Sie befinden sich hier:

Bergrutsch Mössingen

Luftbild einer Rutschung an einem bewaldeten Berghang. Die großen Rutschflächen unterscheiden sich in ihrer hellen Farbe deutlich vom Grün der Bäume. Die Fließrichtung geht von rechts oben nach links unten.
Luftbild des Bergrutsches am Hirschkopf bei Mössingen; Aufnahmedatum 1993 (Foto: BNL Tübingen)

Lageplan des Bergrutsches

Blick auf eine steile, oben bewaldete Felswand sowie nach unten abgerutschten Gesteins- und Erdmassen. Mitgerissene Bäume liegen verteilt am Hang oder haben sich am Fuß aufgehäuft.
Abrisswand mit abgerutschten Schollen

Unterhalb der Abrisswand schließt sich eine Grabenzone an, welche zum Top der Rutschmasse überleitet. Diese bedeckt einen rund 600 m breiten Hangabschnitt. In talwärtiger Richtung misst die Grabenzone rund 150–200 m, bzw. im Grabenboden ca. 50 m. Im Nahbereich der Abrisswand wird die Grabenstruktur durch eine Decke aus Blockschutt nachgebrochener Kalksteine und -Schollen verhüllt (Schädel & Stober, 1988).

 

Längsschnitt des Bergrutsches

Das Bild zeigt die Abrisskante eines Bergrutsches, von der Kante aus gesehen. Nach unten sind die hellen Bereiche der Rutschmassen sowie am Hangfuß umgestürzte Bäume zu erkennen. Dahinter steht Wald.
Untergeordnete Abrisskante mit „Kieswüste“

Talseitig wird die Horstscholle durch eine rund 15–20 m hohe untergeordnete Abrisskante begrenzt, an die unterhalb davon eine „Kieswüste“ anschließt. Diese erstreckt sich mit 450–500 m über die gesamte Breite der Hangbewegung und erreicht in Richtung des Hanggefälles bis zu 250 m. Am randlichen Bereich der untergeordneten Abrisskante sind gestaffelt mehrere Zerrspalten entstanden, die sich auffächern und um mehrere Dezimeter gegeneinander verrutschte, 5–10 m breite Schollen voneinander trennen (Bibus, 1986). Die „Kieswüste“ zeichnet sich im zentralen Teil des Bergrutsches, unterhalb an die untergeordnete Abrisskante angrenzend, durch turmartige bis pyramidenförmige Bastionen aus verbackenem Hangschutt („Schuttbrekzie“) aus. In der „Kieswüste“ ist mergeliger Bergkies aus Kalksteinscherben und -bruchstücken aufgeschlossen, der im Wesentlichen vom vorderen, abgebrochenen Teil der Horstscholle stammt (Schädel & Stober, 1988).

Blick auf eine helle Abrisskante und links sich ausbreitende Rutschmassen. Oberhalb der Kante ist ein höher verlaufender bewaldeter Berghang erkennbar.
Untergeordnete Abrisskante zwischen Horst und „Kieswüste“ (Foto: Fundinger, 1985)
Das Bild zeigt eine hornartige Erhöhung aus gelblichem Gesteinsschutt.
Meiler- bis pyramidenförmige Strukturen aus verbackenem Hangschutt (Foto: Fundinger, 1985)

In der „Kieswüste“ durchziehen rund dreißig bis sechzig girlandenartig angeordnete Wälle (ca. 2–3 m hoch, etwa 4–5 m breit) quer den Rutschkörper. Die Wälle sind beidseitig mit rund 45–50° geneigt. In räumlicher Nähe zueinander ist an zwei Stellen innerhalb der „Kieswüste“ das Liegende des auflagernden Hangschutts aufgeschlossen. Dabei handelt es sich um einen braunen Ton bis Tonstein der Ornatenton-Formation oder des Parkinsoni-Ooliths der Hamitenton-Formation, der als Rutschhorizont fungierte. In Rutschrichtung sind an der rund 25–30° geneigten Fläche der aufgeschlossenen Ton bis Tonsteine Bewegungsspuren entwickelt. Im Westen endet die „Kieswüste“ an einer rund 3–8 m hohen, nahezu senkrechten Kieswand aus leicht verbackenem Hangschutt, welche an den westlich daran angrenzenden, nicht reaktivierten Teil einer alten Rutschmasse überleitet. An ihrer östlichen Begrenzung geht die „Kieswüste“ durch ein von Spalten durchzogenes und in kleine Schuppen zerlegtes Waldgelände in den nicht reaktivierten Hangbereich über. An ihrem unteren Rand wird die „Kieswüste“ mittig durch einen keilförmig ausgebildeten Kieshügel in zwei zungenförmige Teilbereiche aufgespalten. Insbesondere der westlichere Teilbereich endet in einer deutlich ausgebildeten Zunge. An der dortigen Stirn aufgeschlossene Fichtenstämme stammen aus dem Umfeld der untergeordneten Abrisskante und wurden somit bis zu 175 m weit talwärts transportiert (Schädel & Stober, 1988).

Literatur

  • Bibus, E. (1985). Massenverlagerung im Wald und ihre Folgeschäden am Beispiel des Hirschkopfes bei Mössingen. – Allgemeine Forstzeitschrift, 35, S. 901–910.
  • Bibus, E. (1986). Die Rutschung am Hirschkopf bei Mössingen (Schwäbische Alb) – Geowissenschaftliche Rahmenbedingungen – Geoökologische Folgen. – Geoökodynamik, 7, S. 333–360.
  • Fundinger, A. (1985). Ingenieurgeologische Untersuchung und geologische Kartierung (Dogger/Malm) der näheren Umgebung der Rutschungen am Hirschkopf bei Mössingen und am Irrenberg bei Thanheim (Baden-Württemberg). – Dipl.-Arb. Univ. Tübingen (unveröff.), 133 S.
  • LUBW (2019). 4.145 Bergrutsch am Hirschkopf, verfügbar unter https://rips-dienste.lubw.baden-wuerttemberg.de/rips/ripsservices/apps/naturschutz/schutzgebiete/steckbrief.aspx?id=939001000239.
  • Schädel, K. & Stober, I. (1988). Rezente Großrutschungen an der Schwäbischen Alb. – Jahreshefte des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, 30, S. 413–439.
  • Wagenplast, P. (2005). Ingenieurgeologische Gefahren in Baden-Württemberg. – LGRB-Informationen, 16, S. 1–79.