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Böden im Hochrheintal und Klettgauer Tal

In der Bodenlandschaft Hochrheintal und Klettgauer Tal werden Böden beschrieben, die sich auf den weitverbreiteten Quartärablagerungen dieses Gebietes entwickelt haben. Böden im präquartären Festgesteinsbereich der angrenzenden Talhänge im Südschwarzwald, Wutachgebiet und am Kleinen Randen werden in den Ausführungen zu den entsprechenden Bodengroßlandschaften behandelt. Wenige Ausnahmen bilden die steilen Uferhänge des Rheins im östlichen Hochrheintal, wo Tertiär- und Juragestein an die Oberfläche tritt.

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt

Böden im Verbreitungsgebiet früh- und mittelpleistozäner Sedimente

Unter einem wolkigen Himmel breitet sich eine wellige Hochfläche mit Wiesen, Feldern, Bäumen und Siedlungen aus. Im Hintergrund teils bewaldete Berge.
Wellige Hochfläche im Bereich der Tieferen-Hochrhein-Deckenschotter am Dinkelbergrand bei Rheinfelden-Karsau

Die älteren, über der würmzeitlichen Niederterrasse und in 20 bis mehr als 200 m über dem Rhein gelegenen, früh- bis mittelpleistozänen Fluss-, Gletscher- und Seeablagerungen sind abgesehen von stärker geneigten Hängen häufig von Lösslehm bzw. lösslehmreichen Fließerden bedeckt. Besonders auf den von Deckenschotter gebildeten Terrassen- und Plateauflächen im Gebiet Rheinfelden/Schwörstadt sowie im Klettgau und bei Küssaberg ist überwiegend mächtiger Lösslehm verbreitet. Eine in den dort vorherrschenden Parabraunerden (Z211) örtlich feststellbare sehr geringe Kies- und Sandbeimengung zeigt, dass es sich z. T. um solifluidal umgelagertes Material handelt. Bei dem bereichsweise mehrere Meter mächtigen Lösslehm dürfte es sich um durchverwitterten Würmlöss handeln, der über verlehmtem, z. T. umgelagertem älterem Löss liegt. Im Raum Rheinfelden ist unter dem Bt-Horizont der Parabraunerde stellenweise noch ein schluffreicher, teilweise schwach kalkhaltiger Rest des Würmlösses erhalten, der von einem fossilen älteren Bt-Horizont unterlagert wird. Randlich gehen diese Böden dort in die zur Bodenlandschaft Dinkelberg gehörenden Lössböden über (Parabraunerde, Z72; Pararendzina Z61).

Musterprofil von graubrauner Farbe unter Laub. Links am Rand sind fünf Horizonte eingezeichnet. Rechts im Bild zeigt eine Tafel den Namen und die Nummer, ein Maßband die Tiefe des Profils an.
Tief entwickelte Parabraunerde aus lösslehmreicher Fließerde auf frühpleistozänem Terrassenschotter

Eine weit größere Verbreitung haben Parabraunerden aus lösslehmreichen Fließerden (Deck- über Mittellage), die immer eine zumindest geringe Kiesbeimengung aufweisen (Z209). In 8–10 dm Tiefe treten örtlich bereits verwitterte mittelpleistozäne Terrassenschotter (seltener Glazialablagerungen) auf. Ein gelegentlich vorhandener schwacher Humusgehalt im Unterboden ist auf das Rigolen bei der früheren weinbaulichen Nutzung zurückzuführen. An den Terrassenrändern und auf kleineren, isolierten Terrassenresten fehlt die lösslehmreiche Mittellage häufig, so dass eine schluffig-lehmige, oft auch deutlich sandige, kiesige Decklage direkt über dem teilweise umgelagerten verwitterten Terrassenschotter liegt (Z208). Auch in diesen Substraten dominieren tief entwickelte Parabraunerden. Bei den stellenweise vorkommenden Braunerde-Parabraunerden ist die Lessivierung nur schwach ausgeprägt. Auf den Höhen beiderseits des unteren Steinatals, wo die mittelpleistozänen Ablagerungen neben alpinem Material auch viel Schwarzwaldschotter enthalten, sind Parabraunerden und Parabraunerde-Braunerden mit kiesig-sandigen Oberböden verbreitet, die in einer eigenen Kartiereinheit (Z86) zusammengefasst wurden.

Über eine hellgraue bis hellbraune, rechtwinklig angelegte Ackerfläche im Vordergrund blickt man auf weitere Äcker und Wiesen sowie einen angrenzenden Wald im Hintergrund. Links geben Bäume etwas Schatten; daneben steht ein großer Strommast.
Hochrheintal westlich von Schwoerstadt – Blick zum Dinkelberg

Die oberste Niederterrasse ist im Übergangsbereich zu den angrenzenden Hängen oft von holozänen Abschwemmmassen überdeckt. Am Fuß des Dinkelbergs handelt es sich um mäßig tiefe und tiefe kalkhaltige Kolluvien (Z217), die dort die Terrassenschotter überlagern. Talaufwärts haben tiefe, stellenweise kalkhaltige Kolluvien aus wechselnd schluffiger bis lehmiger Bodenart (Z216) eine weite Verbreitung. Auf der Niederterrasse bei Hohentengen liegen geringmächtige holozäne Abschwemmmassen auf älterem Schwemmlehm und verlehmtem Niederterrassenschotter. Als Böden sind dort mittel tiefe Kolluvien über Parabraunerden oder über Pseudogley-Parabraunerden verbreitet (Z243). Bei Bad Säckingen-Wallbach lagern unter geringmächtigen holozänen Abschwemmmassen tonreiche Schwemmsedimente aus Rotliegendmaterial, die wasserstauend wirken (Pseudogley-Kolluvium, Z214). Auf einer Einzelfläche am Rand der Niederterrasse bei Laufenburg-Luttingen wurden Gley-Pseudogleye und Pseudogleye aus mächtigen, lehmigen Abschwemmmassen kartiert (Z215).

Böden der Auen und Auenterrassen

Das Bild zeigt weite, flache Wiesen und Äcker, im Vordergrund mit Getreidestoppeln. Im Hintergrund, unter dunklen Wolken, erheben sich drei bewaldete, braun gefärbte Berge.
Hochrheintal bei Rheinfelden-Degerfelden

Die Kolluvien am Fuß des Dinkelbergs (Z217) werden im Mündungsbereich der Täler von Überschwemmungssedimenten der Dinkelbergbäche unterbrochen, die z. T. weit in das Hochrheintal hinein transportiert wurden. Auf den anfangs noch schwach gewölbten Schwemmfächern und den sich südlich davon ausbreitenden Ebenen sind überwiegend Braune Auenböden mit wechselnder Zusammensetzung und Mächtigkeit des Auenlehms verbreitet (Z224, Z222, Z230). Im Unterboden der in KE Z231 bei Rheinfelden ausgewiesenen Auenböden treten Rostflecken auf. Dabei handelt es sich allerdings um reliktische Vergleyungsmerkmale, denn das Grundwasser ist in diesen Bereichen heute mehrere Meter unter der Geländeoberfläche anzutreffen (HGK, 1975). Die in der Umgebung von Rheinfelden vorkommenden Grabensysteme dienten früher der Wiesenwässerung und sind heute funktionslos. Sie weisen ebenso wie die Flurnamen mit der Endung „matt“ auf ehemals ausgedehntere Grünlandnutzung hin (Mohr, 1994, S. 246).

Von oben blickt man über helle Ackerflächen und Wiesen links sowie einen blauen Fluss rechts. Das rechte Ufer des Flusses ist bewaldet. Auch auf die Äcker und Wiesen folgt Wald. Im fernen Hintergrund erheben sich flache, bewaldete Berge.
Hochrheintal bei Schwörstadt – Blick rheinaufwärts zum Südschwarzwald nördlich von Bad Säckingen (Hotzenwald)
Von hoch oben blickt man auf eine an den Rändern hügelige Ebene mit gestreiften, im Vordergrund schattigen Ackerflächen, einem Fluß rechts sowie mehreren Siedlungen. Im Hintergrund verlaufen flache, bewaldete Bergrücken.
Hochrheintal bei Laufenburg-Luttingen – Blick nach Nordosten

Literatur

  • HGK (1975). Dinkelberg-Hochrhein, (Markgräfler Land – Weitenauer Vorberge – Wiesental – Dinkelberg – Hochrhein – Wehratal). – Hydrogeologische Karte Baden-Württemberg, 71 S., 5 Karten, Freiburg i. Br. (Geologisches Landesamt Baden-Württemberg).
  • HGK (1992). Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg – Klettgau. – Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, 70 S., Freiburg i. Br.
  • Mohr, B. (1994). Rheinfelden (Baden): A. Naturraum und Siedlung. – Landesarchivdirektion Baden- Württemberg (Hrsg.). Der Landkreis Lörrach, 2, S. 243–269, Sigmaringen.
  • Pabst, W. (1999). Hochwassersituation im deutschen Teil des Klettgaus. – Mitt. naturf. Ges. Schaffhausen, 44, S. 65–74.
  • Wernet, K. F. (1971). Gefüge und Gestalt der Landschaft – Die Auswirkungen. – Schmidt, F. (Hrsg.). Der Klettgau, S. 35–55, Bretten.