedlungsraum. Das Remstal erschließt den nordöstlichen Teil des Gebiets mit dem Welzheimer Wald und den nördlichen Teil des Schurwalds. Die Wässer aus dem südlichen Teil des Schurwalds erreichen den Neckar über die Fils. Die Lein fließt auf ihrem Weg nach Osten v. a. durch den dünner besiedelten Hinteren Welzheimer Wald. Über den Kocher ist auch ihr Einzugsgebiet mit dem Neckar verbunden. Der nordwestliche Teil des Schönbuchs hat über Würm und Enz Anschluss zum Neckar. Der nördlich anschließende Glemswald wird von der bei Leonberg in nördliche Richtung abbiegenden Glems in die Enz entwässert, während die Bäche der Stuttgarter Traufbucht direkt dem Neckar zuströmen.

Zu sehen ist eine weite grüne Wiese, die sich bis zum Horizont ausbreitet. Rechts, hinter einem Feldweg, steht eine Baumgruppe. Links ist eine Störungszone mit Schilfbewuchs erkennbar. Im Hintergrund erheben sich bewaldete Berge.
Neckaraue bei Rottenburg-Kiebingen

Das Neckartal verläuft von Rottenburg über das Neckarknie bei Plochingen bis zum Übergang in das Neckarbecken bei Stuttgart-Bad-Cannstatt durch das Keuperbergland (Fezer, 2007). Es trennt zwischen Rottenburg und Tübingen den südlich des Tals ansteigenden Rammert vom Spitzberg und dem nördlich des Ammertals gelegenen Schönbuch. Die beim Erreichen der Stufenrandbucht bis zu 2 km breite, im Süden von Hochterrassen begleitete Neckaraue verengt sich nach der Einmündung der Ammer bei Tübingen-Lustnau deutlich. Ab hier bildet der widerständige Stubensandstein die Talhänge. Bei Neckartailfingen queren die Verwerfungen des Fildergrabens das Tal und die Plateaus des Unterjuras bilden die Talschultern. Die an den Talhängen anstehenden, leicht ausräumbaren Tongesteine der Trossingen-Formation führen zu einer vorübergehenden Ausweitung der Talaue. Bei Neckarhausen folgt eine weitere kurze Engtalstrecke. Bei Plochingen wendet sich der Neckar etwa rechtwinklig nach Nordwesten und nimmt damit zunächst die Fließrichtung der einmündenden Fils auf. Das Neckarknie verweist bis heute auf das Flusssystem der Neckar-Lone, die während des Tertiärs noch vor etwa 6 Mio. Jahren (Miozän/Pliozän) das Gebiet des heutigen Oberen Neckars über das Filstal zur Donau entwässerte. Erst ab dem Oberpliozän (vor ca. 3 Mio Jahren) konnte der vom Oberrheingraben her sich allmählich eintiefende Neckar aufgrund seiner stärkeren Erosionskraft und der Verlegung der Oberjura-Schichtstufe nach Süden das Gebiet der Neckar-Lone anzapfen und annähernd seinen heutigen Verlauf annehmen (Simon, 2010; Villinger, 2011). Der Anstieg der Talhänge ist aufgrund der Schurwald-Randverwerfung in zwei Stufen gegliedert und meist nur mäßig steil. So konnte der Fluss den vermutlich teilweise noch von Rutschmassen überlagerten Stubensandstein abtragen und einen etwa 1 km breiten Talgrund ausräumen. Diese Talstrecke reicht bis zum Stuttgarter Talkessel, der in den morphologisch weichen Gesteinen der Grabfeld-Formation angelegt ist. Hier kommt es zunächst zu einer Aufweitung des Talbodens, die aber unterhalb von Bad Cannstatt rasch endet. Mit dem Einschneiden des Neckars in sein enges Kastental im Oberen Muschelkalk folgt die Gäulandschaft des Neckarbeckens.

  • Panoramabild mit links dicht besiedelten Ebenen und rechts stark bewaldeten Hängen. Im Hintergrund erheben sich weitere bewaldete Höhenzüge.

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Literatur

  • Dongus, H. (1961). Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 171 Göppingen. – Geographische Landesaufnahme 1 : 200 000. – Naturräumliche Gliederung Deutschlands, 54 S., Bad Godesberg (Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung).
  • Fezer, F. (2007). Der Neckar in seiner geologischen, geomorphologischen und geographischen Vielfalt. – LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.). Der Neckar. Das Land und sein Fluss, S. 44–108, Ubstadt-Weiher (Verlag Regionalkultur). [Naturschutz - Spectrum Themen 96]
  • Fleck, W. (1992b). Blatt 7319 Gärtringen, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 41 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Fleck, W. (1992c). Blatt 7420 Tübingen, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 39 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Hornig, W. (1993a). Blatt 7120 Stuttgart-Nordwest, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 49 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Hornig, W. (1993b). Blatt 7121 Stuttgart-Nordost, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 45 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Huttenlocher, F. (1959). Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 178 Sigmaringen. – Geographische Landesaufnahme 1 : 200 000. – Naturräumliche Gliederung Deutschlands, 61 S., 1 Kt., Bad Godesberg (Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung).
  • Huttenlocher, F. & Dongus, H. (1967). Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 Stuttgart. – Geographische Landesaufnahme 1 : 200 000. – Naturräumliche Gliederung Deutschlands, 76 S., Bad Godesberg (Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung).
  • Kösel, M. (2004a). Erläuterungen zu Blatt 7421 Metzingen. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 164 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Kösel, M. & Hornig, W. (2001). Erläuterungen zu Blatt 7221 Stuttgart-Südost. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 139 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Kösel, M. & Weiß, M. (2000). Erläuterungen zu Blatt 7321 Filderstadt. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 213 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten Baden-Württemberg (1980). Freiräume in Stadtlandschaften – Reutlingen-Tübingen. 111 S., 8 Karten.
  • Müller, S. (1961). Grundzüge der Bodenbildung im württembergischen Keuperbergland. – Mitteilungen des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung, 11, S. 3–60.
  • Rilling, K. & Busch, R. (1999). Erläuterungen zu Blatt 7717 Oberndorf am Neckar. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 90 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Rilling, K. & Busch, R. (2002). Erläuterungen zu Blatt 7617 Sulz am Neckar. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 183 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Rilling, K. & Busch, R. (2003). Erläuterungen zu Blatt 7619 Hechingen. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 237 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Rilling, K. & Link, B. (1999). Erläuterungen zu Blatt 7817 Rottweil. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 112 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Schuler, B. (1992a). Blatt 7519 Rottenburg, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 53 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Schuler, B. & Hummel, P. (1992). Blatt 7419 Herrenberg, Karte und Tabellarische Erläuterung. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 49 S., Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • Simon, T. (2010). Karten zur Landschaftsgeschichte in Baden-Württemberg. – LGRB-Informationen, 25, S. 47–66.
  • Villinger, E. (2011). Erläuterungen zur Geologischen Übersichts- und Schulkarte von Baden-Württemberg 1 : 1 000 000. 13. Aufl., 374 S., 1 Karte, Freiburg i. Br.
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