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Trasszementrohstoff Suevit: Ries Suevit der östlichen Schwäbischen Alb

Verbreitungsgebiet: Östliche Schwäbische Alb, Ries

Erdgeschichtliche Einstufung: Ries-Suevit (tXS), Tertiär

(Hinweis: Die Rohstoffkartierung liegt noch nicht landesweit vor. Der Bearbeitungsstand der Kartierung lässt sich in der Karte über das Symbol „Themenebenen“ links oben einblenden.)

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Übersichtskarte des Rieskraters und Verbreitung von Ries-Suevit-Vorkommen in schwarz. Die Karte ist beschriftet und mit Maßstab und Nordpfeil bestückt. Unter der Karte befindet sich ein Legende.

Übersichtskarte mit einer Darstellung der Ausdehnung des Nördlinger Rieskraters und der Verbreitung von Ries-Suevit-Vorkommen und Bunten Riestrümmermassen außerhalb des Kraters (nach: Hüttner 1977, verändert). Eingetragen sind wichtige Steinbrüche: (1) Altenbürg, (2) Seelbronn, (3) Otting, (4) Aumühle. Die wichtigen baden-würt­tem­bergischen Vorkommen befinden sich im Raum Eglingen-Hofen-Dunstelkingen (2).

Gestein

Detailaufnahme eines Gesteins: In einer grünlich grauen, festen Grundmasse befinden sich helle Bruchstücke und längliche, dunkle, glasige Einschlüsse. Links unten befindet sich eine Münze als Maßstab.
Gesteinsgläser und Kristallinbruchstücke in einer grünlich grauen, festen Grundmasse

Die Ries-Suevite sind meist mäßig verfestigte bis zähe, tuffartige, grünlich graue bis gelblich graue Gesteine. Die feinkörnige Grundmasse bestehen aus einem Mikrokataklasit der mesozoischen Sedimentgesteine der Schwäbisch-Fränkischen Alb sowie Gesteinsglaspartikeln, Mineralfragmenten und dem Tonmineral Montmorillonit. In die Matrix sind Gesteinsbruchstücke unterschiedlicher Größe (mehrere cm bis zu 1 m) eingebettet, die sich meist aus Grundgebirgsgesteinen wie Gneisen, Graniten, Dioriten und Amphiboliten, aber auch aus Karbonatgesteinen der Alb zusammensetzen. Charakteristisch für die Ries-Suevite sind die schwarzen bis grauen Gesteinsgläser, die beim Impakt entstanden sind und als fetzenartige bis wulstige „Flädle“ vorliegen.

Gewinnung und Verwendung

Detailaufnahme eines Gesteins: in der grünlich grauen Grundmasse befinden sich zahlreiche helle Gesteinsbruchstücke, dunkelgrüne Kristalle, ein großer orangener Kristall und zahlreiche schwarze, glasige Einschlüsse.
Grundgebirgsbruchstücken in Ries-Suevit

Gewinnung: In Baden-Württemberg sind keine Steinbrüche im Ries-Suevit in Betrieb. In Bayern werden in den Steinbrüchen bei Aufhausen und Oettingen (Aumühle) Ries-Suevite als Zuschlagstoff für die Zementindustrie mittels Reißbagger in flachen Kesselabbauen gewonnen.

Verwendung: Aufgrund ihrer puzzolanischen Eigenschaften, bedingt durch reaktives Siliziumoxid der Gesteinsgläser, werden die Ries-Suevite als Trasszementrohstoff eingestuft. Das gemahlene Gestein geht mit Kalk wasserbeständige Zementverbindungen ein.

  • Blick auf eine etwa 10 Meter hohe Abbauwand. Das anstehende Gestein ist oben hellgelb und kompetent, darunter befindet sich eine hellere Brekzie. Neben und über der Wand wachsen hellgrüne Büsche und Bäume.
  • Detailaufnahme eines Gesteins: In einer grünlich grauen, festen Grundmasse befinden sich helle Bruchstücke und längliche, dunkle, glasige Einschlüsse. Links unten befindet sich eine Münze als Maßstab.
  • Detailaufnahme eines Gesteins: Rechts und links unten befindet sich schwarzes, glasiges Material, links oben und rechts unten gelb-braunes Material. Die beiden Anteile sind ineinander verschlungen und verwachsen.
  • Blick auf eine alte, teilweise bewachsene Abbauwand eines aufgelassenen Steinbruchs. Auf der Wand aus hellgelbem Gestein sind ein paar Menschen zu erkennen. Links vor der Wand steht eine kleine Holzhütte.
  • Das Bild zeigt Portalgewände und ein Stück einer Mauer in einer Kirche. Das Gestein ist bläulich grau (Gewände) bzw. hell- bis mittelgrünlich (Mauer) und weist viele Einschlüsse auf. Rechts auf der Mauer befindet sich noch ein blau-weißes Wappen.
  • Detailaufnahme eines Gesteins: in der grünlich grauen Grundmasse befinden sich zahlreiche helle Gesteinsbruchstücke, dunkelgrüne Kristalle, ein großer orangener Kristall und zahlreiche schwarze, glasige Einschlüsse.
  • Blick von schräg oben in einen Steinbruch, in welchem hellgrau-beiges Gestein abgebaut wird. In der Bildmitte und der untersten Sohle des Steinbruchs befindet sich grünliches Wasser.

Literatur

  • Baier, J. (2012). Die Bedeutung von Wasser während der Suevit-Bildung (Ries-Impakt, Deutschland). – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N. F., 94, S. 55–69, Stuttgart.
  • Buchner, E. & Schmieder, M. (2009). Suevit – Entstehung und Auftreten in den Meteoritenkratern der Erde. – Rosendahl, W. & Schieber, M. (Hrsg.). Der Stein der Schwaben. Natur- und Kulturgeschichte des Suevits, S. 19–23, Stuttgart (Kulturgestein, 4).
  • Buchner, E., Schmieder, M., Schwarz, W. H. & Trieloff, M. (2013). Das Alter des Meteoritenkraters Nördlinger Ries ‒ eine Übersicht und kurz Diskussion der neueren Datierungen des Riesimpakts. – Z. dt. geol. Ges., 164, S. 433–445.
  • Engelhardt, W. V., Arndt, J., Fecker, B. & Panka, H. G. (1995). Suevite breccia from the Ries crater, Germany: Origin, cooling history and devitrification of impact glasses. – Meteoritics, 30(3), S. 279–293.
  • Gentner, W. & Wagner, G. A. (1969). Altersbestimmungen an Riesgläsern und Moldaviten. – Geologica Bavarica, 61, S. 296–303.
  • Hüttner, R. & Schmidt-Kaler, H. (2003). Meteoritenkrater Nördlinger Ries. – Wanderungen in der Erdgeschichte, 10, S. 144, München.
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (2013). Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2012/2013: Bedarf, Gewinnung und Sicherung von mineralischen Rohstoffen – Dritter Landesrohstoffbericht. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Hrsg.). LGRB-Informationen, 27, S. 1–204.
  • Liebl, J. & Heuschkel, S. (2009). Der Schwabenstein und seine industrielle Nutzung. – Rosendahl, W. & Schieber, M. (Hrsg.). Der Stein der Schwaben. Natur- und Kulturgeschichte des Suevits, S. 25–27, Stuttgart (Kulturgestein, 4).
  • Werner, W., Wittenbrink, J., Bock, H. & Kimmig, B. (2013a). Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung. – Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, 765 S., Freiburg i. Br. (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).