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Bodeneigenschaften

Blick auf einen Aufschluss am unteren Ende eines flach ansteigenden Waldhanges. Das sichtbare Bodenprofil ist stark mit geschichtetem Gesteinsmaterial gefüllt.
Terra fusca-Rendzina aus Kalkstein der Hauptrogenstein-Formation (y3)

Die in diesem Kapitel beschriebenen Böden nehmen in der Bodengroßlandschaft 10 % der Fläche ein und sind in der Bodenkarte in 45 Kartiereinheiten gegliedert. Die starke Differenzierung liegt in erster Linie an der kleinräumigen, tektonisch bedingten Geologie am Schönberg mit allein 34 Kartiereinheiten auf Ausgangsgesteinen der Trias, des Juras und Tertiärs, die jeweils meist weniger als 0,5 % der Bodengroßlandschaft einnehmen.

Blick auf ein Musterprofil des LGRB unter Grünland. Die schwarzgraue bis schwarzbraune, unten Gestein führende Profilwand ist in fünf Horizonte gegliedert und 1 Meter tief. Rechts oben nennt eine Tafel Nummer und Name des Profils.
Mäßig tief entwickelter Tschernosem aus umgelagertem Löss auf Karbonatitschutt und Karbonatit (y16)

Zu den Böden auf Festgesteinsverwitterung gehören die flachgründigen Böden in den Kammlagen und Steilhängen von Kaiserstuhl, Schönberg und Tuniberg. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich deutlich von den oben beschriebenen mittel- bis tiefgründigen Böden auf Fließerden. Sie besitzen nur sehr geringe bis geringe FK und nFK, hohe LK- und kf-Werte sowie eine sehr geringe bis mittlere KAK. Die zugehörigen Kartiereinheiten sind y1, y2 und y5 auf magmatischen Gesteinen des Kaiserstuhls sowie y3 und y4 auf Muschelkalk-, Jura- und Tertiärgestein am Schönberg sowie y9 auf Juragestein am steilen Westabfall des Tunibergs. Ihr Flächenanteil erreicht zusammen nur 0,6 % der Bodengroßlandschaft, wobei den flachgründigen Rendzinen auf Karbonatit im zentralen Kaiserstuhl mit Trocken- und Halbtrockenrasen aus Naturschutzgründen eine besondere Bedeutung zukommt.

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Im Vordergrund des Bildes sind stufige Lössterrassen zu sehen, die nach rechts ansteigen, sowie Grünland. Zum Hintergrund hin breitet sich unter einem Gewitterhimmel eine Landschaft mit Feldern, Hügeln, Bergen und großflächiger Besiedelung aus.
Anlage neuer Lössterrassen bei der Flurneuordnung Ihringen 2014

Die Fruchtbarkeit der Lössböden beruht in erster Linie auf der hohen bis sehr hohen nutzbaren Feldkapazität (nFK) von 170–230 mm. Feldkapazität (FK), Luftkapazität (LK) und gesättigte Wasserdurchlässigkeit (kf-Wert) liegen im mittleren Bereich und sorgen für einen ausgewogenen Wasser- und Lufthaushalt. Die Kationen­austausch­kapazität (KAK) ist meist mittel bis hoch. Bei den Pararendzinen schränkt der hohe Kalkgehalt die Nährstoff­verfügbarkeit ein. Aufgrund der hohen Schluffgehalte sind die Böden sehr erosionsanfällig, was besonders auf die ton- und humusarmen Pararendzinen zutrifft. Durch die Terrassierung der hängigen Lagen entstanden weitgehend ebene, heute meist begrünte Bewirtschaftungs­flächen, auf denen der Bodenabtrag weniger zur Wirkung kommt. Bei der Boden­bearbeitung neigen die Lössböden zur Verdichtung. Unter dem Bearbeitungs­horizont bildet sich eine Pflugsohle mit geringem Grobporenanteil und ungünstiger Bodenstruktur. Auf den Großterrassen sind die Auftragsböden aus Lössmaterial (y81) durch den Einsatz schwerer Großmaschinen meist bis in den tieferen Unterboden verdichtet. Die Luftkapazität ist deutlich geringer als bei der Pararendzina aus Löss. Das Wachstum der Pflanzenwurzeln ist erschwert und die Wasserversickerung eingeschränkt.

Blick auf ein Musterprofil des LGRB unter Ackerland. Die sichtbare Profilwand ist rotbraun, in acht Horizonte eingeteilt und einen Meter dreißig tief. Rechts oben gibt eine Tafel Nummer und Name des Profils an.
Auengley-Brauner Auenboden aus Auensand (y169)

Die Schluffgehalte der Auenböden gehen v. a. auf die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Lössböden in den Vorbergen und im Kaiserstuhl zurück, wobei humoses Oberbodenmaterial in die Fließgewässer geschwemmt und bei Hochwasser in den Überflutungsbereichen abgelagert wird. Sandig-lehmige Auensedimente kommen in der Elzaue zwischen Denzlingen und Emmendingen vor (y172). Auensande dominieren die Aue des Neumagen zwischen Staufen und Bad Krozingen (y169).

Den Auensedimenten fehlt die durch kryoturbate Prozesse entstandene Zweischichtigkeit der Hochflutablagerungen, da sie ausschließlich im Holozän unter warmzeitlichen Bedingungen ohne Dauerfrostboden abgelagert wurden. An ihrer Feinschichtung, besonders mit sandigen oder kiesigen Lagen, lässt sich das Aufwachsen der Auenablagerungen im Zuge einzelner Hochwasserereignisse nachvollziehen. Die Böden aus mächtigem Auensediment (v. a. y220, y172, y200, y224) oder aus Auensediment über durchlässigem Flussschotter (v. a. y213, y218) sind wenig staunass. Pseudovergleyung tritt bevorzugt in Böden auf, bei denen das gut durchlässige Auensediment ab 3–8 dm u. Fl. von dichtgelagertem Hochflutlehm oder tonigem Altwassersediment unterlagert wird (v. a. y216, y214, y183, y190, y186). So sind z. B. im Stau der Riegeler Pforte Auen­pseudogley-Auengley (y216), pseudovergleyter Brauner Auenboden und Auenpseudogley-Brauner Auenboden (y186) aus Auenlehm über Hochflutlehm verbreitet. Unterhalb des tonreichen Unterbodens ist immer wieder gespanntes Grundwasser anzutreffen.

Literatur

  • Genser, H. (2006). Geologie des Schönbergs. – Körner, H. (Hrsg.). Der Schönberg – Natur- und Kulturgeschichte eines Schwarzwald-Vorberges, S. 15–54, 4 Taf., Freiburg i. Br. (Lavori Verlag).
  • Herrmann, L., Jahn, R., Stahr, K., Fleck, W. & Zarei, M. (2004a). The Kaiserstuhl Volcano. – Stahr, K. & Fleck, W. (Hrsg.). Soils, landscapes and environmental problems. Eurosoil 2004, Freiburg im Breisgau, Germany – Excursion Guide Book, S. 163–194, Freiburg i. Br. (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg).
  • Lechner, A. (2005). Paläoökologische Beiträge zur Rekonstruktion der holozänen Vegetations-, Moor- und Flussauenentwicklung im Oberrheintiefland. – Diss. Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg., 267 S.
  • LfU – Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (2004). Bodenzustandsbericht Region Freiburg. – Bodenschutz, 17, 132 S., Karlsruhe, verfügbar unter file:///C:/Users/rillingk/Downloads/72499-Stadt_Freiburg__Teilr%C3%A4ume_der_Landkreise_Breisgau-Hochschwarzwald_und_Emmendingen.pdf.
  • Schneider, A., Friedmann, A. & Mäckel, R. (1998/99). Hangsedimente und Kolluvien in den Lößgebieten Südbadens. – Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br., 88/89, S. 1–16.
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