Sie befinden sich hier:

Böden der Niederterrasse im südlichen Oberrheingebiet

Kartenausschnitt
Kartenausschnitt
Seitlicher Blick auf die abgestufte, nach rechts niedriger werdende hellgraue Wand einer Kiesgrube. Der obere Rand ist stellenweise rötlich braun, durchwurzelt und mit Bäumen bestanden.
Kiesgrube auf der Niederterrasse nordwestlich von Breisach-Niederrimsingen (Neuenburg-Formation)

Durch Entkalkung, Verbraunung, Verlehmung und Tonverlagerung bildeten sich in dem zweischichtigen Substrat im Holozän Parabraunerden mit einer Entkalkungstiefe von 6–11 dm. Der Tonverarmungshorizont (Al) ist in der im Vergleich zum Unterboden kiesärmeren Decklage entwickelt, während der oft rötlich gefärbte Tonanreicherungshorizont (Bt) sich im unterlagernden Kies der Niederterrasse befindet. Zwischen Bt- und lC-Horizont, im oberen Bereich des unverwitterten Schotterpakets, sind die ursprünglich locker gelagerten Schotter durch Kalkanreicherung häufig stark verfestigt. Der ca. 3–5 dm mächtige Kalkanreicherungshorizont im Kies (lC-rGco, „Rheinweiß“) ist durch Ausfällung aus dem ehemals höher reichenden, stark kalkhaltigen Grundwasser entstanden.

Blick über stoppelige braune Ackerflächen, die bis zum Horizont reichen. Dahinter begrenzen Waldstreifen die Äcker. Im Hintergrund hohe bewaldete Berge.
Blick über die Niederterrassenfläche nördlich von Neuenburg nach Osten zum Südschwarzwald mit dem Blauen (rechts)

Im Osten der Niederterrassenfläche zwischen Schliengen und Heitersheim treten verbreitet Bereiche auf, in denen zwischen Decklage und Schotterkörper der Niederterrasse noch ein feinkörniges spätglaziales Hochflutsediment liegt. In dem zweischichtigen, kiesarmen, tonig-lehmigen Substrat sind Parabraunerden entwickelt (Z92), die örtlich eine schwache Pseudovergleyung aufweisen. Der Kies der Niederterrasse tritt meist erst in 8–>20 dm Tiefe auf. Weiter nördlich bei Hartheim und Breisach-Oberrimsingen wurden mit KE Z126 ganz ähnliche Böden abgegrenzt. Die Hochflutlehme bestehen dort, im Übergang zur Freiburger Bucht, aber zu einem großen Teil aus Schwarzwaldmaterial und enthalten etwas mehr Sand und Kies. Ähnliche Böden mit deutlicheren Staunässemerkmalen kommen in flachen Rinnen westlich von Merdingen vor (Z123, Pseudogley-Parabraunerde). In einer flachen Rinne südlich von Hartheim war zudem eine deutliche reliktische Vergleyung in den Hochflutsedimenten festzustellen (Z103, Pseudogley-Gley und Gley).

An einen umgepflügten Acker im Vordergrund schließt sich rechts eine bewaldete Böschung an. Die schlanken, hohen Bäume haben noch keine Blätter, der Acker wirkt staubig und trocken.
Ackerbaulich genutzte Auenböden auf dem Kander-Schwemmfächer – rechts der bewaldete Hang der Niederterrasse (Hochgestade)

Bei Schliengen sowie zwischen Weil am Rhein und Efringen-Kirchen, wo das Hochgestade am höchsten ist, wurde der steil zur Rheinaue abfallende Terrassenhang als eigene Kartiereinheit ausgewiesen. Dominierende Böden auf dem oft von einem kolluvialen Schleier überdeckten, jung umgelagerten Sand-Kies-Gemisch sind Pararendzinen (Z78).

Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Wald. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in sieben Horizonte unterteilte Profil ist etwa 1,50 m tief.

Tief entwickelte Pseudogley-Parabraunerde aus Decklage über spätwürmzeitlichem Hochflutlehm

Im Osten der Niederterrassenfläche zwischen Efringen-Kirchen und Haltingen sind die würmzeitlichen Terrassenschotter von 1,5–3,5 m mächtigem, dichtem, schwer durchlässigem Hochflutlehm der Kander überdeckt, auf dem sich vorwiegend Pseudogley-Parabraunerden und Parabraunerde-Pseudogleye entwickelt haben (Z95). Die 5–6 dm mächtige Deckschicht entspricht vermutlich der jungtundrenzeitlichen Decklage bzw. Hauptlage (Profil 2 in Fleck et al., 1997). Der Hochflutlehm selbst ist mehrgliedrig und wird von einem 6 dm mächtigen humosen Tonhorizont durchzogen, der auf vorübergehende Stillwasserverhältnisse hindeutet (dunkler unterer Bereich im gezeigten Ausschnitt). Da deutliche Staunässemerkmale erst unterhalb ca. 4 dm auftreten, ist der Boden als Ackerstandort noch gut geeignet. Musterprofil 8311.208

  • Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in vier Horizonte gegliederte Profil ist 1 m tief.
  • Das Bild zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in vier Horizonte unterteilte Profil ist 95 cm tief.
  • Von weiter oben blickt man über flache Äcker, auf denen zum großen Teil junges Grün wächst. Im Hintergrund eine Siedlung und Bäume.
Das Foto zeigt ein Bodenprofil unter Acker. Es handelt sich um ein Musterprofil des LGRB. Das in fünf Horizonte gegliederte Profil ist 1,60 m tief.
Pseudovergleyter Brauner Auenboden aus Auenlehm über Altwasserfazies

Im Osten der Niederterrassenfläche haben Bäche aus dem Hügelland (Klemmbach, Holebach) die Niederterrasse und damit auch die spätglazialen Hochflutsedimente im Holozän zeitweise überflutet und dabei Auenlehme abgelagert. Die in KE Z98 ausgewiesenen Braunen Auenböden sind oft geringmächtig und überlagern die Bt-Horizonte der älteren Parabraunerden aus Hochflutlehm bzw. sind kleinräumig mit diesen verzahnt.

Literatur

  • Ad-hoc-AG Boden (2005). Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Aufl., 438 S., Hannover.
  • Fleck, W., Thater, M. & Zwölfer, F. (1997). Exkursion D8: Landkreis Lörrach. – Exkursionsführer zur Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft 1997 Mitt. dt. bodenkdl. Ges., 82, S. 383–421.
  • Hädrich, F. & Stahr, K. (2001). Die Böden des Breisgaus und angrenzender Gebiete Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 91, S. 1–138.
  • Kayser, S. & Mäckel, R. (1994). Fluviale Geomorphodynamik und Reliefentwicklung im Ostrheingebiet Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 82/83, S. 19–57.
  • Moll, W. (1970). Beiträge zur Genese und systematischen Stellung rubefizierter Parabraunerden aus alpinen Schottern und Geschieben Freiburger bodenkdl. Abh., 3, S. 1–180, Freiburg i. Br.