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Böden der Hangbereiche

Die Stufen- und Talhänge beanspruchen im stark zertalten Keuperbergland etwa 41 % der Bodenfläche. Das Ausgangsmaterial der Böden besteht aus z. T. mehrgliedrigen Fließerdepaketen sowie aus Hangschutt oder Rutschmassen. Infolge der weit verbreiteten Zweischichtigkeit mit tonreichen Fließerden im Unterboden sind Pelosol-Braunerden und durch Erosion aus ihnen hervorgegangene Braunerde-Pelosole die bestimmenden Bodenformen. Daneben treten im Ausstrichbereich des Stubensandsteins auch Braunerden auf. Auf Rutschhängen hat sich ein engräumiger Bodenwechsel ausgebildet. Im Weinbaugebiet entlang des Neckar- und Remstals wurden die natürlichen Böden durch menschliche Tätigkeit zu Rigosolen und Rigosol-Auftragsböden überformt.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Blick auf einen nach rechts aufsteigenden Rebhang. Unterhalb der Bildmitte ist eine Stützmauer aus Bruchsteinen zu sehen, die teilweise mit blühenden Pflanzen bewachsen ist. Auf der Kuppe des Hanges stehen einige Bäume.

Rebhang bei Ammerbuch-Breitenholz

Die traditionellen Kleinterrassen an den Sonnhängen des Schönbuchs und Spitzbergs zeigen hier einen kleinflächigen Wechsel von Reben und Obstwiesen (L5b).

Blick auf ein Musterprofil des LGRB unter Wald. Die graubraune, oben Steine führende Profilwand ist achtzig Zentimeter tief. Ein Schild rechts unten nennt Nummer und Name des Profils.
Braunerde-Pelosol aus skelettreicher lösslehmhaltiger Fließerde (Hauptlage) über Tonfließerde (Basislage), L90

Im Schönbuch schließen unterhalb der Böden aus Hangschutt Braunerde-Pelosole und Pelosol-Braunerden mit einer 2–4 dm mächtigen, sehr stark durch Oberkeuper-Sandsteine und ‑Blöcke geprägten Deck- bzw. Hauptlage über einer tonreichen Basislage aus Knollenmergel-Material an (L90). Diese Böden kommen bevorzugt an stark geneigten und steilen Sonnhängen vor. An Schatthängen und Hangabschnitten mit konkaver Horizontalwölbung bilden Pelosol-Braunerden mit 3–5 dm mächtiger Decklage über Basislage die Leitböden (L91). Die Fließerden aus Oberkeuper- und Knollenmergel-Material überziehen auch größere Teile des Ausstrichbereichs der Löwenstein-Formation. In von älteren, kaltzeitlichen Rutschungen überprägten Bereichen wurden von diesem Materialgemenge auch die Gesteine der Steigerwald- bis Mainhardt-Formation verhüllt. In Leelagen mit günstigen Verhältnissen für die Ablagerung äolischer Sedimente ist zwischen Deck- und Basislage immer wieder eine meist geringmächtige (< 2 dm) Mittellage eingeschaltet. In ihr haben sich i. d. R. Bv-Horizonte gebildet, sodass Pelosol-Braunerden entwickelt sind. Nur vereinzelt und kleinflächig finden sich in z. T. steilen nordostexponierten Lagen bis über 10 dm mächtige Pakete aus lösslehmreichen Deckschichten mit Parabraunerden. Die Hänge im Verbreitungsgebiet der Einheit L91 sind zudem durch Mulden und Abflusslinien gegliedert, in denen schwach staunasse Pseudogley-Pelosol-Braunerden sowie vereinzelt Braunerde- oder Parabraunerde-Pseudogleye auftreten.

Die Einheiten L90 und L91 wurden aufgrund der Ergebnisse einer Detailkartierung neu gebildet. Die Kartierung wurde 2021 in Verbindung mit einem Projekt zum Digital Soil Mapping im Goldersbach-Einzugsgebiet durchgeführt (LGRB & Universität Tübingen; siehe Download rechte Spalte). Die Vorkommen von podsoligen Braunerden (L18) und Podsolen (L33) aus Fließerden und Hangschutt unterhalb der Oberkeuper-Plateaus im Schönbuch gehören ebenfalls zu den wichtigen Ergänzungen in der Bodenkarte als Folge dieses Projekts. Der Aufbau der periglaziären Lagen und ihr Einfluss auf die Bodenentwicklung im Goldersbachgebiet wird von Fleck et al. (2025) anhand ausgewählter Bodenprofile beschrieben.

Das Bild zeigt ein aufgegrabenes Bodenprofil unter Grasboden. Das rötlich braune, knollige Profil ist 1 m tief.
Braunerde-Pelosol aus geringmächtiger lösslehmhaltiger Fließerde über toniger Fließerde aus Material des Knollenmergels (L10)

Entlang der Unterjura-Schichtstufe erstrecken sich langgezogene Hänge vorwiegend im Ausstrichbereich der Trossingen-Formation. Im Schönbuch und Glemswald sowie in den Keupergebieten südlich des Neckartals werden diese Hänge von Pelosolen und Braunerde-Pelosolen (L10) eingenommen (Kösel & Fleck, 2017). Einige sonnseitige Hangabschnitte wurden früher weinbaulich genutzt und weisen durch Rigolen überprägte Bodenprofile auf (L10b). Tonreiche Fließerden (Basislage) und Rutschmassen wechseln sich ab. Am Oberhang bestehen die Fließerden häufig aus Unterjuramaterial. Unterhalb des Ausstrichbereichs der Exter-Formation enthalten die Fließerden und Rutschmassen teilweise große Sandsteinblöcke. Die Oberböden entwickelten sich verbreitet in einer geringmächtigen (< 3 dm) lösslehmhaltigen Fließerde (Decklage).

Nur nördlich von Ebersbach an der Fils ist aufgrund einer Verwerfung im geologischen Schichtaufbau ein überwiegend schwach geneigter, südexponierter Hang im Unterjura entwickelt. In dem von der Psilonotenton- bis zur Numismalismergel-Formation reichenden Hangabschnitt sind mäßig tief und tief entwickelte Pelosol-Braunerden, Pseudogley-Pelosol-Braunerden und Braunerde-Pelosole aus Fließerden (Deck- über Basislage) ausgebildet (L600).

Mittel tief entwickelter Pelosol aus zweischichtigen Rutschmassen aus Knollenmergel- über Unterjura-Material (L566)

Im Schurwald und Welzheimer Wald sowie in den Keupertälern, die das Östliche Albvorland durchschneiden sind die Hänge großflächig von Rutschungen geprägt. Dadurch kommt es zu einem sehr engräumigen Bodenwechsel von Pelosolen, Braunerden und Parabraunerden mit Pseudogleyen und Quellengleyen, die in der Bodeneinheit L566 zusammengefasst wurden. In gestreckten und konvexen Hanglagen im Bereich des Knollenmergels fehlen die Rutschungen, sodass mäßig tief entwickelte Pelosole und Braunerde-Pelosole aus Fließerden die vorherrschenden Böden darstellen (L204). Die übrigen von Fließerden bedeckten Hänge sind im Schurwald und Welzheimer Wald meist nur wenig anthropogen verändert. Unter Wald und Grünland hat sich deshalb eine Abfolge aus 3–6 dm mächtiger lösslehmhaltiger Decklage über einer tonig-lehmigen bis tonreichen Basislage erhalten, in der Pelosol-Braunerden und Braunerden entwickelt sind (L529). Hangabwärts schließen örtlich Pelosol-Braunerden aus Keuper-Fließerden mit Knollenmergel- und Stubensandstein-Material an (L536). Bevorzugt in nord-und ostexponierten (Unter-)Hangbereichen kam es während der Kaltzeiten zu einer stärkeren Ablagerung von äolischem Material, das in z. T. tiefgründigen Fließerden mit Keuper- und Unterjuramaterial vermengt wurde. Neben zweischichtigen Parabraunerden aus Deck- über Mittellage treten dreischichtige Pelosol-Parabraunerden mit einer tonreichen Fließerde (Basislage) aus Keuper- oder Unterjuramaterial im tieferen Unterboden auf (L521). In für die äolische Sedimentation besonders günstigen Landschaftsteilen wird die lösslehmhaltige Fließerdedecke noch etwas mächtiger, sodass tief entwickelte Parabraunerden vorherrschen und Pelosol-Parabraunerden nur noch Begleitböden bilden (L548). Diese Böden sind außer im Schurwald auch entlang des Neckartals zwischen Altdorf bei Nürtingen und Pliezhausen-Rübgarten verbreitet.

Das Foto zeigt offenliegenden Boden zwischen aufgebrochenen Weinbergmauern. Der rötlich braune Boden führt im unteren, flacheren Teil Steine.

Kalkreicher Rigosol aus umgelagerter Fließerde aus Material der Löwenstein-Formation (L451)

Weiterführende Links zum Thema

Literatur

  • AG Boden (2024). Bodenkundliche Kartieranleitung, 6. Aufl. – Band1: Grundlagen, Kennwerte und Methoden; Band 2: Geländeaufnahme und Systematik. 6. komplett überarbeitete und erweiterte Auflage., 552 S., Hannover (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland).
  • Fleck, W., Henkner-Sennock, J. & Haas, P. (2025). Exkursion E09: Wie ist die Lage…? – Böden des Schönbuchs unter besonderer Berücksichtigung von Bodenausgangsgestein und Lagengliederung. – Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft, Exkursionsführer Tübingen 2025; DBG Mitteilungen, Band 121, S. 83–119, verfügbar unter https://www.dbg2025.de/exkursionen.html.
  • Kösel, M. (2004a). Erläuterungen zu Blatt 7421 Metzingen. – Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25 000, 164 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Kösel, M. & Fleck, W. (2017). Periglaziäre Lagen – Ansprache und Gliederung in der feldbodenkundlichen Praxis und ihre Bedeutung für die Bodenbildung. – Beispiele aus Teilgebieten der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft von Baden-Württemberg. – LGRB-Fachbericht, 2017/1, S. 1–78, Freiburg i. Br. (Regierungspräsidium Freiburg – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
  • Regierungspräsidium Tübingen (2006). Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Tübingen. 2. überarb. u. erw. Aufl., 599 S., Ostfildern (Thorbecke).
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